Anlegerschutz und Regulierungswahn – Teil 1

In letzter Zeit werden die Rufe nach der Regulierung des grauen Kapitalmarkts und einer Verbesserung des Anlegerschutzes lauter. Grund genug, um dem Themenkomplex Anlegerschutz und Regulierungswahn eine ganze Serie zu widmen.

Doch warum werden die Rufe nach zusätzlicher Regulierung und zusätzlichem Anlegerschutz in letzter Zeit zunehmend lauter? Als einfache Antwort könnte man das anführen, was landläufig undifferenziert als Bankenkrise oder Finanzkrise bezeichnet wird. Doch so einfach ist es natürlich nicht. Vielmehr ist es eine Mischung aus politischen Reaktionen auf eben diese Krise, diverse Affären und Anlagebetrügereien sowie eine subtile Festigung bestehender Machtstrukturen.

Viele Geschäfte, die früher einmal ohne Genehmigungen möglich waren, sind heute nur noch mit aufwändigen und kostenintensiven Genehmigungsverfahren möglich. Auch das demnächst kommende Kapitalanlagegesetz schränkt die Akteure der Finanzbranche stark ein. Einerseits wird mit derartigen Maßnahmen der Versuch unternommen das Finanzsystem zu stabilisieren, andererseits soll dadurch der Anlegerschutz verbessert werden.

Sowohl ein stabiles Finanzsystem als auch ein guter Anlegerschutz sind prinzipiell begrüßenswert. Allerdings führt die zunehmende Regulierung nicht zwingend zu einem stabileren Finanzsystem. Auch der Anlegerschutz wird dadurch nicht maßgeblich verbessert. Lediglich der Zugang zur Finanzbranche wird enorm erschwert. Das wiederum sichert den vorhandenen Strukturen, also denen, die Finanzkrisen verursacht und Anleger nicht ausreichend geschützt haben, ihre Geschäfte. Jungen Unternehmern mit innovativen Ideen ist der Markteintritt in die Finanzbranche ohne die Unterstützung dieser alt eingewachsenen Strukturen schlicht nicht mehr möglich.

Die gegenwärtige Rechtslage und deren Folgen stehen in keinem Verhältnis mehr zum ursprünglichen Zweck. Eine Lösung der wirklichen Probleme der Finanzbranche wird nach wie vor nicht angestrebt und die Anleger für dumm verkauft. Solange ein Großteil der angebotenen Finanzprodukte so seriös wie Lotterielose sind, wird auch eine noch stärkere Regulierung nicht helfen.

In den folgenden Beiträgen der Serie wird eine Gegenüberstellung von theoretischem Anspruch und existierender Wirklichkeit vorgenommen. Dabei wird vor allem auf die daraus resultierenden Probleme eingegangen, die einem großen Teil der Leser so vermutlich nicht klar sind. Dazu werden in Teil 2 der Serie zunächst die unterschiedlichen Bereiche des regulierten und nicht regulierten Kapitalmarkts vorgestellt und erörtert.

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