Der Traum vom Frankfurter Fintech-Zentrum

Am Mittwoch, den 27.01.2016 lud der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir in die Goethe Universität ein, um Konzepte für ein Fintech-Zentrum in Frankfurt vorstellen zu lassen. Das Ziel: In Frankfurt sollen sich möglichst viele Fintech-Startups ansiedeln. Immerhin gilt Frankfurt als Deutschlands Bankenstadt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass man gerne eine bedeutende Rolle in der Fintech-Szene einnehmen möchte. Bisher klappt das allerdings noch nicht so recht. Zwar gibt es in Frankfurt eine ganze Reihe Startups, die der Finanzbranche zuzurechnen sind, und auch die Anzahl der damit im Zusammenhang stehenden Veranstaltungen kann sich durchaus sehen lassen, als Stadt mit einer bedeutenden Fintech-Szene wird Frankfurt aktuell aber trotzdem nicht wahrgenommen.

Offenbar fehlen zum bedeutenden Fintech-Standort noch ein paar entscheidende Zutaten, die das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und deren Stakeholder nun mit etwas programmatischem Aktionismus identifizieren und einsetzen möchten. Ob dieses Vorhaben zielführend ist, muss jedenfalls als fraglich bewertet werden. Das soll nicht heißen, dass es eine schlechte Idee ist, den Standort Frankfurt in der Fintech-Szene zu pushen und ortsansässige Gründer fördern zu wollen. Ganz im Gegenteil! Was man aber klar hervorheben muss, ist das Fehlen sinnvoller Ansätze. Wer ein Ökosystem (wie es immer so schön heißt) schaffen möchte, der muss dafür entsprechende Voraussetzungen schaffen. Das bedeutet für Startups in erster Linie (bezahlbarer, unbürokratisch verfügbarer) Raum und Geld.

Außerdem werden Begegnungsstätten benötigt, für deren Ausprägung es keine allgemeingültigen Rezepte gibt. An einem Ort funktionieren Gründer/Technologiezentren, an einem anderen Ort geht das gleiche Konzept nicht auf. Ob ein örtliches Zentrum in Frankfurt funktioniert, kann derzeit nicht klar beantwortetet werden. In Anbetracht der Auswahlkriterien für Gründer, die die Räumlichkeiten unter bestimmten Bedingungen nutzen können/dürfen/müssen, muss das bezweifelt werden. Die Kosten für ein ausreichend großes Zentrum dürften in Frankfurt schlicht und einfach zu hoch sein. Dafür gibt es in Frankfurt eine ganze Reihe von Veranstaltungen, z.B. die Veranstaltungsreihe Between the Towers, oder die Webmontage, die das Einbringen eigener Themen aktiv einfordern. Diese funktionieren durchaus als Begegnungsstätte. Schaut man von Frankfurt aus auf die anderen Städte der Metropolregion Rhein-Main, gibt es außerdem weitere Veranstaltungen der ortsansässigen Startup-Szene, die ebenfalls befruchtend auf Fintechs in Frankfurt wirken könnten.

Doch was braucht es noch?

Die Befürworter des politischen Aktionismus argumentieren gerne, dass die Nähe zur etablierten Finanzindustrie positiv wäre. Dieses Argument zieht leider nicht ansatzweise! Wer wirkliche Innovationen schaffen will, muss bekannte Pfade und die Komfortzone verlassen, wie es immer so schön heißt. Innovationen für die Finanzbranche entstehen sicherlich nicht, wenn ausgerechnet die Expertise mitredet, die offensichtlich weder ihre Arbeit noch ihre Hausaufgaben in den vergangenen Jahren gemacht hat. Für die befruchtende Zusammenarbeit ist die Nähe zur Finanzindustrie für Fintechs ebenfalls nicht nötig, da heute sowohl eine hohe Mobilität als auch moderne Kommunikationsmittel als Standard angesehen werden sollten.

Es gibt aber einen Aspekt, der durchaus für die Nähe zur etablierten Finanzindustrie spricht: die Identifikation mit der Branche! Also muss man nicht an irgendwelchen verkopften Argumenten ansetzen, sondern viel mehr an emotionale Komponenten appellieren. Menschen, insbesondere kreative Macher, werden von Emotionen getrieben. Also müssen diese angesprochen werden. Das ist auch der Grund, warum die Standorte Berlin oder das gern als Beispiel herangezogene Silicon Valley funktionieren. Gründer verbinden etwas mit diesen Orten. Natürlich ist die Verfügbarkeit von Investoren und Co. praktisch, diese kommen aber weil dort eine Szene existiert und nicht umgekehrt. Für Frankfurt bedeutet das, dass es keinen Mangel an Institutionen gibt, sondern einen Mangel an Spirit. Und dieser wird sicherlich nicht durch institutionalisierte, staatlich verwaltete Einrichtungen in Form eines Fintech-Zentrums entstehen, das krampfhaft angeordnete Kicker-Tische und inszenierte Becks-Bier-Kisten beinhaltet. Er entsteht dadurch, dass man Menschen Möglichkeiten und Perspektiven eröffnet. Er entsteht durch Kommunikation, Interaktion und durch ein auf Basis von Identität entstehendes Wir-Gefühl. Und das lässt sich durchaus beeinflussen.

Mögliche Ansätze, um das Wir-Gefühl für die Fintech-Szene in Frankfurt auszubauen, sind interaktive,Veranstaltungen mit Branchenfokus. Insbesondere die etablierte Veranstaltungsreihe Between the Towers zeigt, dass derartige Formate funktionieren. Entscheidend für ein befruchtendes Wir-Gefühl ist auch der Wettbewerb. Es müssen also erheblich mehr Fintech-Startups in Frankfurt angesiedelt werden. Dazu braucht es Anreize. Die Nähe zur etablierten Branche ist keiner. Die Gewerbesteuersituation in Frankfurt, die Lebenshaltungskosten und die Mieten sprechen ebenfalls nicht für den Standort. Wettbewerbe und öffentliche Fördermittel könnten eventuell diese Hürden überwinden helfen. Hilfreich wäre also ein Gründerwettbewerb speziell für Fintechs, wobei die Auszahlung der Gewinne oder die Teilnahme am Wettbewerb ganz oder teilweise vom Standort des teilnehmenden Startups abhängig gemacht werden könnten. Warum kein öffentliches Förderprogramm für Fintech-Startups, das einen geringeren Antragsaufwand als das LOEWE-Programm benötigt und einen Frankfurt-Zuschlag enthaltende Mittel bereitstellt initiieren? Würde man die Kosten eines öffentlich geförderten Fintech-Zentrums den Startups in Form von Finanzmitteln zur Verfügung stellen, wäre das sicherlich fruchtbarer als das Verpuffen von Geldern in teurem Raum mit teurer Verwaltung. Wenn man ehrlich ist, profitieren von Gründerzentren in der Regel die Initiatoren – entweder in Form einer staatlich gesicherten Rendite oder aufgrund der Rechtfertigung der eigenen Verwaltungs-/Management-Positionen. Gegen staatlich institutionalisierte Zentren spricht auch, dass der Staat langsam arbeitet und die Flexibilität der Handlungsfähigkeit solcher Einrichtungen, wenn sie dann mal im Betrieb sind, praktisch nicht existent ist. Diese ist für Startups aber erforderlich – insbesondere dann, wenn sie sich im Technologieumfeld bewegen.

Im Grunde ist Frankfurt auf einem guten Weg in Richtung Fintech-Stadt. Wenn man aber schon unbedingt öffentliche Gelder investieren will, dann doch bitte in die, die die Finanzinnovationen schaffen und nicht in die, die diese gerne hätten!

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Das vergangene Jahr im Zeichen der Digitalisierung

Wenn es im vergangenen Jahr ein Wirtschaftsthema gab, das vielfach diskutiert wurde, dann war es zweifelsohne die Digitalisierung. Besonders heiß wurde die Digitalisierung der Arbeitswelt thematisiert. Das Interessante daran ist, dass es vermutlich wenige Themen gibt, die derart heiß diskutiert werden, obwohl praktisch niemand genau weiß, was er damit eigentlich meint. Wenn man in derartigen Diskussionsrunden die Frage stellt, was die diskutierenden Parteien eigentlich genau meinen, wenn sie von Digitalisierung sprechen, werden die Ausführungen in der Regel ziemlich dünn. Und das ist bedenklich. Im Kontext der Digitalisierung durften im vergangen Jahr die zwei Schlagworte Industrie 4.0 und Fintech natürlich nicht fehlen. Auf den ersten Blick haben diese nicht viel miteinander zu tun, außer ihrer thematischen Eingruppierung in den Kontext der Digitalisierung. Bei genauerer Betrachtung lassen sich aber, und zwar genau wegen ihres Bezugs zur Digitalisierung, wichtige Parallelen ziehen.

