Unter dem Radar: Minexcoin – Kryptowährung mit Zentralbank

minexcoin

Kryptowährungen sind mittlerweile im Mainstream angekommen. Das haben sie vor allem der Popularität des Bitcoins zu verdanken. Fans und Spekulanten profitieren dabei u.a. von der Tatsache, dass die Kryptowährungen ohne Intermediär auskommen und nicht speziell reguliert sind. Viele hoffen und glauben, dass die Kurse nur eine Richtung kennen – die nach oben. Dank einer stetigen Berichterstattung und nicht zuletzt auch durch die Einstiege institutioneller Investoren sind die Phantasien von der Vervielfachung von Kursen enorm. Der eigentliche Sinn von Kryptowährungen, die Nutzung als alternatives Zahlungsmittel und neuerdings die Etablierung ganzer Ökosysteme, wird dadurch allerdings zur Nebensache. Das wird vermutlich erst dann erkannt, wenn die ein oder andere Wette platzt und man als Verlierer mit leeren Händen dasteht.

Grund genug, sich mit den Kryptowährungen außer dem Bitcoin, sogenannten Altcoins, auseinanderzusetzen. Ein Projekt fällt bei genauer Betrachtung besonders auf: Minexcoin.

Prinzipiell handelt es sich beim Minexcoin um eine auf der Blockchain basierende Kryptowährung. Es gibt, wie bei anderen Kryptowährungen auch, Wallets, um Transaktionen durchzuführen und seinen Kassenbestand zu sichern. Für das Mining erhält man Minexcoins und man kann die Minexcoins an bisher einer Onlinebörse (Werbung: Livecoin) handeln. Für die Zukunft ist eine eigene Börse sowie ein Handelsplatz geplant und auch hier soll, natürlich, ein Ökosystem entstehen. Auf den ersten Blick liegt also nichts Besonderes vor, was Minexcoin von den meisten anderen Altcoins unterscheidet. Bei genauerer Betrachtung stößt man jedoch auf die Minexbank und wundert sich in der Kommunikation über das „Happy Parking“. Und genau darin liegt eine Besonderheit. Minexcoin verfügt über eine Zentralbank, welche die Minexcoins (MNX) sogar verzinst. Das Anlegen bei der Minexbank nennt sich „Parking“ und die Zinsen werden als „Parking Rates“ bezeichnet. Man kann seine MNX für einen Tag, für eine Woche, für einen Monat oder für ein ganzes Jahr anlegen. Dabei sind die Zinssätze beachtlich (Stand 17.Dezember 2017, 10:00 Uhr). So gut verzinst derzeit keine andere Bank, egal in welcher Währung oder welchem Ökosystem. Interessant ist auch, dass man trotzdem jederzeit an seine MNX rankommt. Dann fließen lediglich die Zinsen nicht.

Spätestens jetzt stellt man sich die Frage, warum eine auf der Blockchain basierende Kryptowährung eine Zentralbank braucht. Ein Blick ins Whitepaper verrät den Grund und offenbart noch eine weitere Besonderheit. Die Minexbank und ein Algorithmus sollen den MNX-Kurs stabilisieren. Minexcoin ist also ein sogenannter Stablecoin – also eine Kryptowährung, die versucht, die Kursentwicklung weitgehend zu stabilisieren. Weiterhin soll alle drei Monate eine Art obere Schranke für die Kursentwicklung definiert werden, die sich aus der durchschnittlichen Entwicklung der zehn stärksten Kryptowährungen ergibt.

Zusammenfassend Minexcoin als Bestandteil eines Handelsökosystems also eine Kryptowährung, deren Volatilität in Grenzen gehalten werden soll. Darüber hinaus kann man seine MNX in der Minexbank anlegen und verzinsen lassen („parken“). Klingt ok, aber auch nicht wirklich spannend. Spannend wird es aber, wenn man sich anschaut, und an wen sich Minexcoin richtet. Die Entwickler stammen aus der Ukraine. Die Kommunikation findet ausschließlich auf Englisch und Russisch statt. Gleichzeitig sind die Orte der Öffentlichkeitsarbeit nicht unbedingt diejenigen, an denen sich westliche Entwickler mit starkem Internationalisierungsdrang orientieren. Zwar vermarktet sich Minexcoin als weltweites Ökosystem, die Ansprache wirkt aber dennoch sehr stark „gen Osten“ gerichtet. Und das macht das Projekt und die Kryptowährung äußerst interessant! Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland führen u.a. dazu, dass der internationale Zahlungsverkehr eingeschränkt ist. Oder einfach ausgedrückt: Es ist schwer Geld nach Russland oder aus Russland heraus zu bringen. Gleichzeitig gibt es in Russland aber einige Leute, die Interesse daran haben, ihr Geld außer Landes zu bringen. Dabei handelt es sich im Übrigen nicht zwingend um kriminelle Waffen-, Drogen- und Menschenhändler, sondern größtenteils um ganz normale Geschäftsleute oder vermögende Privatpersonen, die von den verhängten Wirtschaftssanktionen, für die sie nichts können, betroffen sind. Interessant ist auch, dass Minexcoin in anderen Ländern, gegen die Wirtschaftssanktionen verhängt sind, ebenfalls populärer ist als in den westlichen Ländern.

Wie stark Minexcoin aktuell noch unter dem Radar operiert, wird insbesondere dann deutlich, wenn man sich die Kursentwicklung seit dem ersten Listing auf Livecoin betrachtet. So hat sich der Kurs seither ohne größere öffentliche Notiz vervielfacht. Ein weiteres Indiz, dass dieser Stablecoin bisher eine noch völlig unentdeckte Perle ist, ist die Tatsache, dass ein ähnliches Projekt (http://www.getbasecoin.com) mit hochkarätiger Investorenbeteiligung im eigenen Whitepaper einen Stand der Technik darstellt, der Minexcoin mit keinem Wort erwähnt. Das kann zwar gewollt sein, muss es aber nicht.

Sind die Aktivitäten vielerorts auf möglichst schnelle Kursgewinne ausgerichtet, ist das Ziel von Minexcoin tatsächlich die Etablierung einer stabilen, zuverlässigen Kryptowährung als Alternative zum Fiatgeld. Auch dann, wenn die Volatilität begrenzt werden soll, kann mit einem starken Kursanstieg gerechnet werden. Eine Einschätzung anhand des Verwendungszwecks mit dem RUB oder UAH als untere Schrankenwährung führt zu einem Zielkurs zwischen ca. 100 und 300 EUR je MNX. Vom derzeitigen Stand aus entspricht das in etwa einer Verdreifachung bis Verzehnfachung. Tatsächlich könnte die Orientierung von Minexcoin aber auch am USD oder EUR erfolgen. Dann bewegt sich der Sättigungskorridor eher zwischen ca. 8.000 und 10.000 EUR. Hinzu kommen die Zinsen der Minexbank, die in Form von MNX ausgeschüttet werden. Ein Einstieg könnte also eine durchaus lukrative Angelegenheit sein.

Welche Zukunft die unterschiedlichen Kryptowährungen haben und welche sich am Markt etablieren, wird die Zukunft zeigen. Aktuell kommen sie allerdings langsam im Mainstream an und sind in einigen Kreisen bereits in Mode. Wer sein Portfolio an Kryptowährungen erweitern möchte, sollte sich daher unbedingt Minexcoin (https://minexcoin.com/) anschauen und über eine kleine Einlage nachdenken. Trotz der Mechanismen, welche die Volatilität einschränken sollen, muss man sich dennoch darüber im Klaren sein, dass Kryptowährungen ein enorm hohes Risiko darstellen. Trotz der vielen Vorteile und möglicher Chancen, ist ein Investment auch ein enorm hohes Risiko!

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BaFin warnt vor Risiken bei ICOs

Big Brother BaFin

Am 9.11.2017 hat die BaFin in einer Meldung (https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Meldung/2017/meldung_171109_ICOs.html, abgerufen am 10.11.2017 um 9:30 Uhr) vor den Risiken gewarnt, die Investitionen im Rahmen von ICOs bergen. Diese Meldung ging, wie derzeit alles, was im Zusammenhang mit Blockchain-Technologie steht, durch die diversen Medien. Und damit hat die Bafin prinzipiell erstmal recht. Im Grunde ist die Warnung auch vollkommen gerechtfertigt. Die Teilnahme an ICOs ist in der Tat mit dem Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals verknüpft. Dem ist prinzipiell nichts hinzuzufügen. Und jeder Anleger muss sich darüber im Klaren sein! Allerdings gilt das für praktisch jede Kapitalanlage in Aktien, Fonds oder Anleihen.

Problematisch wird es allerdings dann, wenn die BaFin erläutert, weshalb ICOs so riskant sind. Sowohl die Auffassung dessen, was da vor sich geht als auch die Überheblichkeit des etablierten Regulierungswahns sind für den durchschnittlichen Anleger erheblich gefährlicher als ein durchschnittlicher ICO! Doch schauen wir uns genauer an, was die BaFin so postuliert.

