Kapitalanlagen auf Basis der Empfehlungen von kostenlosen Börsenbriefen und Newslettern

Zweck einer jeden Kapitalanlage ist es, dass eingesetzte Kapital zu vermehren oder es wenigstens zu sichern. Hierfür steht eine Vielzahl von Anlagemöglichkeiten bereit. Angefangen beim klassischen Sparbuch bis hin zu hoch komplexen Finanzprodukten. Ein Klassiker ist seit jeher die Kapitalanlage in Aktien. Dabei investiert der moderne Anleger nicht immer nach vorheriger Besprechung mit einem unabhängigen und professionellen Anlageberater, sondern oftmals auf Basis eigener Recherchen. Diese basieren nicht selten auf Empfehlungen von Börsenbriefen und Newsletterdiensten. Auch der Austausch über einschlägige Internetplattformen und Social Networks ist heute Quelle für viele Anleger. Doch auch, wenn die Inhalte und Diskussionen in einschlägigen Internetforen und Social Networks zunehmend an Bedeutung gewinnen, sind Börsenbriefe noch immer die Standardmedien, die private Kapitalanleger als Informationsquellen für mögliche Kauf- oder Verkaufsentscheidungen heranziehen. Meist sind diese Newsletter dann auch für die Eröffnung von Threads über bestimmte Unternehmen in Internetforen ausschlaggebend. Daher haben diese Medien für die gesamte Branche eine besondere Bedeutung. Es liegt auch auf der Hand, dass es auch genau deshalb eine nahezu unüberschaubare Anzahl von Anbietern gibt. Diese Vielzahl kostenloser und kostenpflichtiger Angebote reich von einfachen Newsletttern bis hin zu Handelssystemen, die aktuelle Handelsempfehlungen in Echtzeit per SMS versenden. Auch Börsenbriefe, die per Post oder Fax versandt werden gibt es nach wie vor.
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Insbesondere die kostenlosen Börsenbriefe und Newsletter stellen für viele Anleger eine wichtige Quelle für mögliche Kapitalanalgen dar. Dieser Sachverhalt lässt sich anhand eines Gedankenexperiments erklären. Man lege einen Betrag von 10.000 € zugrunde, der für Kapitalanlagen in Aktien zur Verfügung stehe. Außerdem gehe man von monatlichen Gebühren in Höhe von 5 € zur Führung eines Aktiendepots aus. Zwar bieten heute viele Anbieter kostenlose Depots an, dies ist jedoch meist daran gebunden, einen gewissen Mindestumsatz pro Monat zu generieren. Es kommt es aber nicht jeden Monat zu ausreichenden Handelsaktivitäten und es fallen doch Gebühren an. Die Transaktionskosten seien ebenfalls auf 5 € pro Handelsaktivität beschränkt. Als weitere Annahme soll die Summe von 10.000 € auf insgesamt acht unterschiedliche Aktien verteilt werden, um eine möglichst große Streuen des Risikos zu erreichen. Ein fiktiver Anleger beziehe zur Entscheidungsfindung einen günstigen Börsenbrief, den er im Jahresabonnement zu 19,90 € pro Monat erhält. Im Jahr belaufen sich die Kosten für den Börsenbrief damit auf insgesamt 238,80 €. Der fiktive Anleger lege nun das gesamte Kapital innerhalb eines Monats in acht Aktien an. Dafür fallen 40 € Transaktionskosten an, dafür aber keine Depotführungsgebühren. Die Aktien werden nun nach ca. einem Jahr verkauft. Auch der Verkauf erfolge innerhalb eines Monats. Es fallen also erneut 40 € Transaktionskosten an. Da in den restlichen Monaten des Jahres keine ausreichende Handelsaktivität vorliegt, fallen für 10 Monate von 12 Monaten im Jahr Depotgebühren in Höhe von insgesamt 50 € an. Unser fiktiver Anleger hat also Kosten in Höhe von insgesamt 368,80 €. Das entspricht einem Anteil von 3,86% der Anlagesumme. Demnach müssten sich die Aktien zum Verkaufszeitpunkt um durchschnittlich 5% entwickeln, um eine Rendite zu erzielen, die mit durchschnittlichen Angeboten von Tagesgelddepots ohne jedes Risiko zu erhalten wäre. Aus diesem Grund möchte der gewöhnliche Anleger so wenig Geld wie möglich in nicht an der Wertschöpfung beteiligte Dinge investieren und hat daher vermehrt Interesse an kostenlosen Börsenbriefen und Newslettern. Hinzu kommt letztlich auch der ganz gewöhnliche Geiz, der bekanntlich grade eine ganz besonders ausgeprägte Eigenschaft der Menschen ist, die über ein gewisses Kapital verfügen.