Fangen wir mit dem Begriff Industrie 4.0 an, der eine Anspielung auf die 4. industrielle Revolution ist. Der Begriff bezeichnet mehr oder weniger die Veränderung der klassischen industriellen Produktion hin zu autonom miteinander agierenden Teilsystemen unterschiedlicher Akteure der Wertschöpfungskette und anderer Stake holder. Vielfach wird dieser Sachverhalt dahingehend (falsch?) vereinfacht, dass man die autonome Interaktion lediglich auf die Produktion bezieht. Ein typisches Beispiel dafür ist, dass man von einem Halbzeug ausgeht, welches weiß, zu welcher Maschine es als nächstes zur Bearbeitung muss und welches Produkt für welchen Kunden mal aus ihm werden soll. Soweit so gut. In einer etwas vereinfachten Form gibt es das allerdings schon in vielen Großkonzernen. Auch die wirtschaftliche Machbarkeit sehr kleiner Losgrößen, die vielfach als eines der Ziele von Industrie 4.0 genannt wird, ist teilweise schon Realität. Da dürfte das, was man mit der Digitalisierung bezeichnet, lediglich die Steuerung und Verwaltung modernisieren. Personaleinsatzplanung mit dem Tablet oder das Monitoring von Maschinen mit dem Smartphone sind keine wirklich disruptiven Innovationen. Bereits vor ca. 5 Jahren habe ich mit dem Smartphone im Büro den Status meines Messauftrages überwachen (und auch in den Auftrag eingreifen) können, der am Prüfstand eine Etage tiefer durchgeführt wurde. Glaubt man hingegen den avantgardistischen Branchenvertretern, sind aber insbesondere die neuen Geschäftsmodelle, die sich aus der Kopplung der unterschiedlichen Teilsysteme entwickeln lassen, die eigentlich treibenden Kräfte.

Der Begriff Fintech hingegen ist ein Kofferwort, was die Verknüpfung von Finanzthemen mit (Informations-) Technologie beschreibt. Gemeint sind damit softwarebasierte Dienste, die in der Finanz- und Versicherungsbranche angesiedelt sind. Die darauf basierenden Geschäftsmodelle liegen insbesondere in der Startup-Szene derzeit absolut im Trend und lagen in 2015 stark im Fokus der Medien, nachdem der Begriff bereits 2014 populär wurde. Auch das Risikokapital für Fintech-Startups floss in 2015 in durchaus respektabler Höhe. Teilweise werden sogar die beliebte Blasenbildung und die damit drohenden Risiken aufgeführt. Derzeit betätigen sich die meisten Fintechs allerdings auf Gebieten, die man dem klassischen Banking zuordnen kann. Kredite, Zahlungsverkehr, Trading und ähnliche Dienstleistungen, die man als Kunde bereits kennt, wenn auch in einer anderen Form. Eine weitere Gruppe der Fintech-Startups befasst sich mit Themen, die die internen Prozesse von Banken und Versicherungen betreffen. Werbewirksam wird dann insbesondere das Schlagwort Big Data mit angeführt. Letzten Endes sind aber auch unter diesen Firmen keine Geschäftsmodelle zu finden, die eine Wertschöpfung an Stellen generieren, die bisher nicht vorhanden waren. Wenn man automatisiert mit statistischen Methoden gezielt Nutzererfahrungen der Kunden im Onlinebanking verbessert, betreibt man nichts anderes als Werbung, nur mit neuen Mitteln. Auch das Durchforsten von Kundendaten, um mit den Ergebnissen bessere Produkte oder Dienstleistungen entwickeln zu können oder Risiken zu bewerten, ist keine wirkliche Innovation, sondern im Grunde ein längst überfälliges Aufholen des Standes der Technik.

Vergleicht man nun die Entwicklungen zu den beiden Begrifflichkeiten Industrie 4.0 und Fintech, dann stellt man fest, dass sie eigentlich nichts gemeinsam haben. Richtig. Jedenfalls bis jetzt. Macht man sich die Mühe und erdenkt sich das ein oder andere Geschäftsmodell, was fernab der aktuellen Betätigungsfelder liegt, dann werden Dienste, die Finanzdienstleister der Industrie für teures Geld verkauft haben, nicht mehr nötig sein. Oder anders ausgedrückt: Den Banken, Versicherungen und einigen Beratungsgesellschaften werden langfristig wichtige Geschäftsfelder wegbrechen. Ein mögliches Beispiel ist die Absicherung von Währungsrisiken. Dieses erträgliche Geschäft fällt weg, wenn Produktions- und Absatzsysteme auf internationaler Ebene autonom miteinander interagieren. In diesem Zuge eröffnen sich den Unternehmen der sogenannten Realwirtschaft aber auch Betätigungsfelder, die bisher Domänen der Finanzbranche und branchenspezifischen Beratern waren.

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass die Finanzbranche stark reguliert ist. Was dabei vergessen wird ist aber, dass insbesondere die Finanzdienstleistungen selbst reguliert sind, nicht jedoch die Geschäfte, wegen denen die Finanzdienstleistungen in Anspruch genommen werden. Wenn man beides nicht, wie derzeit, voneinander entkoppelt betrachtet und das eigentliche Geschäft wieder in den Vordergrund stellt, dann spielt die Regulierung für vieles keine nennenswerte Rolle mehr. Und darin liegt die eigentliche Chance. Die Digitalisierung bietet den Markteilnehmern aus der Industrie und den Marktteilnehmern der Finanzbranche die Möglichkeit, dass Finanz- und Versicherungsdienstleister, die Realwirtschaft und die mit beiden interagierenden Marktteilnehmer (also praktisch wir alle) wieder auf eine sinnvolle Weise miteinander wirtschaften.

Die Parallelen zwischen Industrie 4.0 und Fintech aufgrund der Digitalisierung können folgendermaßen zusammengefasst werden. Beide wirtschaftlich-technologischen Felder befinden sich am Anfang einer größeren, umwälzenden Entwicklungsphase. Das Denken in gewohnten Mustern und die Unfähigkeit des interdisziplinären Arbeitens dominieren die Entwicklungen. Die etablierten Unternehmen haben bisher die Chancen noch nicht begriffen und versuchen lediglich, ihre bisherigen Prozesse mit neuen Mitteln zu verbessern. Sowohl die Finanzbranche als auch die Industrie produziert derzeit keine nennenswerten Innovationen. Startups beider Branchen setzen zwar neue Technologien schnell um und führen sie mehr oder weniger erfolgreich am Markt ein, das Denken in neuen Geschäftsmodellen fällt aber sowohl der Finanzbranche als auch der produzierenden Industrie schwer. Die Kundschaft ist sowohl im industriellen als auch im finanziellen Umfeld enorm konservativ geprägt und ihre Bedürfnisse können nur schwer hinsichtlich der Machbarkeit neuer Geschäftsmodelle interpretiert werden.

Die Digitalisierung hat bisher also vorwiegend begrifflich begonnen. In dwenigen Unternehmen findet sie bereits statt und einige denken bereits in digitalen Geschäftsmodellen. Bis dieser Zustand aber flächendeckend ankommt und zu Innovationen führt, wird es noch eine Weile brauchen.

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Crowdfunding für Lebensmittel

Bereits im Jahr 2013 wurde hier im Artikel Foodfunding Crowdfunding als Möglichkeit zur Finanzierung von Lebensmitteln und der Lebensmittelproduktion beschrieben. Seither hat sich diesbezüglich einiges getan, dessen genauere Betrachtung durchaus lohnenswert ist.

Einführend sei zuerst das vermutlich populärste Beispiel erwähnt: Der Kartoffelsalat von Zack Danger Brown (https://www.kickstarter.com/projects/zackdangerbrown/potato-salad/description), der auf Kickstarter über 55.000 USD einsammelte. Die ursprünglich als Scherz gedachte Crowdfunding-Kampagne entwickelte sich zu einem echten Hype und sorgte dafür, dass die genannte Summe von letztlich fast 7.000 Menschen zusammengetragen wurde. Derzeit befinden sich auf Kickstarter weiterhin eine Menge Projekte in der Kategorie Essen und Trinken. Die meisten adressieren jedoch nicht den deutschen Markt und neben Lebensmitteln befinden sich auch viele technische Spielereien und lebensmittelnahe Projekte.

Neben Kickstarter gibt es in den USA die Plattform AgFUNDER, die speziell für Projekte aus der Landwirtschaft gedacht ist. Auch hier finden sich primär Projekte, die etwas mit landwirtschaftlicher Produktion oder Technologie zu tun haben, nicht jedoch explizit mit Lebensmitteln selbst. Darüber hinaus richtet sich die Plattform an akkreditierte Investoren (gemäß JOBS Act). Auch an gewöhnliche Investoren richtet sich die amerikanische Plattform Barnraiser. Hier gibt es tatsächlich auch Projekte, die explizit Lebensmittel oder Lebensmitelproduktionen als Ziel haben. Manche Projekte sind Finanzierungen für kleine Farmen, die expandieren oder ihre Produktion verbessern möchten. In den USA gab es auch Crowdfunding-Plattformen, die sich für die Lebensmittelbranche (meist dem Agrarsektor) aufgestellt hatten, zwischenzeitlich aber wieder von der Bildfläche verschwunden sind.