Einführend wird von der BaFin erstmal angeführt, dass ICOs mit den regulierten IPOs möglicherweise gleichgesetzt werden könnten, da sich das ganze ähnlich anhört. Gleichzeitig seien IPOs aber weder technisch noch rechtlich vergleichbar. Das stimmt sogar. ICOs sind technisch erheblich moderner, zuverlässiger und transparenter als ein regulierter Börsengang. Darüber hinaus ist der ICO i.d.R. für alle beteiligten erheblich günstiger. Und das ist, insbesondere dann, wenn man sich das nächste Argument der BaFin auf der Zunge zergehen lässt, ein erheblicher Vorteil. Und zwar wird als nächstes Argument das frühe Entwicklungsstadium genannt, was weder eine Bewertung der technischen Entwicklung noch eine Bewertung des zugrunde gelegten Geschäftsmodells möglich sei. Auch das ist richtig, bedeutet aber auch, dass für die Entwicklung und Erprobung Geld benötigt wird. Wenn dieses, wie auch bei vielen regulierten Vorhaben eingesammelt wird, ist jeder Cent wertvoll, der nicht in der Regulierung oder Beratung landet. Ergo sind die fehlende Regulierung und die Durchführung ohne kostspieligen Intermediär kein Nachteil, sondern ein Vorteil! Darüber hinaus ist die Bewertung von Geschäftsmodellen die eine Sache, eine andere ist, dass es bei vielen ICOs nicht „um ein Geschäftsmodell“ geht, sondern viel mehr um die Gestaltung von ganzen Ökosystemen. Im Übrigen werden in den meisten Wertpapierprospekten der regulierten IPOs die Geschäftsmodelle keineswegs so dargestellt, dass sie für den berühmten Otto Normalverbraucher nachvollziehbar sind. Also ist die Argumentation schlicht und ergreifend Käse.

Als weiteres Risiko wird der möglicherweise nicht liquide oder gänzlich fehlende Zweitmarkt angeführt. Das ist ebenfalls richtig. Und man sollte sich darüber im Klaren sein, bevor man Geld in einen ICO steckt.

Weiter wird erörtert, dass die Angaben in den Terms and Conditions sowie in den White Papern schwer zu überprüfen seien. Also prinzipiell sind die White Paper verständlicher und nachvollziehbarer als die durchschnittlichen Wertpapierprospekte. Und mal ehrlich: Welcher Privatanleger kann das Ergebnis einer Buchprüfung eines Konzerns nachvollziehen? Jetzt argumentiert der Regulierer an dieser Stelle, dass das nicht nötig sei, da es ja eine Prospekthaftung gibt und der Verursacher von Falschangaben im Schadensfalle haften muss. Und das ist blanker Hohn! Als ob ein Privatanleger, der beispielsweise 2.500 € investiert hat und geprellt wurde, einen möglicherweise langen und teuren Rechtsweg beschreiten würde, dessen Ausgang offen ist.

Dann werden die Ausführungen des Warnhinweises etwas wirr. Richtig wirr ist insbesondere die Darstellung dessen, was dort als Smart Contract bezeichnet wird. Auch der zugrundeliegende Code wäre angreifbar und könnte sich als Manipulierbar erweisen. Nunja…so ist das möglicherweise. Im Grunde genauso, wie der EURIBOR manipuliert wurde, es immer wieder Aktienkurse gibt, die durch gezielte Maßnahmen hoch oder runter getrieben werden (Und ja, in Deutschland darf man noch immer ganz legal short gehen!) und es auch immer Hackerangriffe geben wird.

Ein großer Vorteil von Blockchain-Technologie ist aber, dass Manipulationen wenigstens im Nachhinein eindeutig nachvollzogen werden können. Das gestaltet sich in der etablierten Finanzwelt etwas anders. Kein Mensch (auch nicht bei der BaFin) spricht offen über die Sicherheitslücken der etablierten Prozesse. Man sollte also zunächst in den eigenen Reihen der vertrauten (und zahlungswilligen) Strukturen die Sicherheit auf ein zeitgemäßes Maß erhöhen, bevor man die Sicherheit einer prinzipiell „sichereren“ Technologie kritisiert. Und richtig haarsträubend wird es damit, dass die Terrorismusfinanzierung aufgegriffen wird. ICOs sein systembedingt anfällig dafür.

So eine gequirlte Scheiße!

Systembedingt anfällig für die Terrorismusfinanzierung sind vor allem die international organisierten Banken! Wer tätigt denn die Geldgeschäfte, um massenweise Kriegsgerät zu bezahlen oder das durch Drogen, Erpressung und sonstige kriminellen Handlungen eingeworbene Kapital zu waschen und umzulenken? Die derzeit nennenswerten Kryptowährungen sind nicht anonym, sondern pseudonym. D.h. man könnte einen Geldfluss nachvollziehen. So dämlich sind die Bosse der Terrororganisationen nicht. Das überlässt man den Profis, die Geldgeschäfte seit Jahren professionell verschleiern können. Außerdem ist das Geld auf einer Bank viel sicherer.

Außerdem: Auch Terroristen wissen, dass ICOs und Kryptowährungen riskant sind! Und solange man sich bei einem ICO mit „echtem Geld“ einkaufen muss, muss das auch transferiert werden. Und wer macht das? Richtig: Die etablierte Finanzindustrie. Also nochmal: Wer ist jetzt systembedingt anfällig für Terrorismusfinanzierung?

Am Ende kehr wieder etwas Ruhe und Klarheit in die Warnung derBaFin zurück. Es wird aufgeführt, dass man sich genau überlegen solle, was man tut und alles genauestens prüfen, insbesondere ob das zum persönlichen Anleger- und Risikoprofil passt. Dieses Ende versöhnt wieder etwas, wenn auch gleich die Verstörung der teils recht wirren Panikmache bleibt.

Am 15.11.2017 soll im BaFin-Journal mehr dazu erscheinen. Ich bin gespannt!

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Erste Schritte zum Einstieg in die Blockchain-Technologie für Unternehmen der Finanzbranche

Blockchain

Alle reden von der Blockchain oder von Blockchain-Technologie, doch kaum einer versteht sie. An vielen Stellen in deutschen Unternehmen herrschen Ahnungslosigkeit, Zurückhaltung und Verunsicherung. Lediglich in der Finanz-, Versicherungs- und Energiebranche herrscht teilweise Aktionismus. Oftmals leider ohne jegliche Strategie. Doch das musst nicht sein. Hier eine einfache Anleitung für einen sauberen Einstieg ins Thema Blockchain für Unternehmer und Entscheider der Finanzbranche.

Blockchain-Technologie gehört mit zu den meist diskutierten, aber tatsächlich auch wichtigsten Zukunftsthemen dieser Zeit. Da die Technologie mit der Kryptowährung Bitcoin bekannt wurde, ist die Finanzbranche natürlicherweise der Vorreiter, wenn es um Blockchain-Anwendungen geht. Aber auch andere Branchen stellen fest, dass sie möglicherweise in Zukunft nicht mehr an dem Thema vorbeikommen – und sei es nur als Anwender. Der Grund ist banal: Die softwaretechnisch prinzipiell sehr einfache Technologie bietet die Möglichkeit, praktisch fälschungssichere Transaktionen (von was auch immer) direkt zwischen den interagierenden Parteien abzuwickeln. Die derzeit oftmals nötigen Intermediäre (Banken, Treuhänder etc.) werden nicht mehr benötigt. Das ist für viele Prozesse der Finanzwelt natürlich äußerst interessant.

Eine Konsequenz: Es sind eine ganze Reihe von Initiativen und Projekten rund um die Blockchain entstanden. Auch viele Startups wurden gegründet und beschäftigen sich mit Geschäftsmodellen auf Basis der Blockchain. Und das ist auch gut, wenn es darum geht, den Markt für eine neue Technologie vorzubereiten. Daraus resultiert aber auch eine aktuelle Problemstellung: Der Markt ist unübersichtlich und intransparent, was viele davon abhält, sich mit eigenen Entwicklungen (also mit Kapital) dem für die nahe Zukunft sehr wichtigen Thema zu widmen.

Mit der Problemstellung verknüpft ist auch, dass der Verständnis der meisten Entscheider für die Blockchain-Technologie nicht ausreichend ist. Ein häufiger Fehler ist, dass man versucht, derzeitige Prozesse und Geschäftsmodelle zu adaptieren. Dabei werden häufig einfach nur etablierte Technologien substituiert. Das ist in vielen Fällen aber nicht sinnvoll. Denn die damit verbundenen Kosten und Risiken stehen erst dann im richtigen Verhältnis, wenn aus der Änderung entweder ein besserer oder neuer Kundennutzen resultiert oder aber im Falle einer Substitution eine erhebliche Kostenreduktion möglich ist.

Damit der Einstieg in das Thema Blockchain gelingt, sollte man sich vollständig mit ihr auseinandersetzen. D.h. die Funktionsweise verstehen, sich frei von aktuellen Prozessen sowie aktueller Regulatorik machen und sich, vor allem anderen, strategisch mit dem Thema auseinandersetzen.

Die nachfolgenden Schritte sollen helfen, die Blockchain-Technologie für sich zu erschließen. Allerdings erheben sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind nur als Einstiegshilfe zu verstehen.

  1. Machen Sie sich Ihre unternehmerischen Ziele bzw. die Ziele Ihres Unternehmens klar!

Niemandem ist geholfen, wenn blinder Aktionismus Ressourcen frisst, ohne einen Mehrwert zu schaffen. Jeder Unternehmer bzw. jedes Unternehmen sollte strategische Ziele haben. Diese sind in jedem Fall in den Vordergrund zu stellen, nicht die Blockchain-Adoption! Eine einfache Zielsetzung im Zusammenhang mit den strategischen Zielen könnte z.B. lauten: „Welche unserer Ziele könnten von der Blockchain-Technologie betroffen sein?“. Die grundständige Analyse möglicher Anwendungsfelder sowie der Funktion der Blockchain könnte dann ein erster Schritt sein.

