Eine Bank für Kryptowährungen?

Auf seiner Homepage wirft Matthias Kröner, Vorstand der Fidor Bank, die Frage auf, wie eine Bank für Kryptowährungen aussehen müsste. Er ruft zur Diskussion dieser Fragestellung auf, indem er einige Leitfragen stellt. Teilweise werden diese Leitfragen bereits mittels Kommentarfunktion unter der Frage diskutiert. An dieser Stelle soll die Fragestellung ebenfalls aufgegriffen werden. Die Fragestellung kommt derzeit vielleicht noch etwas „fancy“ daher, in Wirklichkeit dürfte sie aber von Interesse für die (langfristige) Zukunft der Banken sein. Man darf nicht vergessen, dass den Menschen die Art ihres Zahlungsmittels an vielen Stellen egal ist, da viele Zahlungen nur noch per Onlinebanking, Kredit- oder EC-Karte und mit neuen Verfahren z.B. mit Hilfe des Smartphones ausgeführt werden. Der ideelle Wert einer Währung dürfte der zunehmend durch das Internet geprägten Menschheit immer egaler werden, solange sie ihre Rechnungen bezahlen können – sei es mit Euro, Dollar, Paybackpunkten, Facebook-Likes oder Bitcoins. Womit, ist im Grunde ja auch eigentlich egal. Den Zentralbankwährungen gegenüber existieren auch Ideen einer Weltwährung, wobei deren Einführung eher unwahrscheinlich ist. Wahrscheinlicher ist die Koexistenz globaler Kryptowährungen zu den etablierten Währungen der Nationalstaaten und Staatenverbünden.

Bevor die eigentliche Fragestellung aufgegriffen wird, soll der Begriff Kryptowährung kurz und ohne Anspruch auf Vollständigkeit erläutert werden. Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel oder Zahlungssysteme, die einem eigenen Bewertungssystem unterliegen. Im Gegensatz zu den von den Zentralbanken herausgegebenen Währungen, werden Kryptowährungen nicht staatlich reguliert und damit nicht stabilisiert. Sie werden am Computer auf Basis spezieller Algorithmen geschöpft. Außerdem besitzen sie im Grunde keinen Gegenwert als Zahlungsmittel und können im Gegensatz zu Währungen der Zentralbanken nicht ineinander zu festgelegten Kursen getauscht werden – jedenfalls besteht darauf kein Anspruch. Als nicht offizielles Zahlungsmittel hängt ihr Wert letztlich davon ab, welchen Wert der Empfänger ihr zuordnet. Kryptowährungen werden nicht auf Bankkonten „gelagert“, sondern in digitalen Brieftaschen gespeichert. Weiterführende Informationen finden sich an diversen Stellen im Internet. Der derzeit populärste Vertreter der Kryptowährungen ist Bitcoin (kurz BTC).

Zurück zur Frage nach einer Bank für Kryptowährungen. An erster Stelle steht die Frage nach den Anforderungen. Diese Frage setzt voraus, dass man eine Bank für Kryptowährungen überhaupt benötigt und wenn, welchen Kundennutzen diese erbringen muss. Welche der von Banken an Privatkunden angebotenen Dienstleistungen ist für Kryptowährungen eigentlich erforderlich?

Die Kontoführung fällt schon mal weg, da man Kryptowährungen auf digitalen Konten auf einem Computer oder in einer sicheren Cloud speichert. Zahlungsverkehr muss von einer Kryptobank ebenfalls nicht angeboten werden, da dieser bei Kryptowährungen direkt von digitaler Brieftasche zu digitaler Brieftasche über das Internet oder mittels Übereignung der jeweiligen Brieftaschenspeicher erfolgt.

Eine weitere Dienstleistung der Banken ist die Kreditvergabe. Diese würde im Falle der Kryptowährungen prinzipiell so funktionieren, wie mit herkömmlichen Währungen auch. Allerdings fällt hier das Monopol der Banken weg, dass ausschließlich sie Geld von den Zentralbanken leihen dürfen. Die Bank muss die Kryptowährung also auf einem regulären Markt einkaufen oder eintauschen. Das dürfte sich kaufmännisch kaum rechnen und bringt zu viele Nachteile mit sich. Ein Lösungsansatz dafür ist die Kreditvermittlung von einer Person zu einer anderen Person, wobei die Bank hier die Summen poolen und so einzelne Beträge möglicherweise besser steuern könnte. Allerdings würde die Bank das Kreditrisiko tragen oder sie würde es gegen eine Gebühr an die einzelnen Kreditgeber weiterreichen (ähnlich wie das Verbriefen von Kreditschulden). Damit würden Kredite entweder sehr teuer werden, da gleich zwei Parteien ein Stück vom Kuchen abhaben wollen, oder aber die Bank muss ihre Marge im Privatkreditgeschäft massiv reduzieren. Außerdem dürfte das Weitergeben des Kreditrisikos die meisten Geldgeber abschrecken. Weiterhin dürften beide Szenarien unwahrscheinlich sein, da es bereits Plattformen zur Vermittlung von Krediten zwischen kapitalsuchenden und Kapitalgebenden Parteien gibt (Stichwort P2P-lending). Dafür alleine braucht es im Grunde also keine Bank (mit teurer Banklizenz). Banken könnten hier höchstens als zusätzliche Marktteilnehmer auftreten. Dazu müssten sie allerdings ihr hohes Ross verlassen, was derzeit gelinde gesagt fraglich sein dürfte.