In Deutschland gibt es etliche Crowdfunding-Plattformen, die sich an „grüne“ oder „nachhaltige“ Projekte richten. Darunter fallen z.B. auch Food-Startups oder nachhaltige Technologien für die Lebensmittelproduktion. Ähnlich sieht die Situation im benachbarten Ausland aus, wobei es in Frankreich und den Niederlanden Plattform gibt, die sich an Lebensmittelproduzenten aus der Landwirtschaft richten.

Nun bietet seit kurzem www.Erzeugerwelt.de Crowdfunding für Lebensmittel und die Lebensmittelproduktion an. Das Angebot wird dort Foodfunding genannt und richtet sich explizit an Lebensmittelproduzenten der Urproduktion, wie z.B. Landwirte oder Fischer. Aktuell werden keine regulierten Angebote platziert. Produzenten können die Plattform also primär als Marketing- und Vertriebskanal nutzen, der Finanzierungsgedanke wird derzeit noch nicht angeboten. So können zwar noch keine Genossenschaftsanteile oder Genussscheine vertrieben werden, dafür aber die Lebensmittel selbst. Alternativ ist der Abschluss von Produktionsverträgen möglich. Damit können z.B. auch einfache Projekte der solidarischen Landwirtschaft über das Internet angestoßen werden.

Lebensmittelproduzenten können auf die oben beschriebenen Weisen ihren Absatz sowie ihre Kosten und damit ihre Preise planen. Außerdem können Kunden erreicht werden, die über die bisherigen Vertriebswege nicht angesprochen wurden. Da Erzeuger mit einer Crowdfunding-Kampagne im Vorfeld Waren an den Mann oder die Frau bringen, kann das Instrument auch zur Senkung der Vertriebskosten genutzt werden. Aus unternehmerischer Sicht ist Crowdfunding für Lebensmittelproduzenten als ein sinnvolles Werkzeug.

Kunden können von Crowdfunding für Lebensmittel und die Lebensmittelproduktion ebenfalls profitieren. Vertriebskosten, die üblicherweise entstehen entfallen und auch Kapitalkosten zur Aufrechterhaltung der Liquidität über Zeiträume, in denen die Produktion stattfindet, entstehen nicht oder nur in geringerem Maße. Diese Ersparnisse können direkt an den Kunden weitergegeben werden. Das führt u.a. dazu, dass hochwertig produzierte Lebensmittel, die direkt vom Erzeuger mittels Crowdfunding vertrieben werden, zu einem guten Preis abgegeben werden können. Dadurch werden Preise, die nicht oder nur geringfügig über den gewohnten Verbraucherpreisen bei Supermarkt und Discounter liegen, möglich.

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Über die Herausforderungen des digitalen Wandels in der Finanzbranche

Vor einiger Zeit wurde die Welt der Banken nach einem sehr ausgedehnten „Schläfchen“ wachgerüttelt. Die Branche hat erkannt, dass der digitale Wandel nicht nur „die anderen“ betrifft. Daraufhin haben einige Akteure der Branche zuerst gejammert und sich dann in Aktionismus gestürzt. Dieser Aktionismus reichte von Maßnahmen, die man bestenfalls noch als putzig oder süß bezeichnen kann, bis hin zu bemerkenswerten Aktionen, die durchaus innovativ zu nennen sind. Allen Maßnahmen muss man aber wenigstens zugestehen, dass wenigstens der Versuch unternommen wurde, aus der Schockstarre zu erwachen oder aber man zumindest die Einsicht erlangte, dass man etwas am Ist-Zustand ändern muss.

Nun ist es natürlich einfach mit dem Finger auf die ein oder andere Bank und ihre Aktionen zu zeigen und ihnen Versagen vorzuwerfen. Weniger einfach, dafür aber auch viel interessanter ist es jedoch, wenn man bestimmte Muster und Möglichkeiten genauer betrachtet. Daher sollen nachfolgend Aspekte des digitalen Wandels der Finanzbranche im Kontext von Möglichkeiten zur Problemlösung etwas genauer skizziert werden.

Der vermutlich wichtigste zu betrachtende Aspekt ist das Innovationsmanagement. Dabei handelt es sich um Ansätze, die der Erzeugung, Planung und Verwaltung neuer Innovationen dienen. Dabei haben sich branchenunabhängig bestimmte Modelle etabliert, mit denen man versucht genau diese Aufgaben zu bewältigen. In der Theorie funktionieren sie auch recht gut. Ein Problem bleibt jedoch: Es fehlen brauchbare Werkzeuge zur Generierung und Bewertung von Ideen. Dabei haben viele Mitarbeiter viele gute Ideen. Leider werden diese in der Regel nicht umgesetzt, da sie meistens von den Mitarbeitern nicht in ausreichendem Maße kommuniziert werden. Auch die vielen installierten Mitarbeiterbeteiligungsprogramme greifen oft nicht. Ursachen kann man dafür beliebig viele aufzählen. Ursächlich kann beispielsweise das mangelnde Vertrauen fachlich exzellenter Mitarbeiter in die eigenen Fähigkeiten, das fehlende Vertrauen der jeweiligen Vorgesetzten in diese Mitarbeiter oder aber eine Kombination aus beidem sein. Diesem Sachverhalt kann nur mit guter Unternehmens- und Führungskultur entgegengewirkt werden. Eine weitere problematische Ursache sind die in vielen Fällen vorhandenen Muster der Entscheider sowie deren Beauftragter in den Unternehmen. Das ist eine menschliche Eigenschaft. Diese lässt sich nur dadurch überwinden, in dem man möglichst viele Mitarbeiter interdisziplinär oder aber fachfremd einsetzt. Zwar schreiben sich das viele Firmen auf die Fahne, in ihre Recruiting-Prospekte und auf ihre Webseiten, die gelebte Realität sieht jedoch meist anders aus.

Durch eine interdisziplinäre Mitarbeiterstruktur wird sichergestellt, dass die bearbeiteten Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden und die Betrachter außerdem unterschiedliche Fähigkeiten zur Problemlösung mitbringen können. Interessanter Weise werden mit der Digitalisierung und dem digitalen Wandel jedoch überwiegend IT-Experten oder aber BWL-Absolventen mit IT-Projekterfahrung in Verbindung gebracht. Sicherlich ist diese Personengruppe die richtige, wenn man konkrete Lösungen umsetzen muss. Wenn man sich aber noch in der Phase der Lösungsfindung befindet, gibt es andere Fachdisziplinen, die wegen ihrer Methodenkompetenzen durchaus geeigneter sind. So bringen Naturwissenschaftler und Ingenieure einerseits ein hohes Maß an IT-Expertenwissen mit, kennen aber gleichzeitig auch die Herausforderungen der Lösung unterschiedlichster Probleme. Außerdem sind diese Berufsgruppen das interdisziplinäre Arbeiten gewohnt. Einige führende Universitäten schreiben diesen Fachgruppen bereits Projektearbeiten in interdisziplinären Teams während des Studiums vor. Es ist daher auch nicht verwunderlich, wenn Unternehmen des Hochtechnologiesektors, Biotech-Firmen oder die interdisziplinären Internetkonzerne, wie bspw. Google, weniger Probleme mit ihrem Innovationsmanagement haben als die Finanzindustrie. Auch Startups, die in der Regel ein großes Innovationspotenzial aufweisen, sind meist stark interdisziplinär aufgestellt und häufig führen die Gründer viele Aufgaben aus, die ihnen von ihrer Ausbildung her fremd sind.

Schaut man sich die Stellenanzeigen der Finanzmarktakteure an, stellt man fest, dass diese alles andere als interdisziplinär sind. So werden für die Sachbearbeiterpositionen natürlicherweise Bankkaufleute gesucht. Für die Stellen, die mit einem höheren Gehalt oder Projektverantwortung werden Absolventen eines betriebs- oder volkswirtschaftswissenschaftlichen Studiengangs gesucht und bei allem anderen gelten Juristen als Mittel der Wahl. Lediglich an einigen Stellen, die sich mit Risikobewertung, Kreditvergabe oder Unternehmensfinanzierung beschäftigen, finden sich noch Mathematiker und in geringem Umfang Ingenieure oder Naturwissenschaftler. Andere Fachdisziplinen finden sich sonst nur noch in geringem Umfang in den Stellen für Unternehmenskommunikation oder Personal. Für die Aufgaben des Tagesgeschäfts ist das auch völlig in Ordnung. Wenn man sich jedoch ernsthaft einer zukunftsfähigen Produktentwicklung stellen möchte, müssen die Anteile „Fachfremder“ deutlich erhöht werden. Das ist für die Organisationen nicht gefährlich, da die fachspezifischen Fähigkeiten des einzelnen Mitarbeiters gerade bei den stark aufgespaltenen Prozessen in heutigen Unternehmen völlig überschätzt werden.