  1. Informieren Sie sich und lassen Sie sich dabei ggf. helfen!

Fangen Sie einfach an! Nehmen Sie sich einen Abend lang Zeit. Organisieren Sie sich etwas zu Knabbern und zu trinken und informieren Sie sich im Internet. Lesen Sie anfangs einfache Blogartikel, schauen Sie sich Erklärvideos an und gehen Sie dann zu Fachartikeln über. Das sollte für einen ersten Einstieg genügen.
Versuchen Sie hinterher jemand anderem die Funktionsweise einer Blockchain zu erklären. Sollte das nicht klappen, haben Sie es höchst wahrscheinlich selbst nicht verstanden. In diesem Fall wenden Sie sich an einen Experten, der Ihnen das Thema erklären kann.

  1. Verstehen Sie aktuelle Projekte!

Es gibt derzeit eine ganze Reihe von interessanten Blockchain-Projekten. In der Regel sind sowohl die technologischen Grundlagen (Algorithmen) als auch die wirtschaftlichen oder sozialen Anwendungsmodelle gut dokumentiert. Sie werden von den Projektinitiatoren meist als Whitepaper oder Technical Resources zum Download angeboten. Neben dem Verständnis der Grundlagen benötigen Sie dafür in der Regel etwas Zeit und Ruhe. Der Erkenntnisgewinn ist allerdings enorm. Nehmen Sie sich diese Zeit!

  1. Prüfen Sie mögliche Geschäftsmodelle für Ihr Unternehmen aktuell und in der Zukunft!

Was könnte der Einsatz von Blockchain-Technologie für die Prozesse Ihrer derzeitigen Geschäfte bedeuten? Wie könnten Geschäftsmodelle für Ihre Kunden in der Zukunft aussehen, wenn man den Bedarf Ihrer Zielgruppe(n) zugrunde legt? Stellen Sie dabei IMMER sowohl die Kostenfrage als auch die Frage nach dem Kundennutzen!

  1. Vernetzen Sie sich mit anderen!

Derzeit gibt es viele Interessierte, sowohl Einzelkämpfer als auch Unternehmen, die sich mit der Blockchain auseinandersetzen. Diese treffen Sie auf kostenfreien Abendveranstaltungen (z.B. Meetups) sowie auf Veranstaltungen von Branchen- und Berufsverbänden. Auch die aktuellen Blockchain-Startups sind offen für Fragen. Trauen Sie sich und klopfen Sie an deren Türen. Sie werden überrascht sein, wie offen sie empfangen werden und welche Informationen man Ihnen zur Verfügung stellen wird. In praktisch allen Großstädten werden Sie derzeit offene Ansprechpartner finden!

  1. Spielen und experimentieren Sie selbst!

Sie können andere (sowohl Ihre Kunden als auch Ihre Mitarbeiter) nur dann überzeugen, wenn Sie selbst überzeugt sind. Also seien Sie überzeugt und experimentieren Sie selbst mit der Blockchain. Beteiligen Sie sich an einem ICO, versuchen Sie Kryptowährungen zu handeln (z.B. Bitcoin) oder experimentieren spielerisch Sie mit frei verfügbarem Software-Code. Letzteres geht natürlich nur dann, wenn Sie selbst die nötigen Fähigkeiten besitzen und ist sicherlich kein Muss!

  1. Werben Sie im eigenen Haus für das Thema!

Versuchen Sie zunächst Ihre eigenen Mitarbeiter für Chancen der Technologie zu begeistern. Vermeiden Sie es, Ängste zu schüren und seien Sie offen für die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter. Die Adoption neuer Technologien ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern in erster Linie von Ihrer Unternehmenskultur abhängig!
Sie werden erfahrungsgemäß sehr schnell feststellen, wie Ihre Belegschaft zu dem Thema steht, welches Wissen im eigenen Hause darüber vorhanden ist und wen Sie in den eigenen Reihen als Mitstreiter gewinnen können oder wen Sie noch überzeugen müssen.

  1. Legen Sie nicht einfach alleine los!

Vermeiden Sie eigene Entwicklungsversuche ohne Experten. Gibt es die in den eigenen Reihen, umso besser. Falls nicht, brauchen Sie Hilfe von außen. Es gibt bereits viele Projekte, deren Entwicklungen Sie für sich nutzen können. Holen Sie sich deshalb entweder Partner ins Haus, die bereits Entwicklungen vorweisen können oder entwickeln Sie mit Ihren Geschäftspartnern gemeinsam und lassen Sie sich dabei von externen Spezialisten unterstützen. Gemeinsam gelingen Entwicklung erfahrungsgemäß besser, sind kostengünstiger und durch den Input anderer sinkt die Gefahr am Markt vorbei zu entwickeln.

  1. Geben Sie Ihrem Baby keinen nichtssagenden Namen!

Vermeiden Sie bei der Benennung Ihres Blockchain-Projektes banale oder aus Worthülsen bestehende Namen. Bezeichnungen, wie „Blockchain-Projekt“ oder „Krypto-Innovation“ sollten sie vermeiden. Derartige Bezeichnungen sagen nicht, um was es geht und sind innerhalb von Unternehmen oft der Anfang vom Ende. Vergeben Sie deshalb einen Namen, der den Nutzen oder das Ziel des Projektes bezeichnet.

  1. Vergessen Sie nicht, dass es sich um Technologieentwicklung handelt!

Auch, wenn der Blockchain-Technologie eine große Zukunft prophezeit wird, handelt es sich um eine noch neue Technologie, deren Anwendung in der Breite noch aussteht. Zwar sind sich nahezu alle Analysten einig, dass die Blockchain definitiv als Zukunftstechnologie auf dem Vormarsch ist und eine große Bedeutung haben wird, bei Ihren Blockchain-Projekten handelt es sich aber trotzdem um F&E-Projekte mit allen Chancen und Risiken. Seien Sie sich deshalb bewusst, dass das Projekt scheitern kann. Seien Sie bei der Projektdefinition kostenbewusst, aber vermeiden Sie Kostendiskussionen, sobald das Projekt definiert gestartet wurde.
Geben Sie Ihren Mitarbeitern Freiraum und die Möglichkeit, eigene Ideen einfließen zu lassen. Aber vor allem: Kommunizieren Sie ausreichend über Ihr Projekt! Stellen Sie die Chancen in den Vordergrund, lassen Sie Fehler zu, erlauben Sie Abweichungen vom Plan und versuchen Sie, gleichzeitig trotzdem möglichst den Projekt-Fokus zu wahren.

Wer heute und in Zukunft seiner Rolle als Unternehmer oder Entscheider gerecht werden will, hat schlicht und einfach die Pflicht, sich mit einer derart wichtigen Zukunftstechnologie auseinanderzusetzen. Das gilt insbesondere für die Finanzbranche. Warum? Ganz einfach: Viele Dienstleistungen werden in Zukunft nicht mehr erbracht werden müssen. Insbesondere dann nicht, wenn man sich überlegt, dass bald schon nicht mehr nur Menschen, sondern insbesondere Computer untereinander Geschäfte abwickeln.

Deshalb sollten die Schritte 1 bis 3 im Grunde praktisch von allen Unternehmern und Entscheidern in Unternehmen der Finanzbranche durchlaufen werden. Nicht jedes Unternehmen muss eigene Projekte starten. Aber jedes Unternehmen muss wissen, was auf es zukommt! Ein Unternehmen, was das nicht weiß, handelt planlos. Und das sollte eigentlich keiner weiteren Erörterung bedürfen.

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Der Wandel vom Sparer und Anleger zum aktiven Investor oder Unternehmer

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Obwohl die Themen Sparen, finanzielle Vorsorge und Absicherung sowie Kapitalanlage medial allgegenwärtig und von großer Wichtigkeit sind, spielen sie bei einem Großteil der Bevölkerung im alltäglichen Leben nur eine untergeordnete Rolle. Ursächlich sind vermutlich mehrere Gründe. Der schwerwiegendste dürfte die Bequemlichkeit sein. An zweiter Stelle steht das mangelnde Verständnis für die Materie und der damit verbundene Glaube, keine zielführenden Anlage- und Investitionsentscheidungen treffen zu können. Hinzu kommen individuelle Gründe. Tatsache ist aber, dass nur die wenigsten Menschen sich aktiv mit Fragestellungen der eingangs genannten Themen beschäftigen und daraus abgeleitete Ideen dann auch umsetzen.

So lag laut Angaben des Deutschen Aktieninstitut e.V. die Aktionärsquote im Jahr 2016 bei nur ca. 14 %, wovon die Anteile von direktem (Aktionäre) oder indirektem (nur Fonds) Besitz in etwa gleichauf liegen. Das bedeutet praktisch gesehen, dass nur in etwa jeder siebte Bürger Kapital an der Börse investiert. Der Anteil derer, die in Unternehmen direkt investieren (z.B. stille Gesellschaften oder über geschlossene Fonds etc.) ist noch geringer. Im Umkehrschluss bedeutet das Obenstehende aber auch, dass die Kapitalanlagen der restlichen Bevölkerung, wenn überhaupt, nur noch indirekt von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der Realwirtschaft profitieren. Oder anders (und vielleicht auch etwas überspitzt) ausgedrückt: Das Geld verdienen andere!

Vergleichsweise hoch ist hingegen die Wohneigentumsquote. Dabei stellt die selbstgenutzte Immobilie in den meisten Fällen, abgesehen von günstig eingekauften Immobilien in wachsenden Ballungsgebieten, ein Klumpenrisiko dar. Interessant dabei ist, dass sich der Durchschnittsbürger offenbar befähigt fühlt, mit dem Kauf einer Immobilie eine durchaus existenzielle Entscheidung treffen zu können, eine vergleichsweise geringe Investition in Aktien mit einem praktisch jederzeit handelbaren Gegenwert aber scheut.

