Warum Sparen eigentlich gar nicht so schlecht ist

Argumente der Anlageberater kommen derzeit oft so daher, wie es im Märchen vom abgezockten Sparer überspitzt dargestellt wird. Wenn man ihnen Glauben schenkt, dann ist Sparen so ziemlich das Dümmste, was man machen kann.

Wenn man ehrlich ist, handelt es sich bei derartigen Ausführungen aber um gequirlte Scheiße!

Um nur ein Beispiel zu geben möchte ich folgende Ausführungen zum Thema heranziehen.

„Anlässlich des kürzlich erfolgten Börseneinbruchs fanden sich sicherlich wieder viele deutsche Anleger bestätigt, die ihr Geld aus Sicherheitsgründen in Spar-, Sicht- und Termineinlagen angelegt haben. So was kann einem da schließlich nicht passieren. Wie bisher auch, wird dabei stillschweigend in Kauf genommen, dass sich das eigene Vermögen real also unter Herausrechnung der Inflation stetig verringert. Was konkret bedeutet, dass der sichere (Kaufkraft-) Verlust des Vermögens dem Risiko einer mittel- bis langfristigen Steigerung von z.B. Aktien vorgezogen wird.“ (Quelle: Aktionärsmob oder mündige Bürger? von N. Lohrke http://www.aktiencheck.de/kolumnen/Artikel-Aktionaersmob_oder_muendige_Buerger-5049404, abgerufen am 30.05.2013 um 12:05 Uhr)

Hier werden aber zwei Dinge miteinander verwechselt. Einerseits geht es darum, dass man erspartes Geld leicht verzinst sicher anlegt und dieses in keinem Fall verliert. Andererseits soll das Geld (unter beliebig hohem Risiko) angelegt werden, um damit einen Gewinn zu erwirtschaften. Man muss diese zwei Sachverhalte voneinander trennen.

Der Sparer spart nicht zwingend mit Gewinnabsicht, sondern aufgrund eines Sicherheitsaspekts und mit dem Ziel einen Geldbetrag x zusammenzukriegen. Abgesehen davon, ist die Lagerung von Erspartem zuhause unsicher und selbst ein Zins von 0,1% ist immer noch besser als überhaupt nichts für sein Geld zu bekommen, was bei einer Lagerung zuhause der Fall wäre. Selbst ein zinsloses Darlehen zur Finanzierung eines Fahrzeugs oder Fernsehers stellt für diesen Sparer schon ein Risiko dar, weil er auf zukünftige Einkommen vorgreift. Er nimmt sich dabei selbst die Flexibilität und Freiheit, die er für seinen ruhigen Schlaf benötigt.

Der Anleger mit Gewinnabsicht ist ein völlig anderer Typ. Er ist sich seiner Sache meist aber auch nicht so sicher, wie gemeinhin angenommen wird. Er hat im Wesentlichen nur zwei Möglichkeiten. Eine Möglichkeit ist der Kauf von risikobehafteten Wertpapieren und anderen Finanzprodukten (Fondsanteile etc.) oder Unternehmensanteilen. In diesem Fall muss er mit Verlusten rechnen, was im Zweifel nicht nur den Totalverlust sondern auch weitere Kosten mit sich bringen kann (bspw. im Fall von CFDs oder einer Gesellschafterhaftung). Eine andere Möglichkeit besteht im Kauf von Wertpapieren, welche die Einlage absichern, der Emittent dafür aber eine Gebühr verlangt. Diese Gebühr (oft im Bereich 3%-5%) muss der Anleger im Grunde aber als Verlust ansehen. Dieses faktische Verlustrisiko trägt er also trotzdem. Von Sicherheit gegenüber der Einlage kann hier also auch keine Rede sein.

Die oben genannte Quelle führt noch weitere Anzüglichkeiten bezogen auf den Sparer auf:

„Das ist ein verwunderliches und irrationales Verhalten. Welches dazu führt, das man- übrigens nicht nur auf dem Gebiet der Anlage – zurückfällt. Wer nichts tut bzw. nicht auffällt und auch sonst nicht ins Risiko geht, wird zwar wenig Fehler machen. Damit nimmt er sich aber zugleich auch die Chance der Weiterentwicklung, die bekanntlich dadurch zustande kommt, dass man Fehler macht und aus diesen dann auch hoffentlich lernt. Entwicklungsgeschichtlich bezeichnet man dieses intelligente Prinzip als Versuch und Irrtum (Trial and Error). Nur mit diesem Prinzip ist Innovation und damit Fortschritt möglich. Wer sich diesem Prinzip verschließt tritt maximal auf der Stelle, was in dynamischen Zeiten wie diesen bedeutet, dass er in Wahrheit zurückfällt. Auch, wenn er es – wie auch wir – nicht merken, weil es ein schleichender Prozess ist.“ (Quelle: Aktionärsmob oder mündige Bürger? von N. Lohrke http://www.aktiencheck.de/kolumnen/Artikel-Aktionaersmob_oder_muendige_Buerger-5049404, abgerufen am 30.05.2013 um 12:05 Uhr)

Ein einfacher Sparer oder auch Anleger ist keinesfalls mit unternehmerischen Begriffen zu belegen. Ein Arbeiter oder einfacher Angestellter hat weder ein Interesse daran aus Anlagefehlern zu lernen, noch möchte er Chancen der Weiterentwicklung nutzen. Und nur am Rande: Was soll denn weiterentwickelt werden mit welchem Ziel? Im Übrigen ist auch die Aussage, dass ein Vorgehen nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum (engl.: trial and error) intelligent ist ziemlich dämlich. Insbesondere dann, wenn die Aussage im Kontext der Kapitalanlage stattfindet. Zur Verdeutlichung: Man stelle sich vor, man erwirbt ein nagelneues Navigationssystem, welches einem dann getreu dem Prinzip von Versuch und Irrtum endlich im 33. Versuch ans Ziel bringt. Ist das intelligent und innovativ? Sicher nicht!

