Crowdinvesting in Deutschland wissen-schaftlich betrachtet – Teil 2

Der erste Teil der Serie Crowdinvesting in Deutschland wissenschaftliche betrachtet befasste sich mit den Themen der Einleitung des Aufsatzes Crowdinvesting in Deutschland (vgl. ZBB 4/2012, S. 237-266) der beiden Autoren Lars Klöhn und Lars Hornuf. Im zweiten Teil der Serie wird der Markt für Crowdinvesting in Deutschland behandelt. Es ist zu beachten, dass es sich beim nachfolgenden Text um eine Rezension des oben genannten Artikels handelt.

Die Autoren Beginnen ihre Auseinandersetzung mit dem Markt für Crowdinvesting mit einer Einordnung des Begriffes. Sie definieren Crowdinvesting als Form von Crowdfunding, wobei sich Crowdinvesting von den drei anfänglichen Crowdfunding-Modellen (donation model, reward model und pre-purchase model) dahingehend unterscheidet, dass die Kapitalgeber an zukünftigen Zahlungsströmen der finanzierten Unternehmen beteiligt werden. Die Autoren vergleichen den Begriff Crowdinvesting per Fußnote auch mit dem equity model und dem lending model des Crowdfunding, also die Kreditvergabe durch den Schwarm. Wörtlich definieren Sie Crowninvesting wie folgt: „Hierbei handelt es sich um eine Form von Crowdfunding, bei dem Emittenten Eigenkapital oder hybride Finanzierungsinstrumente über das Internet an Kleinanleger ausgeben.“ Genaugenommen beinhaltet Crowdinvesting also sowohl das equity model als auch das lending model des Crowdfunding, da auch Nachrangdarlehen oder Gesellschafterdarlehen zu den hybriden Finanzinstrumenten gehören. Leider versäumen die Autoren es zu erwähnen, dass der Begriff Crowdinvesting primär in Deutschland geprägt wurde und derzeit auch primär im D-A-CH-Raum verwendet wird. Um das zu verdeutlichen soll eine simple Suchanfrage dienen. So finden sich am 25.10.2012 um 13:00 Uhr über den Suchdienst Google (Einstellung ohne Filter) ca. 64.700 Einträge für die Suche nach „Crowdinvesting“, davon alleine 56.300 Einträge „auf Deutsch“. Beim Suchbegriff „Crowdfunding“ hingegen verhält es sich umgekehrt.

Wie bereits im Artikel Crowdfunding, Crowdinvesting, Crowdsalat angemerkt, ist eine Abgrenzung des Crowdinvesting vom Crowdfunding für die Allgemeinheit überflüssig und lediglich von akademischem Interesse; wenn überhaupt, da die Modelle des Crowdfunding bereits in der Literatur beschrieben wurden. Ein anderer Aspekt, der die Verwendung des Begriffs rechtfertigt, ist das Marketing. Crowdinvesting soll nämlich die Absicht verdeutlichen, eine Investition zu tätigen, um damit eine Rendite zu erzielen. Es dürfte allerdings fraglich sein, ob die Verwendung des Begriffs sinnvoll ist, da er, insbesondere aufgrund der oftmals falschen Abgrenzung gegenüber dem Crowdfunding, für Verwirrung sorgt.