Um die Bedeutung der Interdisziplinarität zu verdeutlichen, sollen nachfolgend die die Beispiele autonomes Fahren und Smart Home herangezogen werden. Wer denkt, dass autonomes Fahren nur von Ingenieuren und IT-Experten entwickelt wird, denkt falsch. Die Entwickler müssen sich mit rechtlichen Aspekten auseinandersetzen und die im Automobilbau wichtige Design-Komponente wird von Designern berücksichtigt. Da auch die Handhabung der Funktionalitäten ein sicherheitstechnischer Aspekt ist, kommen an dieser Stelle neben Designern und Ergonomen auch Psychologen zum Einsatz. Beim Thema Smart Home kommen noch weitere Disziplinen dazu. So werden die zukünftigen sensorischen Features stark von neuen Werkstoffen abhängen, die derzeit von Materialwissenschaftlern, Chemikern und Physikern entwickelt werden.

Überträgt man die Bewältigungsstrategien der oben genannten Gruppen auf die Finanzbranche, stellt man fest, dass die zukünftigen echten Innovationen nicht ausschließlich in der nächsten Smartphone-App stecken können.

Die Finanzbranche muss sich im Kontext der Digitalisierung einerseits einem veränderten Kundenverhalten stellen und sich andererseits mit Themen, wie Kryptowährungen, der zunehmenden Regulierung und einer Zunahme von P2P-Diensten sowie Konzepten der Sharing Economy auseinandersetzen. Glaubt man denen, die die Szenarien unserer aktuellen Zeit richtig prognostiziert haben, wird auch die Verbindung des Finanzsektors zur Realwirtschaft wieder wichtiger werden. Digitalisierung bedeutet mehr als eine Verlagerung bestimmter Dienstleistungen auf die Smartphones der Kunden. Eine Strategie für digitalen Wandel ist nicht mit der Befeuerung der sozialen Netzwerke erledigt. Digitalisierung im Finanzsektor ist viel mehr die Bereitstellung von Wettbewerbsfähigkeit und die Auseinandersetzung mit der zukünftigen Lebenswirklichkeit der privaten und gewerblichen Kunden.

Was muss die Branche also tun? Zunächst mal muss man erkennen, dass im Retailgeschäft Smartphone-Apps für Zahlungs-, Verwaltungs- und Beratungsdienstleistungen keine Innovationen, sondern Mindestanforderungen sind, die der Lebenswirklichkeit unserer Zeit entsprechen. Innovativ ist das noch lange nicht. Man muss erkennen, dass die Kunden, auf die die heute entwickelten Innovationen abzielen müssen, frühestens in 5-10 Jahren in die Zielgruppe der Banken fallen. Das bedeutet auch, dass die bisher angewendeten Muster nicht funktionieren. Eine gute Idee wäre es, in den Archiven nachzusehen, welche Ideen in den letzten Jahren als nicht gut bewertet und deshalb nicht umgesetzt wurden. Insbesondere Konzepte, die unter anderen gesellschaftlichen und technologischen Randbedingungen gescheitert sind, sind dabei von Interesse.

Noch wichtiger ist aber, dass die typischen Auswahlkriterien für entscheidende Personalien verändert werden müssen. Anstelle von einer Armee aus Juristen und (Volks-) Wirtschaftswissenschaftlern sollten zunehmend andere Berufsgruppen in den Produktentwicklungsprozess involviert werden. Gesellschafts-, Geistes- und Kulturwissenschaftler können Transformationsprozesse gestalten und Ideen entwickeln. In Verbindung mit Entwicklungen der Realwirtschaft sind Vertreter praktisch aller Branchen prinzipiell als wertvoll anzusehen. Das muss in den Köpfen der Personaler aber erst mal ankommen.

Eine weitere zu bearbeitende Baustelle sind die IT-Abteilungen. Regelmäßig werden wichtige Erneuerungen und Anpassungen nicht vollumfänglich durchgeführt, weil die Verantwortlichen der IT-Abteilungen die Funktionalität nicht garantieren wollen. Die Ursache dafür ist aber nicht die Unfähigkeit der Mitarbeiter in den IT-Abteilungen. Vielmehr ist in vielen Fällen eine Mischung aus schlichten Kommunikationsproblemen sowie nicht eindeutigen Verantwortlichkeiten (und fehlende Entscheidungsfähigkeit) auf Führungsebene für bestimmte Probleme ursächlich.

Der wichtigste Faktor im Innovationsprozess sind aber die Führungskräfte. Diese müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter sich wertgeschätzt fühlen. Außerdem müssen sie auf ihr Personal hören. Häufig widerkehrende Probleme sollten, anstatt sie nach dem Motto „das ist nun mal so“ abzutun, gemeinsam mit den betroffenen Mitarbeitern gelöst oder aber wenigstens Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Auch installierte Mitarbeiterbeteiligungsprogramme oder das Vorschlagswesen sollten ernst genommen werden. Ein Mitarbeiter, dessen Verbesserungsvorschläge ein oder zweimal nicht ernst genommen wurden, wird nie wieder einen Vorschlag machen. Was ebenfalls einer Todgeburt gleichkommt, sind toll klingende Innovations- oder Verbesserungsprojekte, deren Ziele und Methoden nicht mal diejenigen prägnant formulieren können, die diese Projekte leiten.

Weiterhin sollten auch in großen Organisationen regelmäßig Ideen im kleinen Rahmen umgesetzt werden. Das können Kleinigkeiten, wie z.B. eine Obstschale in der Kaffeeküche, oder teamspezifische IT-Lösungen sein, die nicht durch komplexe Rollout-Prozesse müssen. Derartige Kleinigkeiten sorgen dafür, dass die Mitarbeiter nicht innerlich kündigen und selbst bei stumpfsinnigen Tätigkeiten im Tagesgeschäfft eine gewisse Kreativität erhalten und ausbauen. Anstelle von Assessment-Centern als Bewertungsinstrument für Führungsnachwuchs sollte alle gewillten Mitarbeiter stattdessen regelmäßig geschult werden. Das ist nicht nur zielführender, sondern auch eine vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit, um die zeitgemäße Arbeitsfähigkeit des Personals zu erhalten.

Das oben beschriebene kratzt natürlich nur an der Oberfläche. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass man damit also auch nur die Spitze des Eisbergs abtragen kann, wird das Ausmaß der Aufgabe klar. Allerdings schwimmt Eis. Das bedeutet, dass nach jedem bisschen Abtragen auch etwas mehr des Eisbergs zum Vorschein kommt.

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Frohe Weihnachten!

Weihnachten2014

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Das Wertpapierprospekt als Instrument für den praktischen Anlegerschutz?

Ein Ziel des von der Regierung geplanten Kleinanlegerschutzgesetzes ist es, konsequenterweise, die Prospektpflicht auf bisher davon ausgenommene Beteiligungsdarlehen (partiarische Darlehen) auszudehnen. Damit wird die Wichtigkeit des Wertpapierprospektes erneut untermauert. Das Wertpapierprospekt oder Verkaufsprospekt wird regelmäßig als das Aufklärungsinstrument beim Anlegerschutz und als das Schwert im Kampf gegen Kapitalanlagebetrüger aufgeführt. Es ist, bis auf wenige Ausnahmen, für alle Wertpapiere und Unternehmensanteile erforderlich, die öffentlich angeboten werden. Dabei soll es Informationen bereitstellen, die so Privatanlegern eine objektive Anlageentscheidung ermöglichen. Wertpapiere und Unternehmensbeteiligungen, die ausschließlich an institutionelle Anleger vertrieben werden, sind von ihr ausgenommen.

Mit der Pflicht, ein Wertpapierprospekt veröffentlichen zu müssen, ist gleichzeitig die sogenannte Prospekthaftung verbunden. Einfach gesagt regelt sie, wer in welchen Fällen für Schäden eines Anlegers haftet, die aufgrund von Investitionen in Wertpapiere oder Unternehmensanteile mit fehlerhaften Wertpapierprospekten entstanden sind. Auch das wird als echter Sicherheitsgewinn für Privatanleger verkauft. Im Vergleich zur Produkthaftung, mit der andere Branchen existieren müssen, ist das Haftungsrisiko für die Emittenten und andere Beteiligte allerdings eher gering. Anleger haben, wenn man ehrlich ist, nicht wirklich viel von dieser Haftung. In jedem Fall trägt ein Kleinanleger, der sich auf die Prospekthaftung beruft, das Prozessrisiko des mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zustande kommenden Rechtsstreits im Falle einer Forderung.

Aber zurück zum Wertpapierprospekt. In der praktischen Ausführung handelt es sich bei einem Wertpapierprospekt um ein vielseitiges Dokument. In vielen Fällen umfasst ein derartiges Prospekt mehrere hundert Seiten. In jedem Fall ist es aber ein sehr ausführliches Dokument, welches sehr viele, teils nicht triviale, Informationen enthält. Damit liegen gleich zwei Aspekte vor, die für den angeblich ach so schützenswerten Privatanleger problematisch sind und den eigentlichen Zweck des teuren Dokuments wenigstens infrage stellen. Einerseits dürften viele Informationen für den durchschnittlichen Privatanleger schlicht zu komplex sein und andererseits spielt der Faktor Zeit schlicht und einfach gegen eine praktische Nutzung der Prospekte als Informationsquelle.

