Crowdfunding: Zunehmende Popularität, steigendes Risiko

Crowdfunding erfreut sich, glücklicherweise, einer immer größer werdenden Popularität. Auch in 2012 stand das erste Halbjahr im Zeichen starken Wachstums. Dennoch werden in letzter Zeit auch die kritischen Stimmen lauter, die zur Vorsicht mahnen. Auslöser dürften (schätzungsweise) vor allem sein, dass Anfang Mai der bislang größte Betrugsversuch über die populäre Crowdfunding-Plattform kickstarter (www.kickstarter.com) aufgedeckt und dieser Sachverhalt in diversen Blogs verbreitet wurde. Doch die Risiken liegen nicht nur in einzelnen Fällen vorsätzlichen Betrugs, sondern vielmehr in der fehlenden Regulierung und der mittlerweile schier unübersichtlichen Anzahl an Projekten, die nach Kapitalgebern suchen. Natürlich kann es nicht Sinn der Idee Crowdfunding sein, zwingend erforderlich eine Kontrollinstanz zum Teil der Sache zu erklären. Vielmehr liegt die Verantwortung bei jedem einzelnen Investor und, auch wenn viele diese Auffassung nicht teilen werden, bei den Betreibern der Crowdfunding-Plattformen. Wenn sowohl Investoren als auch die Plattformbetreiber die Möglichkeiten ausschöpfen, die sie beim Crowdfunding haben, dann sollten Investments dieser Art um ein Vielfaches risikoärmer sein, als es beispielsweise ein Investment in ein strukturiertes Finanzprodukt ist.

Dass der Kontrollmechanismus aus Plattformbetreibern und Investoren funktioniert, zeigt der eingangserwähnte Betrugsversuch über kickstarter. Dabei wollten die Akteure angeblich ein Action-Strategie-Rollenspiel entwickeln und dafür Kapital mittels Crowdfunding über kickstarter akquirieren. Allerdings hatten sie niemals vorgehabt, das Spiel wirklich zu entwickeln, sondern lediglich das Geld von den spendablen Spielern einzusammeln. Dumm nur, dass die Betrüger ihre Rechnung ohne die Internetgemeinde gemacht haben, die sie betrügen wollten. Sie stellten also ihr Projekt vor und warben dabei mit jeder Menge geklautem Material und angeblichen Entwickler-Referenzen. Dann kam es, wie es kommen musste und Investoren, die das machen, was jeder Investor machen sollte, recherchierten die angegebenen Informationen nach. Das führte dazu, dass der Betrug aufflog. Da die Betreiber von kickstarter das eingesammelte Kapital erst am Ende eines Fundings an die kapitalsuchenden Unternehmen weiterleiten, kamen auch keine Anleger zu Schaden. Schwierig wird die Sache allerdings, wenn es zum Abschluss eines Fundings kommt und das Geld der Investoren an das zu finanzierende Unternehmen weitergeleitet wurde. Handelt es sich in einem solchen Fall um Betrug, so dürften die Investoren ihr Geld kaum wiedersehen. So (vermutlich) geschehen in einem weiteren Projekt, welches über kickstarter abgeschlossen wurde: Eyez von ZionEyez HD. Darin ging es um eine Brille, die Videos aufzeichnen können soll, um diese beispielsweise direkt in soziale Netzwerke einzuspeisen. Insgesamt wurden über 340.000 US$ für das Projekt eingesammelt, die Brille allerdings nie ausgeliefert. Ob es sich bei besagtem Projekt um vorsätzlichen Betrug handelt oder ob die Idee einfach nur nicht funktioniert hat, was dann sozusagen Pech/Risiko wäre, steht derzeit noch nicht fest, da sowohl kickstarter als auch die Projektentwickler beharrlich schweigen.

Was aber jedem Investor, der sich mit Crowdfunding befasst, klar sein sollte ist, dass mit steigender Anzahl von Crowdfunding-Plattformen und Projekten, die mittels Crowdfunding finanziert werden sollen auch das Risiko eines Totalverlustes steigt. Dieser kann entweder aufgrund eines Betrugs entstehen oder aber weil die Qualität der Geschäftsidee schlicht zu schlecht war. Natürlich gilt das auch für eine gute Geschäftsidee, die von einem unpassenden Gründerteam realisiert werden will oder einfach aufgrund schlechten Marketings. Wurden die ersten Projekte auf den Plattformen noch mit Bedacht ausgesucht, müssen jetzt auch die Plattformbetreiber an ihre Gewinne denken und deshalb für steigende Umsätze, also für mehr und größere Projekte, sorgen. Bei aller Euphorie sollte man immer auf der Hut sein und die Einsätze, und seien sie auch noch so klein, genauestens überdenken. Eine weiteres Risiko, welches sich aufgrund der rasant steigenden Anzahl von Crowdfunding-Plattformen nicht ausgeschlossen werden darf: Auch Plattformbetreiber können kriminelle Absichten haben. Daher empfiehlt es sich, sicherheitshalber nur über etablierte Plattformen in Projekte zu investieren.

Johannes Tschesche

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