Die letzte große Bastion der Banken sind die Sparer und Anleger. Ein Vorteil der Banken für Sparer war bisher die Sicherheit des eingelegten Geldes. Die Bank galt und gilt als Aufbewahrungsort ohne Risiko für den Sparer. Eine Dienstleistung könnte damit die Sicherung des Inhalts digitaler Brieftaschen sein. In diesem Fall stellt sich die Frage danach, wer diese Sicherheit bezahlt und wie das „Mehr“ an Sicherheit realisiert werden soll. Auch hierfür braucht es prinzipiell keine Bank. Anbieter für sichere Cloudspeicher gibt es und das größere Risiko liegt ohnehin im Datentransfer und nicht in der Speicherung. Dennoch könnten Banken die digitalen Brieftaschen verwahren oder als eine Art Clearingstelle dafür fungieren.

Die Entwicklung von Kapitalanlageprodukten speziell für Kryptowährungen stellt hingegen eine interessante Sache dar. Denn eine weitere Frage, die man sich dringend stellen sollte, ist die Frage nach der Weiterentwicklung von Kryptowährungen. Bisher sind sie ja noch recht phantasielos und funktionieren, rein theoretisch, wie gängige Währungen auch. Vorstellbar wäre aber beispielsweise auch die Verbindung von Kryptowährungen mit Sachwerten, Unternehmensanteilen und Patenten oder Lizenzen. Damit würde die Kryptowährung vom ausschließlichen Zahlungsmittel zum Tauschmittel (korrekterweise muss man sagen, dass Kryptowährungen derzeit keine Zahlungsmittel sind, sondern lediglich wie solche verwendet werden). Insbesondere aufgrund zunehmender Akzeptanz für Sharing-Modelle aller Art (Stichwort Shareconomy: Carsharing, Couchsurfing etc.) Derartige Ansätze werden bereits in der Sciencefiction-Literatur beschrieben. In einem Fall übrigens vom gleichen Autor, der 2008 den 3D-Druck sowie Produkte á la Google Glass als Standardwerkzeuge für unser Leben in der aktuellen Zeit beschrieben und damit eine weise Voraussicht getroffen hatte. Banken müssten sich dann vollständig von bisherigen Geschäftsmodellen wegbewegen, wenn sie weiterhin existieren wollen.

Noch sind Kryptowährungen nur in der Nische zuhause. Und möglicherweise werden sie verboten oder verschwinden aus anderen Gründen. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie, wie andere neue Dinge auch, zusätzlicher Bestandteil unseres Lebens werden. Für Banken besteht die Herausforderung deshalb im Grunde nicht darin, wie man eine Bank für Kryptowährungen aufbauen kann, sondern darin, wie sie ihren Kunden einen tatsächlichen Nutzen im Kontext der jeweiligen Kryptowährungen bringen kann. Ob es sich dabei um Sicherheitsthemen, Anlageprodukte oder Beratungsdienstleistungen handelt, kommt einerseits auf die Zielgruppe der Bank und andererseits auf die jeweilige Kryptowährung an. Ein promovierter Informatiker hat in diesem Bereich sicherlich andere Bedürfnisse als ein mit Smartphone und Tablet-Computer groß gewordener Handwerker.

Szenarien und Möglichkeiten gibt es viele. Sicherlich sind auch die obigen Ausführungen weder vollständig noch vollständig richtig, geschweige denn als sichere Prognose einzustufen. Sicher dürfte aber sein, dass durch die zunehmende Akzeptanz von direkten Geschäftsverbindungen (z.B. Crowdfunding) zwischen Kunde und Hersteller über das Internet und durch die mit Sicherheit zunehmende Verbreitung von P2P-Finanzdienstleistungen (z.B. Kreditvergabe) das Geldgeschäft nicht so bleiben wird, wie es derzeit ist. Durch diverse Krisen und Fehlverhaltensweisen im Bankensektor ist auch das Vertrauen der Menschen in diesen Wirtschaftszweig stark gesunken. Das Sicherheitsbedürfnis hinsichtlich einer Abkehr der von Inflation und Finanzkrisen betroffenen Währungen existiert. Alleine schon deshalb müssen sich Banken massiv ändern, wenn sie weiterhin existieren möchten. Banken genießen aufgrund völlig unnötiger und an den falschen Stellen greifender Regulierung einen teuren Sonderstatus, der ihnen derzeit gewisse Geschäfte exklusiv zusichert. Allen anderen sind diese Geschäfte verboten. Diese staatlich gesicherte Existenz Kraft eigener Arroganz wird früher oder später fallen, da die Staaten eben aus ihren Bürgern und für ihre Bürger existieren und nicht umgekehrt. Die Welt ändert sich – mit oder ohne Banken – und höchst wahrscheinlich mit irgendwelchen Formen von Kryptowahrungen!

Getagged mit: , , , , , ,
Veröffentlicht unter Finanzboulevard