Natürlich ist es nicht angemessen, den Kleinanleger als unfähig darzustellen. Das soll auch mit der Aussage der zu komplexen Informationen nicht gemeint sein. Allerdings dürfte es fraglich sein, welcher Normalverbraucher die Informationen eines nach internationalen Standards erstellten Jahresabschlusses richtig interpretieren kann. Welcher gewöhnliche Kleinanleger kann die von Wirtschaftsprüfern aufbereiteten Informationen richtig deuten oder weiß, was eine Neubewertungsrücklage ist? Derartige Informationen müssen aber richtig verstanden werden, um ein Wertpapierprospekt im Sinne des Erfinders nutzen zu können.

Der Umfang üblicher Prospekte ist außerdem so umfassend, dass das vollständige Lesen und Verstehen selbst für geübte Leser mit Expertenwissen einen erheblichen Zeitaufwand bedeutet. Wollte also ein Privatanleger 30 angebotene Kapitalanlagen ernsthaft hinsichtlich seines Investitionsziels und seines Risikoprofils bewerten, so bräuchte er mindestens 30 komplette Arbeitstage, also praktisch seinen Jahresurlaub, um genau das anhand eines Wertpapierprospektes tun zu können. Wenn sich darunter Wertpapiere von DAX-Unternehmen befinden, dann dürfte sich diese Zeitspanne noch deutlich ausdehnen.

Wer bitte opfert derart viel Zeit, bevor er eine Kapitalanlage tätigt? Die wenigsten Verbraucher lesen das sogenannte Kleingedruckte in ihren Verträgen. Warum also sollte jemand, der ohne Detailkenntnis des Kleingedruckten einen Vertrag über eine Lebensversicherung mit 30 Jahren Laufzeit über eine Summe von 20.000 Euro abschließt jetzt auf einmal Tagelang vergleichsweise komplizierte Texte lesen, bevor er einen Betrag von beispielsweise 10.000 Euro investiert? Wer das glaubt, ist völlig realitätsfremd.

Es ist richtig, dass Kapitalanlagen jeder Art einem Standard unterliegen müssen, der für einen Anleger wesentliche Informationen zusammenfasst. Allerdings sollten diese Informationen auch für die Zielgruppe, für die sie angeblich gedacht sein sollen, aufbereitet werden. Bezogen auf Wertpapierprospekte bedeutet das, dass Dokumente mit einer Länge von mehr als 10 Seiten ungeeignet sind. Wesentliche Informationen sollten außerdem auf maximal 2 Seiten in einfacher Sprache aufbereitet sein. Alles andere mag für institutionelle Anleger von Interesse sein oder die Anwälte erfreuen, die möglicherweise an späteren Rechtsstreitigkeiten verdienen, für Privatanleger ist es definitiv nicht geeignet.

Unsere Prospektpflicht ist u.a. aufgrund von Regeln der EU erforderlich. Das ist an und für sich auch nicht schlecht. Schlecht ist lediglich die aktuelle Umsetzung. Diese ist nämlich weder zielführend noch praxistauglich. Von einer zeitgemäßen Umsetzung ist sie außerdem Jahrzehnte entfernt.

Eine zeitgemäße Variante wäre ein digitales Format, welches einheitliche Inhalte auf praktisch allen handelsüblichen Endgeräten darstellt. Dadurch würde einerseits eine echte Vergleichbarkeit unterschiedlicher Kapitalanlagen ermöglicht und eine schnellere, kostengünstigere Billigung wäre technisch problemlos umsetzbar. Auch das ist Anlegerschutz, denn die 6.500 Euro einer Billigung, werden letztlich mit Geld bezahlt, welches von der Rendite der Anleger abgezogen wird. Gleiches gilt für die Kosten von Wertpapierprospekten, die nicht selten eine sechsstellige Summe kosten.

Man sollte den aktuellen Diskurs bezüglich des geplanten Kleinanlegerschutzgesetzes nutzen, um über eine Überarbeitung der derzeit gültigen Prospektpflicht nachzudenken. Außerdem sollte sich auch die Prospekthaftung an der Produkthaftung der Realwirtschaft orientieren. Dann könnte man langsam von echtem Anlegerschutz sprechen. Das, was aktuell umgesetzt werden soll, ist kein Anlegerschutz, jedenfalls nicht in dem Sinn, den sich der durchschnittliche Privatanleger wünschen würde. Die in der Theorie gegebene Anlegerinformation eines Wertpapierprospekts ist in der Praxis von verschwindend geringer Bedeutung für eine Anlageentscheidung. Anstatt sie auszuweiten und damit Anlegergelder in großem Umfang in die Kassen von Beratungs- und Prüfungsgesellschaften sowie von Anwälten zu spülen, sollte man sie massiv verschlanken.

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Das Unverständnis des Nichtverstehenden

Das von der Bundesregierung gewollte Kleinanlegerschutzgesetz hat, verständlicher Weise, zu etlichen Reaktionen aus der Finanzbranche, vor allem aus den Reihen der Crowdfunding- und Crowdinvesting-Portale, geführt. Und obwohl es sich bislang noch um Stellungnahmen mit sehr sachlichem Ton und viel Verständnis handelt, gibt es bereits heftige Kritik auf die Reaktionen der Schwarmfinanzierer. Eine besonders dümmliche Reaktion auf die berechtigte Kritik am geplanten Kleinanlegerschutzgesetz kommt ausgerecht vom Chefredakteur des auf nachhaltige Kapitalanlagen spezialisierten Magazins ECOreporter (die ECOreporter AG betreibt außerdem diverse Webseiten und Kapitalanlage-Newsletter). Der Artikel mit dem Titel „Crowdfunding: nichts begriffen – Kommentar von ECOreporter-Chefredakteur Jörg Weber“ (http://www.ecoreporter.de/artikel/crowdfunding-nichts-begriffen-kommentar-von-ecoreporter-chefredakteur-joerg-weber-14-11-2014.html, abgerufen am16.11.2014 um 20:05 Uhr) ist allerdings eine merkwürdige Ansammlung von Anfeindungen.

Die Kritik vom Herrn Weber richtet sich dabei nicht gegen das Gesetz im Allgemeinen oder die Crowdfunding- oder Crowdinvesting-Portale in ihrer Gesamtheit, sondern speziell gegen den Anbieter Companisto – korrekter: gegen die Stellungnahme von Companisto. Interessant dabei ist, dass die von Companisto angebrachte Kritik kein Alleinstellungsmerkmal ist, sondern vielmehr von vielen Kritikern vorgebracht wird. Fehlende Umsicht oder sein persönliches Unvermögen dürften als Ursache für die Form der Kritik jedoch ausgeschlossen sein, da Herr Weber durchaus respektable Erfahrungen als Journalist nachweisen kann. Die regelrecht bösartig wirkende Kritik dürfte vermutlich andere Gründe haben, die der Autor seinen Lesern leider nicht offenlegt. Dabei wäre das vermutlich das einzig Interessante, was der Artikel dann enthalten hätte.

Aber nun zurück zum Unverständnis. Entweder, Herr Weber hat es ein wenig schlecht formuliert (was, wie oben erwähnt aber unwahrscheinlich sein dürfte) oder aber er hat es schlicht und einfach nicht verstanden. Crowdfunding ist keine Anlageform sondern vielmehr ein Vertriebskanal mit bestimmten Randbedingungen! Es gibt auch Anbieter, die auf dem Prinzip von Crowdfunding (oder auch Crowdinvesting) Anlagen mit Wertpapierprospekt vertreiben. Sogar einige Fonds nutzen mittlerweile ähnliche Plattformen (in der Regel mit anderen Randbedingungen), nennen sie aber anders. Das Prinzip dahinter unterscheidet sich nicht wesentlich. Die Prospektpflicht ist kein Kriterium, um Eine Kapitalanlage einer Schwarmfinanzierung zuzuordnen oder nicht. Die Prospektpflicht in ihrer derzeitigen Ausführung ist ausschließlich völlig unnötige, teure und zeitlich überholte Scheiße!

Weiterhin wird von Herrn Weber kritisiert, dass Companisto die Mindestanlagesumme negativ bewertet. (Anmerkung: Herr Weber schreibt, dass Companisto „lamnetiert“. Vermutlich ist in diesem Fall „lamentiert“ gemeint.) Als Gegenargument für die völlig willkürliche Grenze von maximal 10.000 Euro bringt Weber (wie einfallsreich) Investoren an, die derart große Beträge oder gar ihre ganze Altersvorsorge durch Anlagen in Prokon verloren hätten. Ja was denn jetzt Herr Weber? Prokon hatte doch ein Wertpapierprospekt. Da stand doch alles drin! Und das, was bei Prokon möglicherweise illegal gelaufen ist, dass wäre auch mit einem Kleinanlegerschutzgesetz schief gelaufen! Dieser Vergleich ist nicht nur inhaltlich nicht schlüssig, sondern hinkt auch gewaltig. Außerdem argumentiert Companisto damit, dass durch die Begrenzung wichtige Lead-Investoren nicht mehr Teil einer Crowdfunding-Kampagne werden können. Derartige Lead-Investoren bedeuten in der Praxis übrigens mehr Anlegerschutz als jedes Wertpapierprospekt!