Die Vielfalt kostenloser Börsenbriefe und Newsletterdienste, die im Internet zu finden und per Email beziehbar sind, ist nahezu unüberschaubar. Einerseits kommen ständig neue Anbieter hinzu, andererseits verschwinden viele auch genauso schnell, wie sie aufgetaucht sind wieder von der Bildfläche. Nicht bei allen Anbietern können Seriosität und Qualität der Analysen erwartet werden. Letzten Endes ist dies für den Anleger auch nicht relevant, da ihn ausschließlich interessiert, ob er sein Kapital vermehren kann oder nicht. Es ist also wichtig in Erfahrung zu bringen, ob es mit Hilfe von kostenlosen Newslettern möglich ist gewinnbringende Kapitalanlagen zu tätigen. Ein erster Ansatz zur Beantwortung einer derartigen Fragestellung ist die stichprobenartige Untersuchung der Performance von Aktien, die von entsprechenden Medien empfohlen werden. Dabei gilt es auch die Frage zu beantworten, ob die Verbreitung und die Häufigkeit einer Empfehlung einen Einfluss auf die Kursentwicklung haben.

Im Rahmen einer von smallcapservice.de durchgeführten Studie sind Aktien, die von Börsenbriefen und Newslettern empfohlen wurden, innerhalb von insgesamt sechs unterschiedlichen Zeiträumen mit einer Dauer von jeweils 200 Handelstagen untersucht worden. Die Untersuchungszeiträume starteten in den Jahren 2009 und 2010. Als Datenbasis dienten insgesamt 16 unterschiedliche kostenlose Börsenbriefe bzw. Börsennewsletter. Insgesamt wurden dazu deutlich mehr als 3000 unterschiedliche Ausgaben der 16 Herausgeber auf Empfehlungen und Empfehlungswiederholungen hin untersucht. Auf Basis eines bestimmten Auswahlverfahrens wurden 24 unterschiedliche Unternehmen als Empfehlungen entnommen. Der stichprobenumfang umfasste dabei zwar 30 Empfehlungen in 6 Untersuchungszeiträumen, allerdings kam es dabei zu Überschneidungen, sodass die 30 Empfehlungen letztlich 24 Unternehmen repräsentierten. Untersucht wurden insbesondere die maximal mögliche Rendite der Empfehlungen innerhalb der Untersuchungsräume und die Kursentwicklung zum Ende der Untersuchungszeiträume. Außerdem wurde überprüft, ob Empfehlungen und die Häufigkeit der Empfehlungen mit der Kursentwicklung korrelieren.

Das Ergebnis der Studie viel äußerst überraschend aus. Den zugrundegelegten Quellen wurden im Rahmen der sechs Stichproben 39 unterschiedliche Unternehmen als Empfehlungen entnommen. Insgesamt führten die insgesamt sechs Stichproben dazu, dass die durchschnittliche Kursentwicklung positiv ist. Über alle Beurteilungszeiträume entwickelten sich die Empfehlungen im Durchschnitt um maximal 58,89%. Zum Ende der Beurteilungszeiträume entwickelten sich die empfohlenen Aktien um 14,46%. Interessant ist, dass die durchschnittliche Maximalentwicklung der einzelnen empfohlenen Aktien in allen Untersuchungszeiträumen positiv oder neutral ausfällt. Lediglich am Ende der Untersuchungszeiträume ist die durchschnittliche Empfehlungsentwicklung in zwei Fällen negativ.

Innerhalb der Untersuchungszeiträume entwickelten sich 26 von 30 empfohlenen Aktien positiv. Lediglich die Aktien von vier empfohlenen Unternehmen konnten keinen Kursgewinn verzeichnen. Demnach waren 86,67% der Empfehlungen rentabel. Konkret entwickelten sich 17 empfohlene Aktien positiv, 13 empfohlene Aktien entwickelten sich negativ oder neutral. Die Trefferquote der Empfehlungen über die Beurteilungszeiträume liegt demnach bei 56,67%.

Ein weiteres interessantes Ergebnis ist, dass sich die Empfehlungen der kostenlosen Börsenbriefe und Newsletter nicht auf die Handelsvolumina der empfohlenen Aktien auswirken. Dieses Ergebnis überrascht, da man den Herausgebern gelegentlich unterstellt, dass sie für Kursmanipulationen verantwortlich seien.
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Zusammenfassend wäre es mit den Empfehlungen der untersuchten kostenlosen Börsenbriefe und Newsletter also durchaus möglich gewesen eine deutliche Rendite zu erzielen. Ob dieses Ergebnis generalisierbar ist, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Weitere Untersuchungen werden daher folgen.

Johannes Tschesche

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Veröffentlicht unter Börsenbriefe