Literaturempfehlung: Weniger Politik! von Daniel Zimmer

Im Rahmen meiner Recherchen zur aktuellen Serie Anlegerschutz und Regulierungswahn bin ich auf das Buch Weniger Politik! des Wirtschaftsrechtlers Daniel Zimmer gestoßen. Die enthaltenen Ausführungen sind nicht nur absolut richtig, sondern auch äußerst lesenswert. Eine teils doch sehr emotionale und mitunter komplexe Thematik wurde von Herrn Zimmer äußerst amüsant auf den Punkt gebracht. Da heute nun auch das Handelsblatt über das Werk berichtete, habe ich das zum Anlass genommen meinen Lesern diesen Hinweis auf ein wirklich hervorragendes Buch weiterzugeben. Sicherlich ist es kein wissenschaftliches Fachbuch (es gibt durchaus vollständigere Erörterungen über den deutschen und europäischen Regulierungswahn sowie die zunehmende Entmündigung der Bürger) und sicherlich mögen einige Aspekte etwas überspitzt dargestellt sein, dennoch liest es sich sehr gut und stellt auch für den berühmten Otto Normalverbraucher eine sich schnell erschließende, leicht verständliche und kurzweilige Lektüre dar.

Ich persönlich vertrete die Meinung, dass es eigentlich schon mehr als genug Gesetze in Deutschland gibt. Insbesondere im Zusammenhang mit der unternehmerischen Freiheit und der Gesetzgebung bezüglich des Finanzmarktes gibt es viel zu viele Beschränkungen, die ihrem eigentlichen Zweck nicht nur nicht gerecht werden, sondern ihren Sinn ad absurdum führen. Einige wenige zusätzliche Regelungen vermisse ich zwar, aber eine viel größere Anzahl überflüssiger Regularien sollten dringendst abgeschafft werden. Im Wesentlichen spricht, oder besser schreibt, mir der Autor mit seinen vergleichbaren Ausführungen aus tiefster Seele.

Zunächst beschreibt er, wie der Artikel im heutigen Handelsblatt ebenfalls ausführt, einige Überspitzungen, die zunächst etwas merkwürdig daherkommen. Vielen Lesern dürfte das etwas übel aufstoßen, da es ein gewisses Maß an Abstraktionsvermögen erfordert, um die Übertreibungen generalisiert auf andere Anwendungsfälle zu übertragen. Eine mögliche Nebenwirkung könnten die Übertreibungen auch dahingehend herbeiführen, als dass die anfänglichen Übertreibungen am Stammtisch möglicherweise fehlinterpretiert werden. Aber lieber eine dümmliche Fehlinterpretation einer Ausführung über eine noch dämlichere Regel, als gar keine Auseinandersetzung damit!

Aus meiner Sicht besonders gelungen sind die Ausführungen von Zimmer über den Anlegerschutz und die Schutzbedürftigkeit privater Anleger. Er verneint eine besondere Schutzbedürftigkeit von Kapitalanlegern damit, dass er es nicht als Aufgabe des Staates ansieht, einfach gesagt, gierigen irrational agierenden Tölpeln das Verzocken des eigenen Geldes zu verbieten. Oder um es einmal anders zu formulieren: niemand verbietet einem ein völlig überteuertes Konsumgut zu erwerben, selbst wenn sein Preis nicht ansatzweise gerechtfertigt ist. Oder gibt es ein Gesetz, was einen vor dem Erwerb einer bereits zerschlissenen mit Löchern übersäten Jeans für 500 Euro schützt?

Daniel Zimmer stellt unser politisches System und damit die Demokratie nicht wirklich infrage. Er zeigt auch durchaus Betätigungsfelder zum Verändern, Stabilisieren und Strukturieren des Staates auf. Dennoch macht er deutlich, dass wir den Staat nur an sehr wenigen Stellen benötigen, dafür aber an einigen sehr entscheidenden.

Der Autor Daniel Zimmer ist Professor am Institut für Handels- und Wirtschaftsrecht der Universität Bonn und führt die Geschäfte des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht. Aufgrund seiner Position könnte man natürlich eine gewisse Voreingenommenheit gegenüber bestehenden Regularien unterstellen, seine Ausführungen erscheinen jedoch absolut gerechtfertigt und sorgen bei jedem freiheitliebenden Individuum für gute Laune!

Das Buch ist unter dem vollständigen Titel Weniger Politik!: Plädoyer für eine freiheitsorientierte Konzeption von Staat und Recht im Verlag Beck erschienen. Der Autor ist Daniel Zimmer.


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Daniel Zimmer: Weniger Politik!
Daniel Zimmer:
Weniger Politik!: Plädoyer für eine freiheitsorientierte Konzeption von Staat und Recht

Johannes Tschesche

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