Ebenfalls als Schwachsinn abgetan wird der durch das geplante Kleinanlegerschutzgesetz verursachte Medienbruch, den Companisto kritisiert. Herr Weber führt dabei an, dass die Argumentation fehlender Drucker und Scanner in vielen Wohnungen nicht ausreichend sei. Das Ausdrucken und Versenden eines unterschriebenen Dokuments wäre vielmehr eine nötige Pause, zum Nachdenken. Damit hat er nicht ganz unrecht. Man kann so eine Zwangspause durchaus positiv sehen. Aber er hat dahingehend unrecht, als dass man heute auch Fristen (also gesetzlich vorgeschriebene Zwangspausen) in Onlineanwendungen implementieren kann. Was spricht dagegen und zwingt Anleger ins multimediale Mittelalter? Möchte die ECOreporter AG auch gerne wieder per Rauchzeichen publizieren? Ich denke doch, dass das nicht der Fall wäre. Dabei würde das beispielsweise zu einer deutlich prägnanteren Ausdrucksweise zwingen.

Den Bärendienst, den Companisto angeblich erwiesen haben soll, kann man sachlich nicht bestätigen. Was Herr Weber vergisst: Crowdfunding oder Crowdinvesting funktioniert nur mit zufriedenen Investoren. Also mit Investoren, die NICHT über den Tisch gezogen wurden. Negativschlagzeilen würden sich sehr, sehr schnell verbreiten und der Branche schaden. Daher haben die Plattformen ein erhebliches Interesse am Anlegerschutz! Gerade weil die Branche eine Alternative zu den Kapitalanlagen, die die etablierte Finanzbranche bisher entwickelt und vertrieben habt, darstellt, muss sie sich deutlich profilieren und als Alternative auch deutlich abheben. Das tun die meisten Plattformen. Sie tun das auf unterschiedliche Weise, aber die wesentlichen Merkmale sind Kommunikation und Transparenz.

Gerade Transparenz ist wichtig und spielt bei Kapitalanlagen eine entscheidende Rolle. Viele Kapitalanlagen oder auch Kapitalanlageprodukte kommen dieser Transparenz nicht nach. Zwar existieren gesetzlich vorgeschriebene Wertpapierprospekte, diese werden vom Anleger allerdings nicht genutzt. Kompakte Informationen, bspw. in Form einer „Prospektpflicht light“, wären da sehr viel sinnvoller.

Weber postuliert weiter, dass Companisto den Anlegerschutz im Sinne eigener Interessen nicht ernst nehme. Ob das so ist, müssen andere entscheiden. Allerdings ist diese Argumentation fast schon lustig. Denn eigentlich weiß jeder, dass man im Glashaus nicht mit Steinen schmeißen soll. Gerade einige Fonds, die von ECOreporter propagiert werden, halten es in Sachen Transparenz keinesfalls so vorbildlich, wie die meisten Portale für Schwarmfinanzierung. Zwar geben auch diese Anbieter pflichtgemäß an, dass ein Totalverlust drohen kann, allerdings nur im Kleingedruckten und nicht so prominent, wie beispielsweise das angegriffene Unternehmen Companisto. Außerdem propagieren angepriesene Fonds u.a. damit, dass man Freunde werben soll und im Falle einer erfolgreichen Vermittlung Provisionen auf die Zeichnungssumme, Zeitschriftenabonnements und Wein als Dankeschön dafür bekäme. Das wiederum ist quasi Werbung in sozialen Netzwerken, wenn auch in analogen Netzwerken der echten Welt. Die Anbieter dürften folglich kein ernsthaftes Interesse an Werbeverboten haben.

Herr Weber wirft anderen vor, dass sie nichts verstanden hätten, zeigt selbst aber deutlich, dass er selbst vermeintlich nichts verstanden hat. Allem Anschein nach, hat er die Kritik am geplanten Kleinanlegerschutzgesetz nicht richtig verstanden, das Prinzip der Schwarmfinanzierung nicht durchdrungen und von technischen Möglichkeiten und dem Internet hat er vermutlich ebenfalls keinen blassen Schimmer.

Was aber für seinen Berufsstand das Schlimmste ist: Der Titel des Artikels ist zunächst mal völlig belanglos und nichtssagend. Im Text wird dann jede Menge Kritik an einem ganz bestimmten Anbieter geübt, aber nicht erörtert, wer (vermutlich Companisto?) was genau nicht verstanden haben soll. Das ist schade!

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Wo bleibt das große Donnerwetter?

Nachdem im Sommer ein erster Entwurf eines Kleinanlegerschutzgesetzes veröffentlicht wurde, wurde nun eine überarbeitete Version des Gesetzes im Bundeskabinett verabschiedet. Es ist geplant, dass die Regeln bis Sommer 2015 in Kraft treten sollen. Obwohl der erste Entwurf eine absolute Katastrophe war und auch die überarbeitete Variante lediglich um Nuancen Besserungen enthält, bleibt eine ernstzunehmende Gegenwehr der betroffenen Branchen aus.

Anstelle von öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen, wird zurückhaltend und auf möglichst widerwortarme Sachlichkeit bedacht argumentiert. Generell ist ein derart konstruktiver Umgang mit Problemen sinnvoll. Im Team einer Firma oder im Gremium eines Vereins kommt man mit derartigem Verhalten voran und kann eigene Interessen vertreten ohne die Gegenpartei zu verärgern. In der Politik funktioniert ein derartiges Vorgehen allerdings nicht. Wer hier den Schwanz einzieht geht unter. Auch die Geschichte zeigt, dass sich gewisse Freiheiten nur dann dauerhaft erhalten lassen, wenn man breit ist, dafür zu kämpfen.

Diese Kampfbereitschaft scheint den Betroffenen jedoch zu fehlen. Dabei könnten gerade die von dem Gesetzesentwurf stark betroffenen Crowdfunding- oder Crowdinvesting-Plattformen in der Öffentlichkeit stark auftreten und Gegenwehr leisten. Strategisch könnten sie sich sogar Verstärkung von Institutionen holen, die indirekt ebenfalls ein Interesse an Werbung in sozialen Netzwerken haben – nämlich den sozialen Netzwerken selbst.

Um es in aller Deutlichkeit zu formulieren: Wenn wir in Deutschland weiterhin aufstrebende Crowdfunding oder Crowdinvesting für die Finanzierung von Unternehmen und anderen Projekten haben wollen, dann hilft gegen die Regulierungswut der demoskopischen Politiker nur ein ausgewachsener und lang anhaltender Shitstorm! Dann kapiert auch Berlin, dass da was nicht funktioniert. Dort wird derzeit nämlich vergessen, dass der „regulierungsbedürftige“ Schwarm aus Wählerstimmen besteht. Das sollte man in Erinnerung rufen!

Natürlich gibt es neben den Vertretern der Schwarmfinanzierer weitere Betroffene. Geschlossene Fonds, Projekte auf solidarischer Basis (Wohnungsbau, Landwirtschaft etc.) und andere sollten ebenfalls gegen das geplante Kleinanlegerschutzgesetz mobil machen.

Die Interessenvertreter der betroffenen Branchen müssen ihren Kunden oder Anlegern klarmachen, was die neuen Regelungen wirklich bedeuten. Verständliche Beispiele und konkrete Zahlen. Man muss darstellen, wer die Profiteure des Kleinanlegerschutzgesetzes sind, ob es einen tatsächlichen Sicherheitsgewinn für Anleger gibt und welche Mehrkosten bei bisher vom Regulierungswahn verschonten Kapitalanlagen entstehen, die letztlich die Rendite der Anleger/Investoren schmälern.

Schon die im Gesetzesentwurf enthaltende Aussage, dass um des Regulierens Willen reguliert wird, sollte eigentlich viele freiheitsliebende Menschen auf die Barrikaden rufen. Vielleicht hilft es auch, dass man Anlegern und Wählern erklärt, dass auch mit dem neuen Kleinanlegerschutzgesetz ein zweites, drittes und xtes Prokon möglich ist.

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Fintech-Gefahr für Banken?

Das Jahr 2014 erscheint auf den ersten Blick als das Fintech-Jahr. Diverse Artikel, die den (Groß)Banken Trägheit unterstellen und aufgrund der fehlenden Innovationen einen für die Banken gefährlichen Umbruch prophezeien. Diese Gefahr soll von den eingangs erwähnten Fintech-Unternehmen ausgehen, die den Kunden modernere Lösungen anbieten und flexibler auf individuelle Bedürfnisse eingehen können sollen. Doch ist diese Gefahr tatsächlich so groß, wie vielfach propagiert? Und sind die Banken tatsächlich zu unfähig, um auf die veränderten Anforderungen der Kunden reagieren zu können? Sind die Innovationen der Fintechs wirklich so innovativ, dass sie eine ganze Branche umwälzen werden?