Als nächstes werden die Marktteilnehmer beschrieben. Dabei werden insgesamt fünf Internetportale benannt, über die Crowdinvesting möglich ist. Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle anzumerken, dass es heute einige Portale mehr gibt. Als typische Emittenten werden Startups benannt, deren Umsatz noch nicht ausreicht, um die laufenden Kosten und die Weiterentwicklung des Geschäfts zu finanzieren. Typische junge Unternehmen sind eCommerce-Anbieter, wobei die Gesamtheit der Unternehmen auf diese Branche beschränkt ist. Die Unternehmer selbst werden von den Autoren der Studie im Großen und Ganzen als seriös eingestuft. Gleichzeitig merken die Autoren aber auch an, dass eine Bewertung der Unternehmens- und Investitionsentwicklung erst Ende 2014 möglich sein wird. Im Weiteren erörtern die Autoren die Vermögensanlagen, also die Beteiligungsmöglichkeiten an den jeweiligen Unternehmen. Sie stellen schlicht fest, dass es sich in nahezu allen Fällen um stille Beteiligungen handelt. Diese werden in der Regel direkt zwischen den Startups und den Investoren geschlossen. Die Autoren erörtern außerdem die Art der Gewinn- und Verlustbeteiligung sowie einige vertragliche Ausgestaltungsmöglichkeiten. Allerdings ist diese Form der Bestandsaufnahme im Grunde überflüssig, da sich die vertraglichen Regelungen zumindest von Plattform zu Plattform und teilweise sicherlich auch von Startup zu Startup unterscheiden. Genauso obsolet sind die Ausführungen über die Mindestbeteiligungen, die sich von Plattform zu Plattform unterscheiden. Etwas fehlplatziert wirken die nachfolgenden Ausführungen über den Ablauf der Emissionen, da dies im Kontext des Marktes eher von untergeordnetem Interesse sein dürfte. Verstärkt wird dieser Sachverhalt durch die Tatsache, dass die Autoren einleitend anmerken, dass eine vollständige Darstellung nicht möglich ist und deshalb nur die Abläufe der führenden Plattformen erläutert werden.

Sehr interessant sind allerdings die Ausführungen über die am Markt teilnehmenden Anleger. Den der Studie zugrundegelegten Daten nach sind über 90% der Investoren männlich, gebildet und durchschnittlich 39 Jahre alt. Fast die Hälfte der Investoren arbeitet nicht abhängig beschäftigt, ist im Durchschnitt bereit über 124.000 EUR mittels Crowdfunding zu investieren, möchte dieses Kapital aber auf ca. 5 unterschiedliche Startups verteilen. Gleichzeitig besteht aber auch die durchschnittliche Bereitschaft fast 60.000 EUR in ein einzelnes Unternehmen zu investieren. Die Autoren merken außerdem an, dass zukünftig auch institutionelle Anleger am Markt teilnehmen könnten. Was die Autoren versäumen, ist das Hinterfragen der Ursache für den deutlichen Anteil männlicher Investoren. Für Plattformbetreiber heißt dieser Sachverhalt vor allem, dass man hinsichtlich Marketings und möglicherweise auch Plattformaufbau und Bedienung Änderungen vornehmen muss, wenn man zukünftig auch weibliche Kunden gewinnen will.

Im Anschluss werden die Angebote der zuvor bereits erwähnten Portale erläutert. Besonders auf Auswahl der Startups und die Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten der Portale wird dabei eingegangen. Da die Auswahl der Startups auf den unterschiedlichen Portalen auf unterschiedliche Art und Weise erfolgt, ist eine vollständige Darstellung durch die Autoren aber nicht möglich. Wichtig ist allerdings, dass die Plattformbetreiber ihren Kunden, also den Startups, außer der Gewinnung von Kapital diverse Möglichkeiten für PR, IR und die Kommunikation mit den Medien anbieten. Diesem Aspekt kommt an dieser Stelle allerdings zu wenig Gewicht zu, denn die Crowdinvestingportale stellen für die jeweiligen Unternehmen einen enormen Multiplikator dar. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Höhe der Provision, die die Portale für ihre Dienste erheben. Diese liegen zwischen 5% und 10%. In Anbetracht des Marktvolumens zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Studie, welches sich auf die unterschiedlichen Plattformen aufteilt, konnte derzeit noch keine Plattform eigenständig und „profitabel operieren“. Gleichzeitig stellen die Autoren aber auch fest, dass der Wachstumstrend beim Crowdinvesting anhalten dürfte.

Im Marktausblick weisen die Autoren darauf hin, dass die Plattformen ihre Geschäftsmodelle überdenken, um profitabler zu werden. Außerdem wird angemerkt, dass das Ziel die Vermittlung größerer Summen ist. Auch auf das heute mit einer Genehmigung der BaFin ausgestattete Unternehmen Bergfürst wird hingewiesen.

Der nächste Teil der Serie behandelt die Rechtslage von Crowdinvesting in Deutschland.

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Ende Teil 2

Johannes Tschesche

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Veröffentlicht unter Crowdfunding

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