Natürlich hinkt dieser Vergleich bei genauer Betrachtung an der ein oder anderen Stelle. Dennoch dient er der Verdeutlichung dessen, was bezogen auf Finanzthemen gelebte Realität ist. Privatanleger fühlen sich nicht dazu in der Lage, Anlage- bzw. Investitionsentscheidungen zu treffen, da die Materie als komplex und schwer zu durchdringen erscheint. Hinzu kommt noch etwas anderes: Investieren wirkt auf viele langweilig. Gestaltet man das Thema Kapitalanlage interessant oder gar spannen, sieht die Welt schon anders aus.

Nicht umsonst sind in den letzten Jahren Formate, wie das Social Trading immer beliebter geworden und bei jüngeren Leuten die ICOs diverser Blockchain-Projekte und bei wieder andere Crowdfunding und Crowdinvesting. Auch die Popularität der Sendung „Die Höhle der Löwen“, bei der Gründer vor bekannten Investoren ihre Idee präsentieren und anschließend auf unterhaltsame Weise eine mögliche Investition erörtert wird, zeigt, dass Finanzthemen unterhaltsam gestaltet werden können.

Die oben beschriebenen Tendenzen sind aber auch ein Indiz für noch etwas viel Wichtigeres: Der Durchschnittsverbraucher, der gleichzeitig auch potenzieller Anleger ist, hat durchaus Interesse an Finanzthemen und ist durchaus willig, sich damit auseinanderzusetzen.

Mit etwas Phantasie lässt sich noch etwas ganz anderes postulieren: Wenn Anleger sich gemeinsam aktiv über Kapitalanlagethemen austauschen (Social Trading), gemeinsam Vorhaben und Unternehmen Finanzieren (Crowdfunding, Crowdinvesting, ICOs) und sich darüber hinaus für Investoren und Gründer interessieren (Die Höhle der Löwen), dann lassen sie sich auch zu aktiven Investitionen animieren. Das sollte insbesondere genau dann gelten, wenn diese nicht alleine, sondern gemeinschaftlich erfolgen. Wenn man nun auch noch Elemente integriert, die unterhaltsam sind oder Anlegern einen persönlichen Nutzen über eine mögliche Rendite hinaus generieren, lassen sie sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch unternehmerisch auf aktive Investitionen ein.

Auch, wenn das Obenstehende etwas vage und möglicherweise verfrüht anmutet, so steckt dahinter etwas, was sich über praktisch alle Wirtschaftsbereiche ausbreiten wird. Aktuelle zentral organisierte Systeme brechen auf. Wertschöpfungsketten transformieren sich zu Wertschöpfungsnetzwerken und Plattformen, auf denen unterschiedlichste Marktteilnehmer Waren, Energie, Kapital und Informationen austauschen werden immer wichtiger. Viele Intermediäre werden wegfallen und Verträge innerhalb der Netzwerke und Plattformen, auch über Grenzen hinweg, schnell und zuverlässig geschlossen werden. Erfolg werden in Zukunft nur noch die haben, die innerhalb dieser neuen Strukturen bestens miteinander vernetzt sind und verstehen, dass der einzelne nur noch dann profitiert, wenn andere Akteure auch profitieren.

Insbesondere für den heutigen Otto Normalverbraucher ist das eine unglaubliche Chance. Anstatt blind in Kapitalanlageprodukte zu vertrauen, die er nicht versteht und auch keine praktische Kontrolle darüber hat, kann er schon bald in Ideen, Produkte, Projekte oder Firmen investieren, von denen er profitiert, die er versteht und über die er auch tatsächlich eine gewisse Kontrolle gewinnen kann. Das einzige, was er dafür tun muss: Er muss das antrainierte Konsumverhalten ablegen und bereit sein, überschaubare Risiken einzugehen. Er muss sich etwas mehr einbringen und engagieren. Viel mehr wird er aber nicht tun müssen. Er muss nur der Unternehmer werden, der seine eigenen Investitionsentscheidungen trifft und mit anderen gemeinsam umsetzt.

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Ist RegTech “the next big thing” in 2017?

Der Begriff Fintech ist nun schon fast flächendeckend in der Finanzwelt angekommen. Auch Innovatoren anderer Wirtschaftszweige verstehen, was es damit auf sich hat. Seit einiger Zeit kommt in der Szene ein neuer Begriff auf: RegTech. Regtech ist, wie Fintech auch, ein Kofferwort aus den Begriffen Regulation und Technology. Es beschreibt im weitesten Sinne technologische Lösungen zur Bedienung regulatorischer Anforderungen sowie zur Unterstützung von Regulierten und Regulatoren.

Aktuell beziehen sich die Entwicklungen zwar weitgehend auf die Finanzbranche, streng genommen ist aber nicht nur die Finanzwelt stark reguliert. Das eröffnet den Lösungen, die in diesem Segment entwickelt werden, Potenziale, die sich auch in der Realwirtschaft oder dem Privatleben wiederfinden können. Die Ansätze, die die Akteure entwickeln, werden mittelfristig voraussichtlich mehr Bereiche des täglichen Lebens betreffen als derzeit vermutet wird. Vermutlich werden die RegTech-Entwicklungen zukünftig auch mehr Schnittstellen zu Legaltech und Insurtech als zu Fintech haben. Nichtsdestotrotz liegt der Entwicklungsfokus hauptsächlich auf der Finanzbranche.

Nun hat RegTech es Anfang Juni auch als Thema zu Between the Towers in Frankfurt geschafft. Grund genug, sich das ganze einmal anzusehen, da die Regulierung in der Finanzwelt wie eine unkalkulierbare Wetterlage so ziemlich jegliche Kreativität hemmt.

Abgesehen davon, dass der fesselndste Beitrag des Abends vom Getränkesponsor kam, wurde das Programm mit einem Vortrag von Dr. Florian Reul eröffnet, der nicht nur die Bedeutung des Themas für den Finanzsektor darstellte, sondern sich insbesondere auch dem widmete, was die gesamte Branche hemmt und Innovationen verhindert. Zu nennen sind an dieser Stelle insbesondere das sogenannte Regulation Lag und die Ideen für neue Geschäftsmodelle. Selbstredend wurden diese Probleme (Und nein, es sind für die Branche nicht einfach nur Herausforderungen, sondern echte Probleme!) branchenfreundlich formuliert und weniger provokant verpackt. Aber sie wurden auf fachlich fundierte und für das Thema durchaus unterhaltsame Weise thematisiert.

Die weiteren Vorträge des Abends waren zwar informativ und unterhaltsam, jedoch in Teilen am Thema vorbei. Wobei man der Fairness halber sagen muss, dass gerade das thematisch nicht unbedingt Elemente durchaus befruchtend sein können, wenn man sich etwas Neuem stellen soll.

Um auf die Frage zurückzukommen, die diesem Artikel als Überschrift dient, muss man sich zunächst im Klaren darüber sein, welche Interessen bzw. welche Stakeholder davon betroffen sind. In erster Linie betrifft RegTech die Regulierten sowie die Regulierer. Die Regulierer haben selbstredend ein Interesse daran, dass mögliche Report- und Überwachungsmöglichkeiten effizient, in echtzeit und möglichst prädiktiv funktionieren. Das gleiche gilt für die Regulierten. Weiterhin ist es für beide Seiten von Interesse, dass das ganze möglichst kostengünstig und effektiv passiert. In diesen Bereichen wird RegTech mit großer Sicherheit eines der nächsten großen Themen.

Ein wirklich richtiges „next big thing“ dürften die meisten Lösungen jedoch nicht werden. Die Erklärungen dafür lieferte u.a. Herr Reul im Rahmen seines Vortrages. Das regulation lag wurde oben bereits als Problem angeführt. Da der Großteil der Manager als angestellte Verwalter agieren, haben die meisten eigentlich kein Interesse daran, rechtliche Risiken einzugehen. Folglich dürften es sämtliche Innovationen schwer haben, die nicht zu 100 % als juristisch unbedenklich abgesegnet wurden. Diese Prozesse dürften selbst für vergleichsweise durchschaubare Angelegenheiten durchaus ihre Zeit andauern. Schließlich werden sich die Juristen, die derzeit von der manuellen Bearbeitung regulatorischer Fragestellungen profitieren, mit großer Sicherheit ihre Geschäfte nicht kanibalisieren.

Ein weiterer Grund, der „the next big thing“ verhindert, liegt in den Köpfen der Entscheider und vieler Unternehmensgründer. So werden in der Regel technologische Lösungen für bestehende Prozesse und Probleme entwickelt und angeboten. Das gleiche gilt für Geschäftsmodelle. Meist werden lediglich bestehende Produkte oder Dienstleistungen „in Technologie gegossen“ und als große Innovationen ausgelobt. Wirklich neue Geschäftsmodelle, die bestehenden Kundennutzen abseits der existierenden Regulierung generieren, sind derzeit praktisch keine in Sicht.

So wird RegTech zwar an Bedeutung gewinnen, sicherlich aber nicht der Megatrend der nächsten Jahre werden. Die wirklich geschaffenen Mehrwerte, dürften schnell ohne großes Aufsehen von den Branchenriesen aufgekauft oder werden. Alternativ werden sie ohne großen Medienrummel im Hintergrund existieren.