Richtig ist zunächst, dass die Finanzbranche in den letzten Jahren erheblich an Vertrauen verloren hat. Dieser Vertrauensverlust wird maßgeblich mit gewissen Gehalts- und Bonus-Exzessen sowie mit der rücksichtslosen Spielermentalität begründet, mit der auf Kosten von Anlegern eine Menge Geld verzockt wurde. Der Begriff Bankster macht deutlich, welches Bild ein breiter Teil der Bevölkerung von Bankern hat. Aus der Reihe der Banken kamen bisher nur sehr wenige ernsthafte Versuche dieses Bild zu verbessern. Auch das, ob von den Banken gewollt und verschuldet oder nicht, wird von den Kunden negativ bewertet. Auch die nicht existente individuelle Ausgestaltung von Dienstleistungen als Folge des Optimierungs- und Automatisierungswahns im Retail Banking wird von Kunden negativ aufgefasst.

Insbesondere jüngere Kunden nutzen daher zunehmend Angebote von Finanz-Dienstleistern, die nicht aus den Reihen der etablierten Banken stammen. Allerdings lässt sich über den Innovationsgrad der meisten Angebote streiten. In den meisten Fällen ist der Kundennutzen gering. Auch die Individualisierbarkeit vieler Angebote ist nicht ausgeprägter als beim Retail Banking der Großbanken. Lediglich in drei Bereichen schlagen die neuartigen Anbieter die klassischen Banken beim Kundennutzen deutlich: beim E-Payment, beim Mobile Payment und bei der Vermittlung kleinerer Kredite.

Zwar kann man durch die Verlagerung vieler Angelegenheiten vom Schreibtisch einer Bankfiliale auf den PC, Tablet oder Smartphone von einer technologischen Innovation sprechen. Die Entwicklungen diesbezüglich sind aber keinesfalls Erfindungen der Fintech-Unternehmen. Bereits vor etlichen Jahren gab es am Markt günstige Programme für Privatleute zum Management von Zahlungsverkehr unterschiedlicher Konten für den PC und mobile Schnittstellen für diese Software. Nur hat das die meisten Menschen damals nicht interessiert. Erst die Verbreitung von Smartphones mit Apps zum Kategorisieren, Tracken und Visualisieren von allem möglichen hat diesen Funktionen zu einer Nachfrage verholfen.

Dass diese Entwicklungen eine tatsächliche Gefahr für die Banken darstellt, muss derzeit allerdings bezweifelt werden. Das Privatkundengeschäft mit Krediten und beim Zahlungsverkehr ist für die meisten Banken nicht sonderlich profitabel. Daran dürfte auch die Einführung von Smartphone-Apps zur Kontoführung, Verwaltung und zum Beantragen von Krediten nicht viel ändern. Wenn man in diesem Zusammenhang auch die Umsonst-Mentalität der Privatkunden berücksichtigt, dann müssten diese zusätzlichen Angebote ebenfalls kostenlos angeboten werden. Und selbst, wenn einige Privatleute für hippe Fintech-Dienstleistungen Geld bezahlen, bleibt die Frage nach dem Gesamtmarkt. Auch, wenn das ein oder andere Fintech-Startup Geld mit seinem Angebot in den oben genannten Bereich verdient, bleibt die Frage danach, ob die erwirtschafteten Profite in Konkurrenz zu den profitablen Geschäften einer Bank stehen.

Lediglich im Bereich der Zahlungsdienstleistungen (E-Payment und Mobile Payment) haben die Banken ein riesen Geschäft schlicht und einfach verschlafen. Aber auch die aktuell im Trend liegenden Fintech-Startups haben ebenfalls schlechte Chancen, wenn sie jetzt mit der geschätzt tausendsten Mobile Payment Lösung in den Markt eintreten. Die heute großen Anbieter sind seit einer gefühlten Ewigkeit am Markt, verdienen Geld und sind mit Kapital hervorragend ausgestattet. Also geht auch in diesem Bereich, zumindest keine zusätzliche, Gefahr von Fintech-Startups für die Banken aus. So haben beispielsweise Unternehmen, wie Paypal, SOFORT oder Shopgate gegenüber neuen Fintechs Vorsprünge, die aktuell kaum aufzuholen sein dürften.

Anders sieht es in den Bereichen Kapitalanlagen und Vertrieb von Kapitalanlagen aus. Hier fehlen wirkliche innovative Lösungen bisher. Dabei könnten gerade hier wirkliche Innovationen geschaffen werden. Zwar gibt es auch hier Ansätze von Fintech-Startups, diese sind aber nicht viel mehr als Apps, die das Abschließen von Kapitalanlagen, das Verfolgen der Wertentwicklung und das Anpassen von Anlagezielen ermöglichen. Eine der Kernforderungen von Kunden nach mehr Transparenz wird damit aber nicht erfüllt.

Auch was die Öffnung von Märkten für Anleger (Privatanleger und semi-professionelle Anleger) angeht, haben weder Startups noch Banken bisher wirklichen Neuerungen geliefert. Hier bieten sich also Chancen für Fintech-Startups und Banken. Leidglich der direkte Zugang zur Anlageklasse Risikokapital wurde mittels Crowdfunding/Crowdinvesting ansatzweise geöffnet.

Wenn man vom Privatkundengeschäft in das Geschäft professioneller Finanzdienstleister schwenkt, eröffnen sich für Fintech-Startups ebenfalls eine Menge Möglichkeiten. Allerdings stellen diese keine Gefahr für die Banken dar. Vielmehr profitieren die Banken davon, da sie, wie andere Unternehmen auch, zunehmend Arbeiten an externe Dienstleister auslagern. Für Fintech-Startups und schon länger bestehende Fintech-Unternehmen ist dieser Markt demzufolge sehr interessant. So können sie hier insbesondere aufgrund ihrer Flexibilität gegenüber den starren IT-Strukturen der Banken Entwicklungen schneller vorantreiben. Die Gefahr besteht hier also nicht für die Banken selbst, sondern für ihre Dienstleister.

Die angebliche Gefahr für Banken, die von Fintechs ausgehen soll, ist aktuell nicht so dramatisch, wie oft propagiert.

Eine wirkliche Gefahr für die Banken geht vielmehr von den großen Internet-Unternehmen aus. Man stelle sich vor, Google und Co. erhalten die Genehmigung gewisse Bankdienstleistungen anzubieten. Dann werden diese Angebote früher oder später in Form von festen Bestandteilen in die Betriebssysteme gängiger Smartphones und Tablet-Computer integriert. Im Gegensatz zu den derzeit existenten Banken und ihren Dienstleistern wüsste der Anbieter dann außerdem sehr viel mehr über den Kunden und das mit ihm verbundene Risiko oder Wertschöpfungspotenzial.

Die größte Gefahr für die Banken geht allerdings von ihnen selbst aus. Märkte und Kunden verändern sich. Das erfordert zumindest eine Anpassung der angebotenen Dienstleistungen. Das findet bisher nicht in ausreichendem Maße statt. Noch besser ist man aufgestellt, wenn man es selbst schafft, eine Nachfrage nach etwas Neuem zu generieren. Dazu muss man aber die altbekannten Pfade verlassen. Insbesondere muss man aber auch den Mut haben, möglicherweise mit einem Projekt zu scheitern oder aber ein initiiertes Projekt vor Abschluss beenden.

Doch auch dann ist das Generieren von Innovationen kein Selbstläufer. Das gilt für Banken und Fintechs gleichermaßen. Es gelingt vor allem dann nicht, wenn man ausschließlich auf aktuelle Marktlagen reagiert. Die Frage, die sich Banken und Fintechs gleichermaßen stellen müssen ist, was sind die Anforderungen der Kunden, die in 10 Jahren über Kapital verfügen werden. Dafür müssen mehrere Szenarien durchgespielt und Lösungen dafür entwickelt werden. Diese müssen soweit in Richtung Marktreife gepusht werden, dass man dann kurzfristig reagieren kann. Die tausendste Smartphone-App wird weder den Banken gefährlich noch ein Fintech-Unternehmen zu einem respektablen Erfolg verhelfen.

Was allerdings gefährlich wird, ist die Ratlosigkeit, mit der die meisten Banken auf Veränderungen reagieren. Die Rechnung, früher oder später mal ein Startup zu kaufen, um damit dann eigene Versäumnisse ausbessern zu können, wird nicht aufgehen.

