Crowdinvesting: Ein Einordnungsversuch

Spricht man im D-A-CH-Raum über Crowdfunding, fällt früher oder später der Begriff Crowdinvesting. Insbesondere bei der Finanzierung von Startups ist anstelle von Crowdfunding vermehrt von Crowdinvesting die Rede. Auch etliche Portale bezeichnen die über sie abgewickelten Schwarmfinanzierungen als Crowdinvesting. Selbst in der deutschsprachigen Fachliteratur hat sich der Begriff Crowdinvesting an vielen Stellen durchgesetzt.

Crowdinvesting_DarstellungHäufig finden sich Erklärungsversuche, die angebliche Unterschiede zwischen Crowdinvesting und Crowdfunding erörtern. So wird oft behauptet, dass Crowdfunding nur für die Finanzierung von künstlerischen oder sozialen Projekten ohne monetären Nutzen für den Kapitalgeber beschreibt. Crowdinvesting hingegen bezeichne das Investieren in Firmen mit eindeutiger Gewinnabsicht. Eine derartige Unterscheidung ist jedoch falsch! Vielmehr ist Crowdinvesting eine Teilmenge des Crowdfunding.

Beim Crowdfunding wird zwischen diversen Modellen und Kombinationen der Modelle unterschieden. Die wesentlichen 4 Modelle sind das donation-based model, das reward-based model, das lending-based model und das equity-based model.

Unter dem donationbased model versteht man Crowdfunding, bei dem der Geldgeber das Geld sozusagen für einen guten Zweck gibt. Das Geld kommt einem bestimmten Projekt oder Zweck zugute und der Geldgeber bekommt dafür keine materielle oder finanzielle Gegenleistung. Beispiele sind karitative Projekte oder neuerdings die Finanzierung von wissenschaftlichen Projekten.

Im Falle des rewardbased model erhält der Geldgeber eine Gegenleistung für seine Investition, die allerdings sehr unterschiedlich ausfallen kann. Das können bei der Finanzierung eines Musikalbums eines Künstlers Konzertkarten oder CDs sein, bei der Finanzierung eines Tech-Startups aber auch Hardware oder Rabatte auf Dienstleistungen.

Das equitybased model beschreibt die Beteiligung der Geldgeber am zu finanzierenden Unternehmen oder Projekt. Der Investor erhält demnach Unternehmensanteile, das Unternehmen erhält durch die Finanzierung Eigenkapital.

Legt man das lendingbased model zugrunde, vergibt der Geldgeber ein Darlehen. Die Ausgestaltung ist prinzipiell beliebig, in Deutschland werden überwiegend partiarische Darlehen vergeben.

Crowdinvesting bezeichnet im D-A-CH-Raum im Wesentlichen die Kapitalausstattung von Unternehmen (Startups und KMU) durch viele Geldgeber. Die Geldgeber sind dadurch motiviert, dass sie für ihre Investition eine Rendite erhalten. Ob diese durch die Veräußerung von Unternehmensanteilen zustande kommt oder durch das Rückzahlen des Darlehensbetrags zuzüglich Zinsen ist also völlig egal. Folglich können alle Merkmale von Crowdinvesting durch das equity-based model und das lending-based model hinreichend beschrieben werden. Es ist also keinesfalls so, dass sich Crowdinvesting und Crowdfunding völlig voneinander unterscheiden und prinzipiell unterschiedliche Zwecke verfolgen.

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