Insbesondere im Zusammenhang mit neuen Geschäftsmodellen bleibt jedoch noch ein wichtiger Punkt offen. Dieser wurde auch bei Between the Towers nicht aufgegriffen. Und zwar sind das Geschäftsmodelle, die bestehende Regulierung überflüssig machen oder diese umgehen. Zwar schwebt über ihnen „der Makel des regulation lag“, streng genommen entsprechen aber nur diese Ansätze dem, was man unter einer disruptiven Innovation verstehen kann. Alles andere sind inkrementelle Innovationen, die der Entwicklung der technologischen Machbarkeit hinterherhinken.

Das Thema RegTech wird uns also zunehmend begleiten, im Vergleich zu Fintech oder Legal Tech aber nur einen Nebenkriegsschauplatz bei der Umwälzung der Finanzindustrie darstellen.

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Investment Crowdfounding

Crowdfunding-Modelle gewinnen seit mehreren Jahren zunehmend an Bedeutung. Neben der Finanzierung von Startups und Technologieprojekten hat insbesondere die Finanzierung von Immobilienprojekten stark zugenommen. Dabei stehen bei den Investoren in der Regel Gewinnerzielungsabsichten im Vordergrund, weshalb oft auch die Bezeichnung Crowdinvesting verwendet wird. Unter anderem aufgrund der zunehmenden Popularität wurde auch der Gesetzgeber aktiv und hat Teile der Schwarmfinanzierung (z.B. mit dem Kleinanlegerschutzgesetz) eigenen Regularien unterworfen. Für das Crowdfunding wurde in diesem Zuge einer Erleichterung der Prospektpflicht eingeräumt, gleichzeitig wurden aber auch zusätzliche Anforderungen an die Plattformbetreiber gestellt und die Investitionshöhe der Anleger beschränkt.

Was als Vorteil und Sicherheitsgewinn für Anleger verkauft wird, ist in erster Linie Mehraufwand für die Plattformbetreiber und bringt weder Startups noch Immobilienprojektentwickler wirklich weiter. Will man Unternehmensanteile oder andere Beteiligungsformen, die keinen partiarischen Darlehen entsprechen, unters Volk bringen, bleibt die bisherige Prospektpflicht nämlich bestehen. Dabei bedeuten insbesondere echte Unternehmensanteile oder Genussrechtsbeteiligungen mehr Sicherheit für Investoren.

Die heute verfügbare Technologie ermöglicht mit nur einem kleinen bisschen Mehraufwand jedoch ein Crowdfunding-Modell, welches die derzeitigen regulatorischen Beschränkungen umgeht: Crowdfounding. Im Artikel Gemeinschaftliche Kapitalanlagen wird die Idee, die von Dr. Levin Brunner als Crowdfounding (http://support.mashup-finance.de/crowdfounding/) beschrieben wurde, bereits aufgegriffen. Dabei geht es nicht darum, als bestehende Firma einen Schwarm an Geldgebern zu finden, sondern einen Schwarm, der komplementäre Ressourcen bereitstellt. Denkt man diesen Ansatz konsequent weiter, lässt sich auf diese Weise ein Regulierungsproblem der Crowdfunding-Plattformen lösen.

Startet man ein dem von Brunner beschriebenem Ansatz ähnliches Crowdfounding-Projekt und zeigt unterschiedliche Partizipationsmöglichkeiten auf, die nicht in einer verbindlichen Investition, sondern zunächst in einer Absichtserklärung enden, findet formal kein öffentliches Angebot statt. Folglich wird weder ein Wertpapierprospekt für den Emittenten noch eine Vertriebserlaubnis für den Plattformbetreiber benötigt. Für die Investoren besteht außerdem der Vorteil, dass das Gebot zunächst nicht bindend ist und man den Zeitdruck, der bei herkömmlichen Crowdfunding- bzw. Crowdinvesting-Kampagnen teilweise entsteht, eliminiert.

Natürlich kann beim Crowdfounding das Projekt nicht in einem Schritt finanziert werden. Ist der erste Schritt einer Crowdfounding-Kampagne abgeschlossen, existiert zunächst eine Schar von Investoren, die lediglich die Absicht erklärt haben, in ein Projekt oder ein Unternehmen zu investieren. Nun muss ein Prozess erfolgen, in dessen Verlauf dann die Interessen der jeweiligen Investoren berücksichtigt werden. So könnten manche Investoren Genussrechte bevorzugen, während andere wieder am Eigenkapital beteilig werden möchten. Andere wiederum wollen vielleicht nur ein Darlehen geben. Auch die Laufzeiten könnten ggf. individuell aufgestellt werden. Sind nun alle Interessen erfüllt, wird von den Investoren eine Zweckgesellschaft gegründet, die dann das Kapital investiert. Dieses Vorgehen hört sich zunächst äußerst kompliziert an und stellt in der Tat eine gewisse Herausforderung dar.

Mit Hilfe von Webanwendungen und Smart Contracts (digitale Verträge, die auf Blockchain-Technologie basieren) sowie standardisierten Vertragsbausteinen kann der Prozess von der Absichtserklärung bis zur Gründung allerdings enorm schnell, komfortabel, sicher und ohne großen Aufwand durchlaufen werden.

Bleibt noch die Frage der Geschäftsführung der Zweckgesellschaften zu klären. Diese kann im Idealfall von einem oder mehreren Investoren erfolgen. Alternativ können auch externe Personen angestellt werden. Damit sind natürlich Kosten verbunden, weshalb sich das Einstellen eines Geschäftsführers, der sich nicht aus den Investoren rekrutiert, sicherlich nicht für Projekte mit einem geringen Volumen empfiehlt. Es kommen außerdem noch Kosten für die Gründung der Zweckgesellschaft und ggf. Steuerberatungskosten hinzu. Ab einem gewissen Investitionsvolumen sind die Kosten dieser Lösung allerdings erheblich geringer als die Kosten, die bei regulierten Produkten durch Regulierung (Prospekterstellung und BaFin-Billigung), Verwaltung, Beratung und Vertrieb entstehen. Von der Differenz dieser Kosten profitieren die Investoren dann in Form einer höheren Rendite.

Das skizzierte Investment Crowdfounding ist natürlich keine Lösung für alle Startups und Projekte, die mittels Crowdinvesting derzeit platziert werden. Da vom Investor auch eine gewisse Aktivität gefordert wird, ist der beschriebene Ansatz auch nicht für alle Anleger geeignet. Aber gerade für Immobilienprojekte öffnet Investment Crowdfounding eine vielversprechende Perspektive für Anleger, die ihre Kapitalanlagen gerne aktiver gestalten möchten.

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Blockchain-Technologie ist kein Ersatz für das Geschäftsmodell

Im Zuge des Hypes um Fintech-Startups steht ein Thema besonders im Fokus: die Blockchain-Technologie. Allerdings ist die Blockchain-Technologie, auch wenn sie durch Bitcoin groß geworden ist, nicht nur im Finanzumfeld relevant. Glaubt man denen, die das Thema forcieren, wird die Blockchain so ziemlich alles verändern, was auch nur im Entferntesten mit Banking, Zahlungsverkehr und Verträgen sowie Organisations- und Managementvorgängen zu tun hat. Man kann davon ausgehen, dass diese Annahme richtig ist. Konsequenterweise kann man auch davon ausgehen, dass einige der heute an den Start gehenden oder bereits aktiven Startups, die sich dieser Technologie widmen, perspektivisch gute Aussichten auf Geschäftserfolg haben. Alleine der Einsatz von Blockchain-Technologie ist allerdings noch lange keine Garantie für ein florierendes Geschäft. Eine Investition in ein Blockchain-Startup sollte also genauso gut geprüft werden, wie jede andere Investition auch.

Der Kern eines jeden Startups ist das Geschäftsmodell. Und genau das sollte man sich auch dann anschauen, wenn Startups auf Blockchain-Technologie setzen. Typische Anwendungsbereiche sind der Zahlungsverkehr sowie das Aufsetzen und Schließen sicherer Verträge. Prinzipiell stellen aber auch andere Anwendungen, wie beispielsweise Handelssysteme, Marktplätze oder die dezentrale Zusammenarbeit, Geschäftsmodelle dar, die mittels Blockchain realisiert werden können. Wesentlicher Vorteil der Ansätze, die auf der Blockchain aufbauen, ist der Wegfall „vertrauenwürdiger“ Intermediäre oder zentralisierter Überwachungs- und Steuerungsinstitutionen. Auf diese Weise lassen sich z.B. Zahlungen ohne Anbieter, denen man z.B. aufgrund staatlicher Regulierung vertraut, praktisch fälschungssicher durchführen. Auch Verträge ließen sich so fälschungssicher schließen und so weiter. Man könnte jetzt alle erdenklichen Anwendungsszenarien skizzieren und bewerten. Anschließend wäre ein Vergleich mit den Konzepten der Blockchain-Startups und der von Konzernen getriebenen Konsortien durchzuführen, mit dem man dann wiederum Schlüsse über deren Zukunftsaussichten ziehen könnte. Das ist allerdings mühsam und nicht unbedingt zielführend. Viel mehr lassen sich die Konzepte zur Anwendung von Blockchain-Technologie in drei bzw. vier leichter zu handhabende Kategorien nach Stellung in dem jeweils zugrundeliegenden Geschäftsmodell unterteilen. Dieser Ansatz ist daher nicht nur für Investoren sinnvoll, sondern auch für Innovatoren von praktischem Nutzen, da er auf der Ebene der Technologieapplikation klassifiziert und auf Geschäftsmodellebene bewertet.

