Ein eigentlich ganz guter Ansatz: „Trust your friends, not banks!“

Langsam aber sicher gestalten formieren sich neue Unternehmen, die den alten Strukturen der Finanzbranche den Kampf ansagen. Diese Entwicklung ist sehr zu begrüßen! Sie setzen auf Transparenz, die Eigenverantwortung der Nutzer und auf die Funktionalität sozialer Netzwerke. So auch Lendstar.

Das Startup Lendstar (http://www.lendstar.de) bietet ein Soziales Netzwerk, welches darauf ausgerichtet ist, dass sich Freunde kurzfristig untereinander Geld leihen. Damit treffen die Gründer einen aktuellen Nerv, den sie mit dem sicherlich ebenso aktuellen Slogan „Trust your friends, not banks!“ auch marketingtechnisch clever unterstreichen. Kern des Ganzen ist eine Smartphone-App. Die Basisfunktionalität ermöglicht es den Benutzern, ihren Bedarf eines bestimmten Geldbetrags mitzuteilen und auf der Gegenseite, die Bereitschaft zum Verleihen des Geldes zu kennzeichnen. Der Geldtransfer findet dann außerhalb via Paypal, Girokonto etc. statt. In einer weiteren Ausbaustufe soll die Funktionalität erweitert und auch der direkte Transfer über die App möglich werden. Das Angebot soll sich damit zukünftig bis hin zu mobilen Zahlungsfunktionen erstrecken.

Kredite, die von Privatpersonen oder Freunden und Bekannten vergeben werden, sind natürlich nichts Neues. Auch die Abwicklung mittels Internettechnologie stellt dabei kein Alleinstellungsmerkmal dar. In Deutschland vermittelt der Anbieter Auxmoney (www.auxmoney.com) seit 2007 bereits Kredite von Privat an Privat. Im Ausland gibt es ebenfalls vergleichbare Plattformen. Der Anbieter smava (www.smava.de) hat ursprünglich auch Kredite von Privat an Privat vermittelt, hat dieses Konzept jedoch vollständig aus dem Geschäftsmodell entfernt. Worin unterscheidet sich jetzt aber Lendstar von den bekannten Anbietern und warum sollten ausgerechnet sie erfolgreich(er) sein?

Wie erfolgreich Lendstar dauerhaft sein wird lässt sich derzeit natürlich noch nicht sagen. Im Gegensatz zu Auxmoney liegt der Fokus von Lendstar auf kurzfristigen Krediten mit kurzen Laufzeiten. Für die Basisfunktionalität entstehen dem Nutzer dabei zunächst auch keine Gebühren. Gebühren, und damit Cashflow für Lendstar, werden erst bei der Nutzung der Funktionalität der nächsten Ausbaustufe fällig. Der eigentliche Clou, der Lendstar gegenüber Auxmoney hervorhebt ist der Community-Gedanke. Kern von Lendstar ist nämlich ein soziales Netzwerk, was einen bestimmten Zweck verfolgt. Kritiker werden nun anmerken, dass bei Geld die Freundschaft aufhört, ähnliche auf Vertrauen basierende Modelle, wie beispielsweise Couchsurfing (www.couchsurfing.org), haben sich aber sehr erfolgreich durchgesetzt, wenn auch mit einem gänzlich anderen Fokus. Das Ganze soll mit einer Smartphone-App funktionieren, die den Nutzern das Abwickeln ihrer Leih- und Verleihvorgänge ermöglicht.

Der Idee kommt außerdem der aktuelle Zeitgeist entgegen. Lendstar geht mitten in einer Zeit an den Start, die von Auflehnung gegen die etablierten Strukturen der Finanzwelt geprägt ist. Außerdem können insbesondere Leute, die keinen Dispokredit eingeräumt bekommen, mittels Lendstar kurzfristig kleine Geldbeträge leihen. Damit hat das ganze sogar eine echte soziale Komponente. Erfreulich ist auch, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen, die im Umfeld der Finanzbranche nicht ganz einfach sind, zunächst unkritisch einzustufen sind.

Wer das Startup Lendstar in Form eines Darlehens unterstützen möchte, kann das via Seedmatch (www.seedmatch.de) per Crowdfunding ab einem Betrag von 250 € tun. Alles in Allem kann man sich so an einem jungen Unternehmen beteiligen, welches ein enormes Potenzial bietet. Lediglich die aktuelle Unternehmensbewertung von 947.000 € erscheint etwas ambitioniert. Das Risiko ist also, dass Lendstar sehr stark wachsen muss, um dem Investor eine dem Risiko entsprechende Rendite bieten zu können. Hierfür ist eine ausreichende Nutzerzahl nötig. Diese Nutzer müssen dann außerdem die zu einem späteren Zeitpunkt eingeführten Funktionen nutzen, die einen Cashflow generieren. Da die Mindestlaufzeit bei einer Beteiligung frühestens am 31.12.2018 endet, stehen die Chancen dafür aber recht gut. Demgegenüber steht der Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Zynisch: Man hätte dann aber wenigstens die Gewissheit, dass man das Geld für einen guten Zweck in den Sand gesetzt hat: dem Kampf gegen die etablierten Strukturen der Finanzbranche!

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