Crowdfunding und die Finanzbranche

Noch vor kurzer Zeit wurde Crowdfunding oder auch Crowdinvesting als Instrument zur Unternehmensfinanzierung von vielen als eine kurzfristige Erscheinung eingestuft. Viele Stimmen prophezeiten der Schwarmfinanzierung ein Dasein als Strohfeuer. Sowohl aus den Reihen der Banken als auch aus den Reihen der Venture Capital-Gesellschaften und Vergleichbaren Firmen kamen derartige Einstufungen. Die aufgeführten Gründe waren meist relativ phantasielos und zeugten von dem auch heute nachwievor hohen Ross, von dem die meisten Akteure der Finanzbranche herabblicken.

Mittlerweile dürfte allerdings klar sein, dass sich diese Kritiker geirrt haben. Die Anzahl der heute existierenden Crowdfunding- und Crowdinvesting-Plattformen zeugt davon, dass das Thema Kapitalanlage im Zusammenhang mit Unternehmensfinanzierung und Unternehmensgründung für die Anleger von Interesse ist. Auch, wenn in einigen Jahren viele der heute vorhandenen Plattformen verschwunden sein werden, ist das vollständige Verschwinden der Schwarmfinanzierung in den aktuellen Ausgestaltungen äußerst unwahrscheinlich.

Trotz des enormen Wachstums der letzten Monate sind die meisten Akteure der Finanzbranche noch immer gefährlich desinteressiert. Lediglich zwei Banken befassen sich aktiv und branchenweit sichtbar mit den Themen Crowdfunding oder Crowdinvesting. Auch die Bemühungen der meisten Venture Capital-Gesellschaften in Sachen Schwarm sind äußerst gering. Die Gründe dafür lassen sich nur vermuten. Ein wesentlicher Grund scheint allerdings die Sicherung des eigenen Geschäfts zu sein. Sowohl Banken als auch Venture Capital-Gesellschaften und angeschlossene Firmen verdienen Geld mit ihren Dienstleistungen für Startups und andere Unternehmen. Von daher besteht natürlich ein berechtigtes Interesse an der Sicherung der eigenen Geschäfte. Insbesondere das Argument Risiko wird häufig angeführt. Dabei wird gerne vergessen, dass insbesondere kleine Investments für den Privatanleger einen entscheidenden Vorteil bieten: auch der Kleinanleger kann sein Risiko streuen!

Viele Akteure der Finanzbranche haben noch nicht begriffen, dass sich auch die Finanzbranche weiterentwickeln wird. Insbesondere die Exzesse der letzten Jahre haben bei den Kunden für einen gewissen Unmut gesorgt, was wiederum dazu führt, dass die Kunden zunehmend alternative Angebote nutzen. Wenn die Branche weiterhin so phantasielos bleibt, wird sie sicherlich langfristig abgelöst. Lediglich die Akteure, die sich mit jungen innovativen Ideen befassen und sich von den jahrelang aus Effizienzgründen eingeführten starren Prozessen lösen, werden langfristig überleben. Dass auch Branchenriesen auch ins Straucheln geraten und sogar einfach verschwinden können hat die jüngere Vergangenheit ebenfalls gezeigt. Umso unverständlicher ist es, dass die Banken ihre Kunden noch immer nicht verstehen wollen. Solange Transparenz und Fairness lediglich proaktive Bullshit-Bingo-Floskeln sind, werden die Kunden nach und nach abwandern. Dank des Internets und der heutigen Möglichkeiten der Datenverarbeitung, Information und Kommunikation sind viele derzeit noch nötige Institutionen eigentlich überflüssig geworden. Ob es um Kapitalanlagen, Kredite oder aber um Zahlungsdienstleistungen und Geldtransfer geht, Banken werden für vieles schlicht nicht mehr gebraucht.

Dabei ist insbesondere Crowdfunding ein entscheidender Treiber für die Umstellung der Finanzbranche. Lediglich die Fidor Bank und die Volksbank Bühl stellen sich aktuell der Herausforderung Innovation und befassen sich u.a. mit Crowdfunding. Damit binden sie den Kunden aktiv in den Geschäftsprozess ein und sorgen so für Transparenz, Fairness und das Vertrauen der Kunden.

Ist es denn so schwer mit der Zeit zu gehen? Crowdfunding bzw. Crowdinvesting sind übrigens nur eine Crowdsourcing-Lösung für die Finanzbranche. Crowdrating ist beispielsweise ein Ansatz, der im Vorfeld einer Finanzierung das zu finanzierende Vorhaben bewerten. Derartige Vorgehensweisen könnten auch für das Credit Scoring verwendet werden. Anstatt sich dem Zeitgeist zu verschließen, sollte sich die Branche langsam in Bewegung setzen.

Crowdfunding ohne Banken ist derzeit noch dahingehend beschränkt, dass für größere Geldbeträge als Eigenkapital der rechtliche Rahmen nicht ausreicht. Diese letzte Bastion bleibt den Banken also noch eine Weile erhalten. Allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich aus das hoffentlich ändert. Aber auch hier stellt sich die Frage, warum die Banken hier nicht innovative Lösungen auch für größere Geldbeträge schaffen und so ihren Kunden echten Mehrwert bieten. Bisher ist es aber eher so, dass sich Crowdfunding-Plattformen um aufsichtsrechtliche Erlaubnisse bemühen und die Banken business as usual betreiben. Dabei würden Crowdsourcing-Lösungen im Allgemeinen und unterschiedlich ausgestaltete Ansätze für Crowdfunding bzw. Crowdinvesting im Speziellen nicht nur eine wichtige Modernisierung darstellen, sondern der Branche enorm helfen. Insbesondere der Anschluss und die Verbindung zur Realwirtschaft stellen einen enorm wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar. Kunden und Banken würden Geschäfte mit echten Unternehmen machen und nicht mit willkürlichen Indizes, Lotteriescheinen oder Unternehmen, deren Geschäft im Schaffen von Blasen besteht. Banken könnten auf diese Weise einerseits das verlorene Vertrauen wiedererlangen und endlich damit beginnen das zu schaffen, was sie schon lange versprechen: Transparenz!

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