Der ersten Kategorie würde man Konzepte zur Prozessoptimierung, Ergänzung oder Substitution bestehender Lösungen innerhalb eines Geschäftsmodells zuordnen. Als Beispiele lassen sich hier z.B. Zahlungslösungen für Onlineshops anführen, welche die Zahlung mit Bitcoins akzeptieren. Der zweiten Kategorie lassen sich Konzepte zuordnen, die ein bekanntes Geschäftsmodell nutzen, sich technologisch aber vollständig neu orientieren und anstelle etablierter Lösungen auf die Block Chain setzen. Beispiel für ein derartiges Konzept ist das Betreiben von Handelsplätzen für Wertpapiere oder anderer Assets (z.B. von Digital Asset Holdings). Der dritten Kategorie werden Konzepte zugeordnet, die ein Geschäftsmodell verfolgen, welches bisher nicht existierte oder nicht rentabel umzusetzen war und durch die Anwendung von Blockchain-Technologie erstmalig zu einem Cashflow führen könnte (z.B. Plex). Darüber hinaus gibt es noch eine vierte Kategorie. Dieser werden technologische Ansätze zugeordnet, deren Nutzen vielversprechend ist, ein belastbares Erlösmodell jedoch noch fehlt.

Die Risiken der Blockchain-Applikation steigen mit den Kategorien. Wird nur ein Prozess optimiert, ein Teilprozess substituiert oder ergänzt, sind die Risiken vergleichsweise niedrig. Im schlimmsten Fall wäre der zusätzliche Nutzen gering oder man würde den Schritt rückgängig machen. Interessanterweise sind die Potenziale nicht automatisch gering, sondern hängen davon ab, an welcher Stelle substituiert, ergänzt oder optimiert wird. Die Risiken von Konzepten, die man der zweiten Kategorie zuordnet, sind wiederum höher. Zwar wird das Geschäftsmodell nicht verändert und folglich auch keine Änderungen des Kundennutzens und des Erlösmodells durchgeführt, eine vollständige Neuorientierung aller Prozesse im Zusammenhang mit dem Einsatz von Blockchain-Technologie ist aber in jedem Fall mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden. Wenn durch ihren Einsatz nicht in erheblichem Umfang Kosten eingespart werden können oder aber doch zusätzlicher Kundennutzen entsteht, dürfte sich eine Investition nicht unbedingt rentieren und eingesetztes Geld wäre verbrannt. Steht hingegen ein vollständig neues Geschäftsmodell zur Diskussion, sind die Risiken erheblich. In einem solchen Fall kommen zu den technologischen Risiken zusätzlich die Risiken, die das neuartige Geschäftsmodell mit sich bringt. Liegt lediglich eine neue Technologie-Applikation vor und das zugehörige Geschäftsmodell muss noch entwickelt werden, ist das Risiko enorm. Gleichzeitig könnte damit natürlich etwas geschaffen werden, was derartig neuartig und disruptiv ist, dass sich der Einsatz zu einer ungeheuerlichen Rendite führt (die Suchmaschine Google war seinerzeit ein solches Investment).

Doch warum die ganze Theorie, die letztlich nichts Neues zutage fördert? Ganz einfach. Startups, die aktuell auf Blockchain-Technologie setzen, gelten allgemein als super Investmentchancen. Allerdings liegt diese Auffassung in der breiten Öffentlichkeit primär daran, dass die Funktionsweise, die man mit Blockchain-Technologie bezeichnet, nicht wirklich verstanden wird. Die Technologie gilt als komplex. Daher überschattet der Sachverhalt, dass die Macher von Blockchain-Startups als Genies wahrgenommen werden, die Geschäftsmodelle, die hinter den Unternehmungen stecken. Sofern der Kundennutzen, der geschaffen wird, keinen wirklichen Mehrwert gegenüber dem Ist-Zustand darstellt, handelt es sich jedenfalls nicht um empfehlenswerte Investments. Die Geschäftsmodelle der Startups oder von Konzern-Konsortien sollten daher im Vordergrund stehen, nicht die Tatsache, dass da etwas mit Blockchain-Technologie geschaffen wird.

Wer nach Investment-Chancen im Zusammenhang mit Blockchain-Technologie sucht, sollte sich über die oben geschilderten Technologie-Applikationen in den vier Kategorien im Klaren sein. Empfehlenswert sind insbesondere Chancen, die der ersten und dritten Kategorie zugeordnet werden können. Wirklich interessant sind natürlich die Konzepte, die noch kein vollständiges Geschäftsmodell haben. Diese sollten aber wirklich nur dann als mögliche Investitionen in Betracht gezogen werden, wenn man einen Totalverlust verschmerzen kann und sich im Klaren darüber ist, dass es sich mehr um eine Art Lotterieschein handelt als um eine Kapitalanlage.

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Digital Innovation & Fintech: Ein Studiengang, den die Welt (nicht?) braucht

Im Herbst dieses Jahres werden die ersten Studierenden an der Frankfurt School of Finance & Management im Bachelorstudiengang Digital Innovation & Fintech studieren. Die renommierte private Hochschule bietet den Studiengang als berufsbegleitendes Modell an, bei dem die Studierenden unter der Woche drei Tage im Unternehmen verbringen. Zielgruppe dürften ambitionierte Praktiker aus der Finanzbranche sein, die sich für digitale Geschäftsmodelle im Finanzsektor interessieren und diese entwickeln, managen und umsetzen wollen oder sollen.

Dass digitale Innovationen nahezu in jeder Branche zu gravierenden Änderungen führen werden, ist keine Neuigkeit. Es ist auch keine Neuigkeit, dass die Finanzbranche in Sachen digitale Innovationen bisher recht unkreativ war. Nichtsdestotrotz wurden welche realisiert. Diese liegen aber entweder schon lange zurück (bspw. Onlinebanking) oder aber es sind lediglich inkrementelle Innovationen, die weder an den Geschäftsmodellen noch an den grundlegenden Fundamenten der Branche kratzen. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte aber nicht nur sein sein, dass die etablierten Finanzinstitutionen diese nicht Umsetzen könnten, sondern im Grunde für lange Zeit gar kein Interesse daran bestand. Aufgrund des aktuellen Fintech-Hypes ändert sich diese Einstellung, jedenfalls von den Köpfen der etablierten Unternehmen aus. Hinzu kommt die Sorge diverser Kräfte, dass der Finanzplatz Frankfurt an Bedeutung verliert. Also versucht eine Allianz aus Politik, Branchenvertretern und anderen Stakeholdern in Frankfurt ein Fintech-Zentrum zu etablieren. Einen Baustein dafür stellt der eingangs genannte Studiengang dar.

Die Hoffnung der Initiatoren des Studiengangs dürfte also darauf abzielen, technologieaffine Karrieristen der Finanzbranche zur Schaffung von Innovationen im Finanzsektor zu befähigen. Dafür bedarf es allerdings mehr als nur der Digitalisierung bestehender Prozesse und Geschäftsmodelle. Diejenigen, die diese Innovationen entwickeln, müssen sowohl technische als auch wirtschaftliche und juristische Fähigkeiten mitbringen und darüber hinaus über Kreativität verfügen. Üblicherweise ist bereits das vermitteln einer dieser Fähigkeiten anspruchsvoll genug, um einen ganzen (grundständigen) Studiengang zu füllen. Für einen praxisorientierten Studiengang ist die Aufgabe daher mehr als sportlich einzustufen. Dieser Sachverhalt weckt die Neugier auf die Studieninhalte, welche die durchaus elitär einzustufende Hochschule bietet.

Schaut man sich das Curriculum (http://www.frankfurt-school.de/dms/CLM-Magnolia-Onepager/bachelor/fintech/FinTech.pdf, abgerufen am 07.05.2016) an, offenbart sich die oben beschriebene Problematik in aller Deutlichkeit. Als erstes fällt auf, dass das Thema Mathematik unterrepräsentiert ist. Verteilt auf 7 Semester gibt es lediglich im 1. Semester eine Mathematikvorlesung und im 2. Semester eine Stochastik-Vorlesung. Sicherlich werden auch die Vorlesung im 1. Semester zur Entscheidungstheorie sowie im 6. Semester die Vorlesung zum Thema Big Data einen erheblichen Anteil Mathematik enthalten, um die Grundlagen aufzubauen, die man in der heutigen Zeit zum Verstehen und Entwickeln moderner Technologien benötigt, ist das aber definitiv zu wenig. Die bunte Mischung an IT-Inhalten wirkt ebenfalls wie ein grober Abriss über das, was zwingend erforderlich ist, ein roter Faden ist jedoch nicht erkennbar. Darüber hinaus fehlen Grundlagen, wie z.B. eine Vorlesung zu den unterschiedlichen Protokollen. Ein bisschen Programmieren, ein bisschen Datenbanken, ein bisschen App-Development ein bisschen hiervon und davon aber insgesamt kein wirklich ineinandergreifendes und zusammenwirkendes Programm.