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Das Kleinanlegerschmutzgesetz

Nach dem die Bundesminister Dr. Schäuble und Maas ihren Aktionsplan zum Schutze der Kleinanleger bekanntgegeben haben, haben die zuständigen Referenten in Berlin ganze Arbeit geleistet. Das Ergebnis ist ein „Entwurf eines Gesetzes Kleinanlegerschutzgesetzes“ (vgl. http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Gesetze/2014-07-28-kleinanlegerschutzgesetz.pdf?__blob=publicationFile&v=5, abgerufen am 30.07.2014 um 18:23 Uhr). Die erste Frage, die man sich beim Öffnen des Dokuments stellt: „Liest den Scheiß, der in den Ministerien entsteht, eigentlich irgendeine Sau Korrektur, bevor er der Öffentlichkeit präsentiert wird?“ Ja, ok, es ist nur ein Entwurf. Dennoch wird dieser Entwurf der Öffentlichkeit präsentiert und sollte wenigstens den Fauxpas „Entwurf eines Gesetzes Kleinanlegerschutzgesetzes“ nicht enthalten. Man hätte beispielsweise „Entwurf eines Kleinanlegerschutzgesetzes“ oder „Entwurf eines Gesetzes zum Schutze der Kleinanleger“ oder „Entwurf eines Gesetzes zum Kleinanlegerschutz“ schreiben können. Aber „Entwurf eines Gesetzes Kleinanlegerschutzgesetzes“ geht einfach nicht, wenn man an einer derart exponierten Stelle Entwürfe im Namen des Gesetzgebers veröffentlicht! Setzen, Sechs!

Die zweite Frechheit ist, dass zur einführend erörterten Problemstellung und Motivation (Kurz zusammengefasst: Anleger haben Vermögenseinbußen erlitten, weil sie falsche Annahmen getroffen habe. Deshalb ist ihr Vertrauen und das unbeteiligter Dritter in den Kapitalmarkt gesunken.) eine Zielsetzung abgeleitet wurde, die (wenigstens) als fragwürdig zu bezeichnen ist, was nachfolgend begründet wird. Nur um einige Ziele zu nennen, sollen folgende Zitate aus dem Dokument dienen.

  1. „Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf sollen fortbestehende Regelungslücken geschlossen werden.“
  2. „Insbesondere soll die Transparenz von Vermögensanlagen weiter erhöht werden (…)“
  3. „Damit soll der Anleger die Seriosität und die Erfolgsaussichten einer Anlage einschätzen und eine informierte und risikobewusste Entscheidung treffen können.“
  4. „Durch verbesserten Schutz von Anlegern sollen Vermögensschäden verhindert werden und das Vertrauen in die in Deutschland angebotenen Finanzdienstleistungen und Produkte gestärkt werden.“

Diese Ziele lesen sich auf den ersten Blick und nur oberflächlich betrachtet gar nicht mal schlecht. Genauer betrachtet zeigt sich aber etwas sehr gefährliches! Insbesondere Punkt 1 ist höchst dramatisch und stellt einen massiven Einschnitt in unsere Freiheitlich demokratische Grundordnung dar! Auf Deutsch steht da nämlich, dass man des Regulierens wegen reguliert. Gesetze zur Regulierung von bisher nicht regulierten Sachverhalten als Selbstzweck sind ein Einschnitt in unsere verfassungsmäßig garantierte Freiheit! Ein Grundprinzip unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung ist es nämlich, dass prinzipiell alles erlaubt ist, was nicht explizit verboten ist oder einem anderen schadet. Folglich gibt es eigentlich keine Notwendigkeit, dass eine Regelungslücke geschlossen werden muss! Insbesondere dann nicht, wenn deren Schließung das als Begründung verwendete Problem nicht löst. Denn nirgendwo in dem gesamten Dokument wird ein Zusammenhang zwischen den Regelungslücken und angeblich entstandenen Schäden hergestellt. Ohne einen solchen Zusammenhang stellt die Forderung lediglich eine unbegründete gesetzliche Regelung dar, die ausschließlich Geld kostet, niemandem etwas nutzt (außer vielleicht gewissen Politikern) und zudem für noch mehr Komplexität und Intransparenz sorgt.

Damit wäre man bei Punkt 2. Angeblich soll die Transparenz erhöht werden. Wie obenstehend beschrieben, wird aber genau das Gegenteil umgesetzt. Außerdem ist es problematisch, wenn man einerseits von Transparenz spricht, auf der anderen Seite aber ein KLEINANLEGERschutzgesetz entwirft, obwohl es den Begriff des Kleinanlegers bisher in keinem anderen Gesetz gibt. Vielmehr wird dort von Privatanlegern gesprochen. Weiterhin sollte man zu Zeiten der Antidiskriminierungsgesetze Anleger auch nicht nach klein und groß unterscheiden und damit nach ihrem Geldbeutel bewerten. Denn das, was für den einen klein ist, kann für den anderen schon sehr groß sein. So wäre der Verlustfall von 10.000 € für eine Person mit geringem Einkommen erheblich schmerzvoller als ein Verlust in Höhe von 30.000 € eines Millionärs. Beides sind aber Privatanleger und die Beträge noch in einer Höhe, dass sie nach derzeitiger Gesetzeslage gleichwertig schutzbedürftig sind.

Punkt 3 schlägt dem Fass den Boden aus. Da soll der Anleger überprüfen können, ob eine öffentlich angebotene Kapitalanlage seriös ist. Moment mal! Alle Kapitalanlagen sollen einer gewissen Regulierung unterworfen werden und sogar die kleinen Angebote der Schwarmfinanzierer sollen bei der BaFin registriert werden. Ja, mit welchem Zweck denn, wenn man offenlässt, ob sie seriös sind oder nicht? Welchen Mehrwert erhält der Anleger dadurch denn? Dass er frei entscheiden darf, ob er sein Geld seriös oder unseriös investiert? Wo liegt dann der Unterschied zum Ist-Zustand? Angenommen, der Kleinanleger erkennt, dass es sich bei der angebotenen Kapitalanlage um ein unseriöses Angebot handelt, was hat dann die BaFin vorher bei der Registrierung erkannt? Vermutlich nur den Zahlungsbeleg für den Verwaltungsvorgang. Das ist doch totaler Schwachsinn!

Mit Punkt 4 wird wieder so eine Wischiwaschischeiße formuliert, die alles und nichts heißen kann. Abgesehen davon zeigt sie, worum es wirklich geht: Das Vertrauen in die Finanzindustrie soll gestärkt werden, damit wieder mehr Menschen Geld in irgendwelche regulierten Produkte investieren, woran der Staat und die etablierte Finanzbranche blendend verdienen. Der Anlegerschutz ist dabei in Wirklichkeit scheiß egal! Vermögensschäden werden mit den Lösungsvorschlägen des Gesetzesentwurfs keine verhindert! Ganz im Gegenteil: Durch den „neuen Sicherheitsgewinn“ werden viele Anleger ihre Anlageentscheidung in sehr risikobehaftete Anlageformen weniger kritisch hinterfragen!

Noch frecher ist die Tatsache, dass im Dokument die Existenz weiterer Lösungsalternativen anstelle des vorgeschlagenen Gesetzes verleugnet wird. Das ist schlicht und ergreifend falsch und wird einem Land, wie Deutschland es gerne sein möchte, nicht ansatzweise gerecht!

Inhaltlich gibt das Kleinanlegerschutzgesetz wenig Sinnvolles her. Lediglich die Tatsache, dass die BaFin zur Untersagung öffentlicher Angebote unter bestimmten Umständen ermächtigt wird ist sinnvoll. Allerdings zeigen sich auch Mängel in der Umsetzung. Auch das bonierte Festhalten an der Prospektpflicht als zentrales Instrument für Anlegerschutz, was auch im vorliegenden Entwurf durch Erweiterungen geschieht, zeugt nicht von der Praxistauglichkeit des Gesetzentwurfs.

Da die Begründung für die Schaffung des Gesetzes mangelhaft ist und auch die inhaltlichen Ziele nicht ansatzweise erreicht werden (teilweise sogar das Gegenteil der Fall ist) muss man von einem Kleinanlegerschmutzgesetz anstatt eines Anlegerschutzgesetzes sprechen. Es kann nicht sein, dass ein Gesetz, welches Anlegerschutz bieten soll, lediglich Protektionismus und weitere Zusatzregeln bietet, die weder Transparenz noch Vertrauen in irgendwas schaffen. Auch die regelrecht putzig wirkenden Werbeeinschränkungen sind an Einfältigkeit kaum zu überbieten.

Das einzig zunächst Positive: Je nach Umfang der Kosten für die Registrierung, könnte es für die Crowdfunding-Plattformen (Crowdinvesting-Plattformen) nun leichter werden, vernünftige Beteiligungen bis zu einer Gesamtsumme von 1 Mio. Euro anbieten zu können. Falls die Registrierungskosten der Vermögensanlagen für die Schwarmfinanzierer aber mit mehreren tausend Euro verbunden sein sollten, bleibt das Ganze nichts weiter als ein Schildbürgerstreich. Man könnte alternativ aber auch eine Mischung aus demoskopischem Aktionismus, Zynismus, blankem Hohn und Protektionismus unterstellen.

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