Crowdfunding in Deutschland endlich auf dem richtigen Weg

Das Thema Crowdfunding wird weltweit immer populärer. Das gilt natürlich auch für Deutschland. Lediglich die rechtliche Situation sorgt noch immer bei vielen Gründern und Betreibern von Plattformen für Kopfzerbrechen. Schuld daran ist vermutlich die typisch deutsche Angst, wenn es darum geht Grenzen zu überschreiten und rechtliche Freiräume auszunutzen. Das gilt insbesondere dann, wenn es um Belange geht, die dem übermächtigen und überregulierten Finanzsektor zugeordnet werden müssen. Dabei ist vieles sehr viel leichter als die meisten glauben!

[ad]Ein Beispiel dafür, dass man sich durchaus auch bei neuen Dingen etwas trauen kann ist www.group-capital.de. Die Crowdfunding-Plattform hat nun ein Projekt gestartet, dessen Fundingsumme bei 250.000 € liegt. Damit ist die Obergrenze der etablierten Crowdfunding-Portale von 100.000 € endlich durchbrochen! Rechtlich wird das ganze dahingehend realisiert, dass es sich nicht um eine stille Beteiligung handelt, sondern um ein partiarisches Darlehen. Dieses Beteiligungsdarlehen stellt eine nicht regulierte Kapitalanlage dar. Damit können auch größere Geldbeträge als 200.000 € auf eine beliebige Anzahl Investoren aufgeteilt werden. Wie bereits in unserem Artikel Basiswissen Crowdfunding erwähnt, ist Crowdfunding nicht zwingend auf eine bestimmte Beteiligungsform angelegt. Diesem Sachverhalt war sich wohl auch der Gründer Sven Umlauf bewusst als er die Group Capital Crowdinvesting GmbH als Tochter seiner finance Verlags- und Consulting AG gründete.

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Nachdem die meisten Crowdfunding-Plattformen entweder auf künstlerische Projekte abzielen oder aber meist Startups mit kleinen Geldbeträgen finanzieren, war ein Projekt mit einem Budget von über 200.000 € eine logische Konsequenz, um zu verdeutlichen, dass Crowdfunding mehr als Spielgeld bietet. Damit sind die Weichen für Crowdfundings im industriellen Bereich gelegt. Natürlich bleibt abzuwarten, ob der deutsche Mittelstand, der eine Mischung aus Innovation und Konservativismus ist, sich auf Finanzierungen mittels Crowdfunding einlässt. Aus marketingtechnischen Gründen ist es ihnen aber dringend zu empfehlen – insbesondere dann, wenn damit innovative Vorhaben finanziert werden sollen.

Der Aspekt eines positiven und kostenlosen Marketings ist jedoch nicht der einzige Vorteil von Crowdfunding. Im Falle von Group Capital kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: das Rating. Dabei übernimmt die Crowd auch den Auswahlprozess für Fundingprojekte (Allerdings auch erst nach einer Vorauswahl). Damit wird ein weiterer Arbeitsschritt, den Portale wie www.seedmatch.de derzeit noch mit eigenem Personal durchführen, an die zukünftigen Investoren ausgelagert. Auf diese Weise wird der Kundennutzen von Anfang an in den Vordergrund gestellt. Allerdings stellt dieser Sachverhalt auch ein gewisses Risiko dar, da man aus der Meinung von vielen nicht auf deren Fach- und Sachkenntnis schließen kann. Das heißt, dass Projekte, die eine fachkundige Bewertung erfordern durchaus aufgrund des Wollens, aber nicht Wissens, vieler Investoren befürwortet werden, letztlich aber realistisch nicht durchführbar sind. Andererseits ist es jedoch auch ein Sicherheitsaspekt, da evtl. Produkte von Anfang an positiv oder negativ von Personen bewertet werden, die sie später auch kaufen werden.

Alles in Allem ist das Konzept von Group Capital das, was langfristig am anwenderfreundlichsten, sichersten und damit vermutlich auch am aussichtsreichsten ist. Lediglich das Marketingkonzept der Plattform ist noch nicht ausgereift. So fehlen vor allem in den Medien präsente Partner. Doch dieser Sachverhalt wird sich automatisch regeln: entweder verbessert Group Capital das Marketingkonzept oder aber andere werden folgen und das Konzept entsprechend verbessert unter eigenem Namen umsetzen. So oder so ist es Group Capital bzw. Sven Umlauf gelungen, den aktuell wichtigsten Schritt in Sachen Crowdfunding zu gehen, um Crowdfunding langsam in Richtung Finanzierungsinstrument für den deutschen Mittelstand zu führen. Es bleibt also weiterhin spannend!

Johannes Tschesche

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