Ohne das Programm detailliert auseinanderzunehmen stellt man sich unweigerlich noch weitere Fragen. Beispielsweise taucht nirgendwo im Curriculum der Begriff Produktentwicklung auf. Eine mindestens 4-6 CP umfassende Vorlesung sollte sich mit den Grundlagen der Produktentwicklung befassen. Mit einem geringeren Umfang dürfte wohl kaum eine Befähigung entstehen können, die eine professionelle Auseinandersetzung mit dem Thema Innovationen ermöglicht. Ein bisschen Auseinandersetzung mit Value Proposition Design im Rahmen der Vorlesung Digital Entrepreneurship reicht dafür nämlich nicht. Was ist mit Recht? Wie soll jemand, der lediglich eine Vorlesung mit Rechtsinhalten besucht, sich im deutschen Regulierungs-Dschungel behaupten können? Und aus welchem Grund kommen die Wirtschaftsinhalte so kurz? Weiterhin stellt sich die Frage, wie ein Studiengang mit dem Begriff Innovation titeln kann, ohne Inhalte des Innovationsmanagements zu vermitteln. Es stellt sich auch die Frage, warum wesentliche Inhalte, die eigentlich Grundlagen für alle Absolventen darstellen sollten, anstelle von Kernmodulen als Spezialisierungsmodule vorkommen. Man könnte noch weitere Fragen aufwerfen, dass das Programm noch Schwachstellen aufweist, sollte jedoch klargestellt sein.

Wo Schatten ist, ist allerdings auch Licht. Positiv fällt insbesondere das Wahlmodul Business and Society auf. Dieser Aspekt, unter dem Innovationen (also Produkte und Geschäftsmodelle) immer beleuchtet werden müssen, wirkt auf den ersten Blick zwar weich, stellt aber eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung neuer Ideen dar. Was nutzt ein noch so gutes Produkt, wenn es weder innerhalb des eigenen Unternehmens, noch von den Kunden akzeptiert wird? Ebenfalls positiv zu erwähnen ist die Tatsache, dass man sich dem Thema IT-Sicherheit widmet. Zwar wirkt diese typisch deutsche Gründlichkeit in Anbetracht fehlender allgemeiner IT-Grundlagen putzig, nichtsdestotrotz ist es ein zentrales Thema, an dem niemand vorbeikommt, der mit IT-basierten Geschäftsmodellen, Produkten und Dienstleistungen Geld verdienen will. Ein weiterer Pluspunkt, der positiv hervorgehoben werden kann, ist das Praxisprojekt. Dieses ist allerdings erst im 7. Semester vorgesehen. Hochschuldidaktische Ansätze anderer Wissenschaftseinrichtungen haben aber gezeigt, dass Praxisprojekte in frühen Studienphasen besser aufgehoben sind, da sie für mehr Motivation bei den Studierenden sorgen und gleichzeitig noch losgelöst von kreativitätsvernichtenden Fachgrundlagen bessere Lösungsansätze liefern.

Sowohl der fehlende rote Faden des Curriculums als auch die fehlenden Inhalte sind Indizien, dass der Studiengang mit heißer Nadel gestrickt wurde. Die vollständige Neugestaltung eines derartigen Studiengangs hätte mehr Zeit und sicherlich auch mehr Input anderer bedurft. Eine Gestaltung, die auf einem Wirtschaftsinformatik-Studiengang aufbaut und um unternehmerische Inhalte angereichert wurde, wäre für die Kürze der Zeit die vermutlich bessere Herangehensweise gewesen. Wer also wirklich digitale Innovationen entwickeln möchte oder sich befähigen will, ein erfolgreiches Fintech-Startup zu gründen, dürfte mit diesem Studiengang eher schlecht beraten sein. Für Karrieristen, die innerhalb eines größeren Unternehmens mit einer modern wirkenden Ausbildung einer renommierten Institution ihre Aufstiegschancen verbessern möchten, stellt der Studiengang hingegen einen empfehlenswerten Pfad dar. Man sollte sich jedoch im Klaren darüber sein, dass es eine Wette auf einen anhaltenden Fintech-Hype ist und man keinesfalls die fachpraktischen Fähigkeiten vermittelt bekommt, die ein Absolvent eines grundständigen Studiengangs mitbringt.

Für den Standort Frankfurt ist der Studiengang ebenfalls positiv zu werten. Damit wird der Anspruch des Standorts Frankfurt verdeutlicht, weiterhin eine gewisse Position innerhalb der sich wandelnden Finanzwelt einzunehmen.

Darüber, dass man einen Fintech-Studiengang braucht, muss man generell nicht streiten. Anstelle von Maschinenbau kann man ja auch Fahrzeugtechnik studieren, ohne Naserümpfen hervorzubringen. Allerdings geht mit jeder Spezialisierung eine gewisse Sicht für das berühmte große Ganze verloren. Aber gerade das ist wichtig, wenn man Innovationen schaffen möchte. Wer über eine Immatrikulation nachdenkt, sollte sich vielleicht vorher mit dem folgenden Zitat von Antoine de Saint-Exupéry auseinandersetzen.

„Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“

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Gemeinschaftliche Kapitalanlagen

Kapitalanlagen waren früher mehr oder weniger eine vertraute Angelegenheit zwischen einem Anleger und seinem Finanzberater. Mit dem Aufkommen der Internetforen, wurden Investitionschancen zunehmen online diskutiert. Diese werden auch heute noch genutzt. Ein weiterer Entwicklungsschritt waren Empfehlungsplattformen, auf denen praktisch jeder Anlagetipps geben konnte, wobei sich diese im Wesentlichen auf Aktien beschränkten. Diese Plattformen wurden zunehmend moderner, erweiterten ihre Funktionsumfänge und entsprechen heute weitgehend dem, was man unter sozialen Netzwerken versteht. Damit wurden auch die unterschiedlichen Kapitalanlagen von der vertrauten Angelegenheit zum mehr oder weniger öffentlichen Thema. Die breite Diskussion über einzelne Kapitalanlagen, die Nutzerbewertung von Empfehlungen sowie die Möglichkeit, Tippgebern und ihren Empfehlungen zu folgen, ermöglichten es aber auch, dass weniger erfahrene Anleger vom Wissen erfolgreicher Anleger profitierten. Natürlich hat das nicht nur Vorteile, sondern birgt auch gewisse Gefahren. Das Nutzen heutiger Plattformen dieser Art, die Nutzern zum Teil auch das automatische Handeln nach den Empfehlungen anderer, ausgewählter Nutzer ermöglichen, wird auch Social Trading genannt. Dabei wird zwar in gewissen Grenzen das Wissen einer Gemeinschaft genutzt, die Handlungen erfolgen aber immer individuell, auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko.

Eine schon gemeinschaftlichere Handlung ist das Investieren über ein Crowdfunding-Modell (Crowdinvesting). Dabei finanzieren viele mit vielen kleineren Beträgen einen großen Beitrag, um z.B. ein Startup, ein Immobilienprojekt oder die Entwicklung von Technologien zu ermöglichen. Zwar wird hier von einer Gemeinschaft die Realisation eines Vorhabens ermöglicht, in dieser investiert jedoch auch wieder jeder für sich selbst. Das Kapital fließt dann in eine Gesellschaft, die in der Regel nicht von den Anlegern verwaltet wird. Die Kapitalanlage erfolgt also individuell und das eingesammelte Kapital wird, trotz einer gemeinschaftlichen Aktion, ebenfalls individuell von einer „fremden“ Gesellschaft verwaltet.

Die Crowdfunding-Modelle, die man dem Crowdinvesting zurechnet, bewegen sich dabei allerdings nicht in einem rechtsfreien Raum (auch, wenn das teilweise anders dargestellt wird). Folglich müssen die Plattformbetreiber bestimmten Anforderungen genügen. Beispielsweise müssen sie über eine Erlaubnis für den Vertrieb von Kapitalanlagen oder die Vermittlung von Darlehen verfügen. Auch die Angebote, die über die Plattformen erfolgen, müssen den rechtlichen Anforderungen genügen. Beispielsweise müssen bei größeren Emissionen Wertpapierprospekte erstellt werden. Das gilt insbesondere auch für die die Wertpapiere, die den Anlegern ein Mitspracherecht ermöglichen. Daher werden in Deutschland aktuell auptsächlich Nachrangdarlehen (partiarische Darlehen) als Beteiligungsmöglichkeit instrumentalisiert. Diese sind für beide seiten riskant und bergen für Anleger Risiken, da sie keinerlei Mitsprache- oder Kontrollmöglichkeit haben. Echte Unternehmens- oder Projektanteile, die den Anlegern Kontroll- oder Mitspracherechte einräumen und so aus einer Schwarmfinanzierung eine gemeinschaftliche Kapitalanlage machen, finden sich praktisch nicht. Man könnte überspitzt auch formulieren, dass eine gemeinschaftliche Kapitalanlage mittels Schwarmfinanzierung aufgrund eines Regulierungsproblems nicht möglich ist.

Technologie, insbesondere das Internet mit den Möglichkeiten sozialer Netzwerke ermöglichen allerdings eine Lösung für dieses Regulierungsproblem. Von Dr. Levin Brunner wurde beispielsweise anstelle von Crowdfunding ein Konzept namens Crowdfounding (http://support.mashup-finance.de/crowdfounding/) beschrieben. Dabei geht es nicht darum, einen Schwarm an Geldgebern zu finden, sondern einen Schwarm, der komplementäre Ressourcen bereitstellt. Denkt man diesen Ansatz konsequent weiter, lässt sich auf diese Weise ein Regulierungsproblem der Schwarmfinanzierer lösen.

Startet man ein dem von Brunner beschriebenem Ansatz ähnliches Crowdfounding-Projekt und zeigt unterschiedliche Partizipationsmöglichkeiten auf, die nicht in einer verbindlichen Investition, sondern zunächst in einer Absichtserklärung endet, findet formal kein öffentliches Angebot statt. Folglich wird weder ein Wertpapierprospekt für den Emittenten noch eine Vertriebserlaubnis für den Plattformbetreiber benötigt. Anschließend erfolgt dann ein Findungsprozess, der die einzelnen Interessen der beteiligten Investoren berücksichtigt. Dieser könnte z.B. von Smart Contracts abgesichert werden. Er schließt damit, dass eine Gesellschaft gegründet wird, die das Kapital aller Investoren verwaltet. Im einfachsten Fall entspräche das einer Beteiligungsgesellschaft, die ihr Kapital z.B. in ein Startup investiert. Es könnte natürlich auch komplexer ausfallen, um beispielsweise ein Immobilienprojekt zu realisieren, bei dem die Immobilien auch von der Gesellschaft verwaltet werden und die Anleger sich aktiv dabei einbringen.