Fortschritt ist wichtig und unverzichtbar, aber bitte nicht auf Kosten des kleinen Mannes!

Noch ist der Autor der Quelle nicht am Ende mit seinen Bauernfänger-Argumenten:

„So gibt es derzeit Berechnungen, dass den deutschen Anlegern aufgrund ihres Sicherheitsfetischismus in der Geldanlage mit seiner Hinwendung zu Sichteinlagen und auch Lebensversicherungen und der bereits in 23 Ländern zu beobachtenden negativen Realzinsen jedes Jahr über 12 Mrd. Euro und weltweit über 100 Milliarden Euro verloren gehen und sich ganz nebenbei die Dax-Konzerne zwischenzeitlich mehrheitlich in ausländischem Besitz befinden. Angesichts dessen müssen einem auch Studienergebnisse nicht verwundern, dass andere Länder – übrigens auch in Europa (Stichwort: Südländer) – ein höheres durchschnittliches Pro-Kopf-Vermögen vorweisen können als wir. Was die derzeitige Euro-Rettungspolitik nicht nur in Frage stellt, sondern geradezu als absurd outet.“ (Quelle: Aktionärsmob oder mündige Bürger? von N. Lohrke http://www.aktiencheck.de/kolumnen/Artikel-Aktionaersmob_oder_muendige_Buerger-5049404, abgerufen am 30.05.2013 um 12:05 Uhr)

Auch an dieser Stelle werden wieder Dinge miteinander vermischt, die nichts miteinander zu tun haben. Wenn ein Privatanleger sein Geld lieber griffbereit und sicher festlegt (Der Begriff Anlegen ist in diesem Kontext nicht unbedingt angebracht.), dann ist das allein seine eigene Entscheidung und volkswirtschaftlich nur bedingt kritisch zu betrachten. Im Übrigen ist die derzeit geringe Spar- und Anlagequote das, was unsere Volkswirtschaft am Laufen hält. Oder wäre es besser, wenn der Konsum zu Gunsten von Kapitalanlagen in DAX-Konzerne zurückgeht? Ich bin mir da nicht so sicher. Und was soll denn dieser Finanzpatriotismus? Wem die DAX-Konzerne jetzt gehören, ist doch wirklich scheiß egal. Was kümmert die Eigentümerstruktur den durchschnittlichen Sparer oder Anleger? Als ob die DAX-Konzerne der Nabel unserer Volkswirtschaft wären. Die wird noch immer vom deutschen Mittelstand im Laufen gehalten. Der Vergleich mit den südlichen Ländern der Eurozone hinkt und hat außerdem nicht ansatzweise etwas mit dem Spar- und Anlageverhalten der Deutschen zu tun.

Abgesehen davon ist es unangemessen von Sicherheitsfetischismus zu sprechen, wenn man bedenkt, dass die, die eben diesen Sicherheitsfetischismus nicht an den Tag legten, vor gar nicht allzu langer Zeit eine Menge Geld verloren haben. Die entstandenen Schäden tragen jetzt weitgehend andere!

An dieser Stelle muss fairer halber angeführt werden, dass der Urheber der zitierten Quelle keinesfalls die einzige Person ist, die auf diese Weise Sparer und Anleger anspricht. Die kundgetane Auffassung wird vielmehr von sehr vielen Leuten geteilt und die Inhalte sogar geglaubt.

Es ist zweifelsfrei, dass nur derjenige, der ein gewisses Risiko in Kauf nimmt, auch einen größeren Erfolg haben wird. Das gilt übrigens nicht nur für Kapitalanlagen. Es ist aber auch so, dass es kein Anrecht darauf gibt, dass sich erspartes Geld von alleine ohne Zutun vermehrt. Auch der Unterschied zwischen Sparen und Anlegen muss berücksichtigt werden. Anlegen ist risikobehaftet, bietet aber die Option eine Rendite zu erzielen. Sparen ist risikofrei, aber auch frei von Renditen oder Inflationsausgleich.

Das Märchen vom abgezockten Sparer schließt mit einem guten Ende für den risikoorientierten Anleger. Die Realität sieht aber so aus, dass man als Otto Normalverbraucher keine großen Renditen erwarten kann und auch bei gemanagten Kapitalanlagen ziemlich häufig nicht das Ziel erreicht, welches man sich vorgestellt hat. Im Sinne einer Anlage sollte man also wirklich nur verschmerzbare Geldbeträge verwenden und sich immer über die Risiken im Klaren sein. Wertpapiere und Finanzprodukte, die man nicht versteht (WIRKLICH VERSTEHT) sollte man keinesfalls kaufen, auch wenn man es vielfach geraten bekommt.

Wer sparen will und sich damit gut fühlt, sollte das anstelle des Anlegens tun! Selbst ein Zinssatz, der geringer als die Inflationsrate ist, entwertet das Geld nicht in dem Maße, wie es oftmals dargestellt wird. Der große Vorteil des Sparens ist, dass man keine Verbindlichkeiten und Risiken hat. Man kann jederzeit über sein Geld verfügen und schläft nachts ruhig.

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