Da beim skizzierten Vorgehen die Gemeinschaft nicht nur das Kapital beisteuert, sondern sich auch aktiv einbringt, die Investitionsentscheidung kollektiv trifft und gemeinschaftlich die Risiken der Gesellschaft trägt, kann man von einer echten gemeinschaftlichen Kapitalanlage sprechen. Ob man dazu einen Ansatz wählt, der dem oben beschriebenen Crowdfounding-Ansatz entspricht oder andere Technologien nutzt, ist eigentlich unerheblich. Denkbar sind auch Ansätze, die denen von Dating-Portalen ähneln. Ein wesentlicher Vorteil dabei ist auch, dass sich gemeinsam Investitionen tätigen lassen, die normalerweise nur institutionellen Investoren offenstehen. Gleichzeitig fallen die teuren Vertriebs- und Regulierungskosten weg, was konkret bedeutet, dass den Anlegern dieses Geld als Rendite zufließt. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sich neben dem Kapital auch Fachwissen, welches für die Investitionsvorhaben nötig ist, in der Gemeinschaft findet.

Die Idee der gemeinschaftlichen Kapitalanlagen ist nicht neu. Sie ist auch nichts, was nicht abseits eines organisierten Marktes bereits existiert. Neu ist jedoch, dass sich Dank des Internets und der damit verbundenen Technologien nun Möglichkeiten ergeben, die bisher ungeahnte Potenziale schöpfen könnten.

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Der Traum vom Frankfurter Fintech-Zentrum

Am Mittwoch, den 27.01.2016 lud der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir in die Goethe Universität ein, um Konzepte für ein Fintech-Zentrum in Frankfurt vorstellen zu lassen. Das Ziel: In Frankfurt sollen sich möglichst viele Fintech-Startups ansiedeln. Immerhin gilt Frankfurt als Deutschlands Bankenstadt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass man gerne eine bedeutende Rolle in der Fintech-Szene einnehmen möchte. Bisher klappt das allerdings noch nicht so recht. Zwar gibt es in Frankfurt eine ganze Reihe Startups, die der Finanzbranche zuzurechnen sind, und auch die Anzahl der damit im Zusammenhang stehenden Veranstaltungen kann sich durchaus sehen lassen, als Stadt mit einer bedeutenden Fintech-Szene wird Frankfurt aktuell aber trotzdem nicht wahrgenommen.

Offenbar fehlen zum bedeutenden Fintech-Standort noch ein paar entscheidende Zutaten, die das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und deren Stakeholder nun mit etwas programmatischem Aktionismus identifizieren und einsetzen möchten. Ob dieses Vorhaben zielführend ist, muss jedenfalls als fraglich bewertet werden. Das soll nicht heißen, dass es eine schlechte Idee ist, den Standort Frankfurt in der Fintech-Szene zu pushen und ortsansässige Gründer fördern zu wollen. Ganz im Gegenteil! Was man aber klar hervorheben muss, ist das Fehlen sinnvoller Ansätze. Wer ein Ökosystem (wie es immer so schön heißt) schaffen möchte, der muss dafür entsprechende Voraussetzungen schaffen. Das bedeutet für Startups in erster Linie (bezahlbarer, unbürokratisch verfügbarer) Raum und Geld.

Außerdem werden Begegnungsstätten benötigt, für deren Ausprägung es keine allgemeingültigen Rezepte gibt. An einem Ort funktionieren Gründer/Technologiezentren, an einem anderen Ort geht das gleiche Konzept nicht auf. Ob ein örtliches Zentrum in Frankfurt funktioniert, kann derzeit nicht klar beantwortetet werden. In Anbetracht der Auswahlkriterien für Gründer, die die Räumlichkeiten unter bestimmten Bedingungen nutzen können/dürfen/müssen, muss das bezweifelt werden. Die Kosten für ein ausreichend großes Zentrum dürften in Frankfurt schlicht und einfach zu hoch sein. Dafür gibt es in Frankfurt eine ganze Reihe von Veranstaltungen, z.B. die Veranstaltungsreihe Between the Towers, oder die Webmontage, die das Einbringen eigener Themen aktiv einfordern. Diese funktionieren durchaus als Begegnungsstätte. Schaut man von Frankfurt aus auf die anderen Städte der Metropolregion Rhein-Main, gibt es außerdem weitere Veranstaltungen der ortsansässigen Startup-Szene, die ebenfalls befruchtend auf Fintechs in Frankfurt wirken könnten.

Doch was braucht es noch?

Die Befürworter des politischen Aktionismus argumentieren gerne, dass die Nähe zur etablierten Finanzindustrie positiv wäre. Dieses Argument zieht leider nicht ansatzweise! Wer wirkliche Innovationen schaffen will, muss bekannte Pfade und die Komfortzone verlassen, wie es immer so schön heißt. Innovationen für die Finanzbranche entstehen sicherlich nicht, wenn ausgerechnet die Expertise mitredet, die offensichtlich weder ihre Arbeit noch ihre Hausaufgaben in den vergangenen Jahren gemacht hat. Für die befruchtende Zusammenarbeit ist die Nähe zur Finanzindustrie für Fintechs ebenfalls nicht nötig, da heute sowohl eine hohe Mobilität als auch moderne Kommunikationsmittel als Standard angesehen werden sollten.

Es gibt aber einen Aspekt, der durchaus für die Nähe zur etablierten Finanzindustrie spricht: die Identifikation mit der Branche! Also muss man nicht an irgendwelchen verkopften Argumenten ansetzen, sondern viel mehr an emotionale Komponenten appellieren. Menschen, insbesondere kreative Macher, werden von Emotionen getrieben. Also müssen diese angesprochen werden. Das ist auch der Grund, warum die Standorte Berlin oder das gern als Beispiel herangezogene Silicon Valley funktionieren. Gründer verbinden etwas mit diesen Orten. Natürlich ist die Verfügbarkeit von Investoren und Co. praktisch, diese kommen aber weil dort eine Szene existiert und nicht umgekehrt. Für Frankfurt bedeutet das, dass es keinen Mangel an Institutionen gibt, sondern einen Mangel an Spirit. Und dieser wird sicherlich nicht durch institutionalisierte, staatlich verwaltete Einrichtungen in Form eines Fintech-Zentrums entstehen, das krampfhaft angeordnete Kicker-Tische und inszenierte Becks-Bier-Kisten beinhaltet. Er entsteht dadurch, dass man Menschen Möglichkeiten und Perspektiven eröffnet. Er entsteht durch Kommunikation, Interaktion und durch ein auf Basis von Identität entstehendes Wir-Gefühl. Und das lässt sich durchaus beeinflussen.

Mögliche Ansätze, um das Wir-Gefühl für die Fintech-Szene in Frankfurt auszubauen, sind interaktive,Veranstaltungen mit Branchenfokus. Insbesondere die etablierte Veranstaltungsreihe Between the Towers zeigt, dass derartige Formate funktionieren. Entscheidend für ein befruchtendes Wir-Gefühl ist auch der Wettbewerb. Es müssen also erheblich mehr Fintech-Startups in Frankfurt angesiedelt werden. Dazu braucht es Anreize. Die Nähe zur etablierten Branche ist keiner. Die Gewerbesteuersituation in Frankfurt, die Lebenshaltungskosten und die Mieten sprechen ebenfalls nicht für den Standort. Wettbewerbe und öffentliche Fördermittel könnten eventuell diese Hürden überwinden helfen. Hilfreich wäre also ein Gründerwettbewerb speziell für Fintechs, wobei die Auszahlung der Gewinne oder die Teilnahme am Wettbewerb ganz oder teilweise vom Standort des teilnehmenden Startups abhängig gemacht werden könnten. Warum kein öffentliches Förderprogramm für Fintech-Startups, das einen geringeren Antragsaufwand als das LOEWE-Programm benötigt und einen Frankfurt-Zuschlag enthaltende Mittel bereitstellt initiieren? Würde man die Kosten eines öffentlich geförderten Fintech-Zentrums den Startups in Form von Finanzmitteln zur Verfügung stellen, wäre das sicherlich fruchtbarer als das Verpuffen von Geldern in teurem Raum mit teurer Verwaltung. Wenn man ehrlich ist, profitieren von Gründerzentren in der Regel die Initiatoren – entweder in Form einer staatlich gesicherten Rendite oder aufgrund der Rechtfertigung der eigenen Verwaltungs-/Management-Positionen. Gegen staatlich institutionalisierte Zentren spricht auch, dass der Staat langsam arbeitet und die Flexibilität der Handlungsfähigkeit solcher Einrichtungen, wenn sie dann mal im Betrieb sind, praktisch nicht existent ist. Diese ist für Startups aber erforderlich – insbesondere dann, wenn sie sich im Technologieumfeld bewegen.

Im Grunde ist Frankfurt auf einem guten Weg in Richtung Fintech-Stadt. Wenn man aber schon unbedingt öffentliche Gelder investieren will, dann doch bitte in die, die die Finanzinnovationen schaffen und nicht in die, die diese gerne hätten!

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